Ein Endometriumkarzinom entsteht durch Zellveränderungen der Schleimhaut innerhalb der Gebärmutter. Bis zu Beginn der Wechseljahre wird diese Schleimhaut regelmäßig erneuert und mit der Regelblutung ausgestoßen. So ist zu verstehen, dass sich ein Endometriumkarzinom am häufigsten in der letzten Phase vor den Wechseljahren bzw. in der Zeit danach entwickelt.

Zusätzlich erhöhen

  • Übergewicht
  • Kinderlosigkeit
  • Östrogenbehandlung nach den Wechseljahren (ohne Gestagen)
  • Tamoxifen

das Risiko, an einem Endometriumkarzinom zu erkranken.

Bei den hereditären, nicht polypösen kolorektalen Carcinomen (HNPCC-Syndrom) besteht auch ein erhöhtes familiäres Risiko für Endometriumkarzinome. Frauen mit gesicherter Mutation in einem der HNPCC-Gene erkranken durchschnittlich 10 bis 15 Jahre früher an einem Endometriumkarzinom. Als Prädisposition werden Mutationen von Reparaturgenen auf den Chromosomen 2p, 2q, 3p und 7p diskutiert.

Wer nach einer operativen Entfernung eines Endometriumkarzinom oder einer Bestrahlungstherapie noch Zeit für die Wundheilung und die Regeneration i. S. e. sog. „Anschlussheilbehandlung“ (= AHB) benötigt, ist bei uns in besten Händen.

Aber auch wenn das Endometriumkarzinom selbst oder die Operation oder die Bestrahlung bleibende Schäden hinterlassen haben – was je nach Lage des Endometriumkarzinom nicht immer vermeidbar ist -, sind wir in der Lage, eine sog. „Rehabilitationsmaßnahme“ durchzuführen: Sie werden von erfahrenen Therapeuten so geschult, dass durch den Schaden verloren gegangene Fähigkeiten weitestgehend wiederhergestellt werden können. Wo das nicht möglich ist, kümmern wir uns um Hilfsmittelversorgung und ggf. auch häusliche, pflegerische Assistenz.

Operation oder Bestrahlung des Endometriumkarzinom waren nicht angezeigt, daher wurden Sie mit einer Chemotherapie behandelt? Oder diese muss gar erst eingeleitet werden? Auch diese Aufgabe gehört zu unseren täglichen Herausforderungen: Chemo-, Hormon- und Immunbehandlungen werden bei uns für die verschiedenen Formen von Krebs durchgeführt.

Gerade bei bestehender Partnerschaft muss auch der Lebensgefährte oder die Lebensgefährtin in die Problematik einbezogen werden, die nach einer möglicherweise verstümmelnden Operation des Endometriumkarzinom – die aber das Überleben ermöglicht – auftreten kann: Die Problematik im Umgang mit verloren gegangener Weiblichkeit und angegriffenem Selbstwertgefühl.

Unsere Patientinnen wieder in ein seelisches Gleichgewicht zurückzuführen, mit dem sie gut leben können, gehört zu unseren Kernkompetenzen. Eine psychologische Betreuung gehört daher selbstverständlich zu unseren Leistungen.

Die Wiedereingliederung in den Beruf nach Behandlung eines Endometriumkarzinom ist ein ebenfalls wichtiges Thema: Gibt es am alten Arbeitsplatz Belastungen, denen man sich besser nicht noch einmal aussetzen sollte? Wie werden die Kolleginnen und Kollegen sich verhalten? Verhindern Depressionen die Ausübung eines Berufs mit hohem Termindruck und intensiver mentaler Belastung?

Auch das will geklärt sein. Hierbei stehen wir Ihnen zur Seite.

Mit dem Abschluss der unmittelbaren Therapie des Endometriumkarzinom ist es noch nicht getan: Es müssen Verlaufskontrollen stattfinden und eine Nachsorge: Hat sich irgendwo eine Metastase des Endometriumkarzinom versteckt? Treten erneut unklare Symptome auf, die auf eine neuerliche Krebserkrankung hinweisen? Gibt es als Operationsfolge anhaltende oder neu auftretende Kontinenzprobleme?

Die Probleme können vielfältig sein. Unsere Türen stehen Ihnen daher noch Jahre nach der Behandlung offen. Auf uns können Sie sich mit Ihren Sorgen uneingeschränkt verlassen.

Gibt es Situationen, die einer Behandlung bei uns entgegenstehen?

Ja, die gibt es: Notwendigkeit akuter chirurgischer Intervention. Eine laufende Strahlentherapie oder andere, nicht-tumoröse Erkrankungen, deren Behandlung im Vordergrund steht.

Was möchten wir also erreichen:

  • Förderung der allgemeinen Leistungsfähigkeit und körperliche und seelische Stabilisierung
  • Abbau von Funktionsdefiziten und Schulung von Ersatzfunktionen bei nicht rückbildungsfähigen Störungen
  • Förderung der Krankheitsbewältigung, emotionale Entlastung und Stabilisierung, Verbesserung von Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz
  • Hilfestellung bei Neuorientierung und Förderung der Lebensqualität
  • Informationsvermittlung und medizinische Beratung (onkologisch, biologisch und naturheilkundlich), Planung der weiteren Behandlung
  • Vorbereitung der beruflichen Wiedereingliederung und ggf. Einleitung berufsfördernder Maßnahmen, Sozialberatung
  • Reintegration in den beruflichen und privaten Alltag

Wir gehen mit einer ausführlichen Diagnostik auf Ihre Probleme ein:

  • Anamnese und vollständige körperliche Untersuchung unter Berücksichtigung bereits vorhandener Befunde
  • Statuserhebung (Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit, Tumorstatus)
  • Labordiagnostik inklusive spezifischer tumorassoziierter Parameter

Falls für Behandlung oder Rehabilitation erforderlich:

  • fachärztliche gynäkologische Untersuchung inklusive der zytologischen und mikrobiologischen Untersuchung von Abstrichen, transabdominale und vaginale Sonografie
  • weitere internistische Untersuchung durch Langzeit-EKG, Echokardiografie, Endoskopie, Sonografie, Lungenfunktionsdiagnostik)
    • Im Klinikverbund CT, NMR, Nuklearmedizin
    • Bei speziellen Rehabilitationsfragen: psychologische Diagnostik

Therapieprogramm

Das Therapiekonzept erfordert eine individuelle Anpassung und Schwerpunktsetzung nach den Ergebnissen der Aufnahme- und Verlaufsuntersuchungen, die mit den Patientinnen abgestimmt sein muss. Besondere Bedeutung hat dabei die enge Zusammenarbeit und Koordination im therapeutischen Team:

  • Ärztliche Beratung und Erstellung, ggf. Überprüfung und Anpassung des Behandlungsplanes gemeinsam mit der Patientin
  • Abstimmung der Therapie mit Vor- und Nachbehandlern, Kliniken, Haus- und Fachärzten
  • Bei Bedarf Fortführung oder Einleitung der medikamentösen Tumortherapie (Hormontherapie, Chemotherapie, Immuntherapie) einschließlich der Behandlung therapie- und krankheitsspezifischer Komplikationen und alle Formen der supportiven Palliativtherapie wie spezielle Schmerztherapie, spezielle Ernährungstherapien und andere.
  • Informationsvermittlung im persönlichen Gespräch, in Vorträgen und Kursen über Fragen zur Tumorbehandlung, begleitenden naturheilkundlichen Behandlungsverfahren, Ernährung, Sozialfragen, begleitenden psychotherapeutischen Behandlungen
  • Krankengymnastik in der Gruppe, ggf. Einzel-KG zur Schultermobilisation
  • Komplexe physikalische Entstauungstherapie bei Lymphödem, entsprechende Patientenschulung ggf. Veranlassung der Versorgung mit Maß-Kompressionsstrumpf in Zusammenarbeit mit erfahrenem Bandagisten. Besonderer Wert wird auf Hinweise zum richtigen Verhalten im Alltag gelegt (Belastbarkeit, Vermeidung schädigender Faktoren wie Hitze, Überlastung u. a.)
  • Hirnleistungstraining
  • Allgemeines Ausdauertraining
  • Gruppengymnastik zur Förderung der allgemeinen Beweglichkeit, Körperkontrolle, Körperwahrnehmung und Haltungsschulung
  • Beckenbodentraining
  • Muskelaufbautraining
  • Entspannungstraining (Muskelrelaxation nach Jacobson), Meditationen
  • Psychotherapeutische Einzel – und Gruppengespräche
  • Ergotherapie
  • Partner- und Angehörigengespräche
  • Kreative Therapieformen: Kunst- und Gestaltungstherapie, Musiktherapie, Tanztherapie
  • Sozialberatung und Beratung zur beruflichen Reintegration
  • Klinikseelsorge
  • Gezielte Ernährungsberatung durch Diätassistentin oder Ökotrophologin einschließlich praktischer Erfahrung in der Lehrküche

Verlaufskontrollen und Dokumentation:

  • Ärztliche Dokumentation des Aufnahmegespräches, der Visiten und des Entlassungsgespräches und der Untersuchungsbefunde sowie zusätzlicher Patientenkontakte im Krankenblatt
  • Dokumentation von Gelenkbeweglichkeit bei Bedarf nach Neutral-Null-Methode bei Aufnahme und Entlassung, ggf. Zwischenbefund bei Vorliegen einer Umfangsvermehrung der Beine
  • Ergotherapeutische Verlaufsdokumentation
  • Dokumentation eines bestehenden Lymphödems an definierten Stellen
  • Dokumentation der Belastbarkeit beim Ergometertraining und beim Sportgerätetraining, regelmäßige Trainingsberatung durch Therapeuten
  • Abschlußbericht und Empfehlungen für häusliche Weiterbehandlung durch Therapeuten
  • Bei Anwendungen in der Gruppe erfolgt bei besonderen Ereignissen und Komplikationen die Information des zuständigen Stationsarztes und eine individuelle Dokumentation.
  • Psychologische Basisdokumentation, Verlaufs- und Abschlußdokumentation, u. a. mit standardisierten Fragebögen, ggf. neuropsychologische Diagnostik im Verlauf
  • Bei besonderer Fragestellung auch Persönlichkeits- und Leistungsdiagnostik

Bei Entlassung:

  • Ärztliches Abschlussgespräch und diagnoseorientierte Untersuchung, Erhebung eines Abschlussbefundes, Erfassung des subjektiven und objektiven Erfolges der Behandlung
  • Erstellen eines ärztlichen Entlassungsberichtes nach den Vorgaben der RV-Träger bzw. als standardisierter Entlassungsbericht, falls erforderlich vorläufiger Entlassungsbericht, Weitergabe von Befundkopien und ggf. Röntgenbildern
  • Empfehlungen zur ambulanten Weiterbehandlung, Diagnostik und Substitutionstherapie in der Nachsorge
  • Anregung von ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen: z. B. Reha-Sportgruppen, ambulante Psychotherapie
  • Sozialmedizinische Beurteilung
  • Empfehlungen zur beruflichen Reintegration, berufsfördernde Maßnahmen und ggf. Umschulung
  • Hinweis auf Selbsthilfegruppen und Krebsberatungsstellen

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner