Der Beckenboden stellt den muskulär-elastischen Abschluss des Beckenausganges dar. Er muss sämtliche Organe, die sich in der Bauchhöhle befinden, durch fortwährende Spannung tragen. Wird die Beckenbodenmuskulatur überdehnt bzw. ist diese geschwächt, kommt es zu einer Senkung der Organe, welche dem Beckenboden direkt aufliegen. Beschwerden können sein: Druckgefühl im Leistenbereich, zusätzlich kann nach Prostataoperationen auch ein Druckgefühl und/oder Schmerz im Penisbereich auftreten – vor allem nach längerem Stehen oder Gehen, Rückenschmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich und/oder unfreiwilliger Urinabgang beim Husten, Pressen, Niesen, schweren Heben.

Training 

Um o. g. Beschwerden zu beseitigen oder zu lindern, ist ein kontinuierliches Training der Beckenbodenmuskulatur vorzunehmen. In den Griff bekommt man den Beckenboden, indem man sich das After-, Penis- und Blasengebiet bewusst macht und lernt, diese drei Gebiete anzuspannen und zu lockern. Es ist zu empfehlen, dieses Funktionsgebiet kontinuierlich in den Tagesablauf einzuordnen. Das Beckenbodentraining sollte bereits am Morgen beginnen, während der Arbeitszeit, auf dem Heimweg und nicht zuletzt am Abend stattfinden.

D. h.: Man kann den Beckenboden unauffällig spannen und lockern – beim Warten im Geschäft, bei roter Ampel, bei jeglicher Hausarbeit, schließlich auch beim Fernsehen.

Des weiteren sollte man darauf achten, dass kein zu hoher Druck im Inneren des Beckens (intrapelviner Druck) auftritt. Diese ungünstigen Druckverhältnisse werden häufig durch falsche Atemtechnik in Belastung („pressen“) provoziert. Zu viel Druck kann hervorgerufen werden durch ungünstig ausgeführte Bewegungsübergänge wie z. B. beim ins Bett Legen, beim Aufstehen aus dem Bett, beim Hinsetzen und zum Stand kommen, Heben und Tragen, durch schnelle Bewegungen beim Sport (Hüpfen und Springen) und vieles mehr.

Deshalb sollten Sie sich bei unvermeidlichen Anstrengungen angewöhnen, während des Hebens stets den Beckenboden anzuspannen (After, Penis und Blase nach innen ziehen) und auszuatmen. Dann wird ein Gegengewicht in der Tendenz der Überlastung der geschwächten Muskelpartien gesetzt und mit wenig Aufwand der Körper an ein gezieltes Beckenbodentraining bei Verrichtungen des täglichen Lebens herangeführt.

Physiotherapeutische Maßnahmen in der Sonnenberg-Klinik:

  • Zur Wahrnehmung des Beckenbodens sich die Anteile After, Penis, Dammbereich bewusst machen, Entkoppelung anderer Muskelgruppen von der Anspannung des Beckenbodens.
  • Anleitung zu Kräftigungsübungen in verschiedenen Ausgangsstellungen bei Bedarf mit Hilfsmitteln wie Biofeedbackgerät, Pezziball.
  • bei Bedarf Entspannungsübungen, z. B. bei Entleerungsstörungen, Krampfneigung und Schmerzen.
  • Verhaltensmaßnahmen für den Alltag, um so einen bewussten, aktiven Einsatz der Beckenbodenmuskulatur auch in körperlichen Belastungssituationen wie Arbeit, Haushalt und Sport zu gewährleisten.

Diese Informationen sollen Ihnen helfen nach einer Krebsoperation wieder mehr Sicherheit und Kontrolle zu erreichen. Bei anhaltenden Beschwerden empfehlen wir eine stationäre Rehabilitation in einer onkologischen Rehabilitationsklinik.

Verfasser: Volker Schuchhard - Leiter Physiotherapie