Aromatische Pflanzenessenzen werden seit Jahrtausenden für Heilzwecke verwendet.

Heute beschäftigen sich viele Wissenschaftler auf der ganzen Welt mit dem inzwischen hochaktuellen Thema Geruchssinn. Durch modernste technische Methoden ist es gelungen, den Vorgang des Riechens zu erhellen.

Der erfrischende Duft von Basilikum gegen Depressionen und zur Regulierung der Verdauung, das krampflösende, schleimbefreiende Aroma von Eukalyptus, das wir bei Erkältungskrankheiten inhalieren, beruhigendes Lavendelöl oder der kühlende Duft von Rosenöl werden in den verschiedensten Heiltraditionen des Altertums sowie der Neuzeit zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt.

Man nimmt an, dass es etwa 30.000 verschiedene Riechstoffe in der freien Atmosphäre gibt, von denen der Mensch 5.000 bis 10.000 wahrnehmen kann – innerhalb weniger Millisekunden und in Mikrokonzentration, ein Paar Moleküle genügen.

Aromatherapie - was bewirken die Duftreize?

Mehr als zehn Millionen Riechzellen empfangen in den hinteren Nasenhöhlen die Geruchsmoleküle. Körpereigene Botenstoffe verstärken das Signal, dann wird die chemische Information in eine elektrische übersetzt, zum kleinen bohnenförmigen Riechkolben weitergeleitet und von dort im Gehirn verteilt.

Diese Information wird zunächst an eine zentrale Schaltstelle, den Hypothalamus, geschickt. Das winzige Nervenzentrum gilt als Gehirn des Gehirns. Es steuert zahlreiche Körperfunktionen: Temperaturregulation, Durst und Hunger, Hormonspiegel, Wachstum, Wach- und Schlafrhythmus und Gefühle wie Glück und Trauer, um nur einige wichtige zu nennen.

In dieser Schaltzentrale werden alle Sinnesinformationen integriert, gesammelt, koordiniert und bearbeitet. Von hier aus erreichen sie den gesamten Körper, gleichzeitig auch das limbische System. Diese Gehirnstruktur ist unmittelbar mit unserem Gefühlsleben gekoppelt.

Auch andere Hirnareale, die für den Vorgang der Erinnerung zuständig sind, werden vom Hypothalamus beeinflusst. Das erklärt, warum Gerüche nicht nur wahrgenommen werden, sondern auch Erinnerungen, Emotionen und Gefühle in uns wachrufen. Die Duftreize können im limbischen System die Freisetzung von neuro-chemischen Stoffen bewirken.

Noch tausendmal empfindlicher als unser Geruchssinn ist das sogenannte Vomeronasal-Organ, das erst vor kurzem in der Nase wiederentdeckt wurde.

Bereits vor 200 Jahren hat ein holländischer Militärarzt dieses nur 1 cm lange und streichholzdünne Sinneswerkzeug an beiden Seiten der Nasenscheidewand beschrieben. Es hat über Nervenbahnen eine Verbindung zum Gehirn und reagiert auf Lockstoffe, die sogenannten Pheromone. Dies sind kurzkettige Moleküle, die die menschliche Nase noch in höchster Verdünnung in der Atemluft wahrnehmen kann.

Ernsthaft diskutiert man auch darüber, ob auch Sympathie und Antipathie zwischen Menschen auf die Wirkung dieser Botenstoffe mit zurückführbar ist.

Düfte verknüpft jeder Mensch ganz automatisch mit positiven oder negativen Emotionen, mit Wohlempfinden oder Abscheu. So kann durch bestimmte, gut ausgewählte Düfte das Wohlbefinden jedes Menschen gesteigert und die gewünschte Wirkung erzielt werden.

Was erreichen wir mit der Aromatherapie?

Wir erreichen mit den Aromen Schlüsselfunktionen einer gestörten Physiologie und haben mit den Duftstoffen einen direkten Zugang zu den zentralen Schaltstellen unseres Gehirns, da die Riechschleimhaut die einzige Stelle im Körper ist, in der das zentrale Nervensystem offen liegt und direkt mit der Außenwelt Kontakt hat. Für gezielte therapeutische Zwecke können differenzierte und sehr wirksame Duftmischungen - Aromaöle - zusammengestellt werden. Diese Aromaöle füllt man in eine Duftlampe. Duftlampen schaffen eine angenehme Raumatmosphäre. Sie wirken durch die Kombination aus Form, Licht, Farbe und Duft. Eine Duftlampe ist ein Gefäß aus Keramik, Alabaster, Glas oder Porzellan mit einer Schale für Wasser, das durch eine Kerze oder eine Glühbirne erhitzt wird. Träufeln Sie einige Tropfen des ätherischen Öls in das Wasser. Der aufsteigende Wasserdampf wird die Duftmoleküle in die Raumluft tragen. Die Anzahl der Tropfen ätherischen Öls in der Duftlampe richtet sich nach Raum, Größe, Duft und Intensität der Essenz. In der Regel verwendet man 5 bis 15 Tropfen.

Das passende Öl, wenn es richtig für Sie ausgewählt wurde, können Sie auch zu Hause anwenden. Die Applikation in der Nacht, zu einer Zeit der Erneuerung und Regeneration, wirkt besonders ausgleichend auf das vegetative Nervensystem. Um eine gründliche Harmonisierung zu erreichen, können Sie einen ausgleichenden Duft für einige Wochen regelmäßig einige Stunden auf sich einwirken lassen.

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner