Der Begriff Ergotherapie setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort Ergon = tätig werden und Therapie = Behandlung. Daraus folgernd erfahren die Patienten Behandlung indem sie tätig werden.

Zu handeln, etwas zu tun: dies sind menschliche Grundbedürfnisse. Und eben dieses „gezielt aktiv sein“ kann heilende Wirkung haben. Dieser Grundsatz bestand schon immer und hat sich bis heute nicht geändert.

Die Ergotherapie in der Sonnenberg Klinik ist ein Bereich der Psychoonkologie und wird in der Rehabilitation bei KrebspatientenInnen mit Sensibilitätsstörungen, motorisch – funktionellen Bewegungseinschränkungen sowie kognitiven Defiziten ( Konzentration, Merkfähigkeit, Wortfindung usw.) eingesetzt.

Ein wichtiger Leitsatz in der Ergotherapie ist die „Hilfe zur Selbsthilfe“, so dass es immer wieder ein Anliegen ist, dem Patienten Anregungen zu Eigenübungen zu vermitteln, die sie im Anschluss an ihre Rehabilitation auch zu Hause fortführen können. Bei den Übungen von fehlenden oder verloren gegangenen Fähig- und Fertigkeiten kommen alltagsbezogene Medien und Techniken zum Einsatz. Hierzu gehören lebenspraktische Übungen, funktionelle Spiele sowie die Verwendung von geeigneten Handwerkstechniken.

Die Ergotherapieabteilung umfasst verschiedene Gruppen. So zum Beispiel die Funktionsgruppe, in welcher PatientenInnen nach Operationen im HNO- Bereich und nach Mamma- Ca mit Bewegungseinschränkungen und Funktionsstörungen des Schultergürtels behandelt werden. Ebenso werden hier Beeinträchtigungen der Grob- und Feinmotorik sowie erhebliche Kraftminderungen therapiert. Handwerkstechniken, wie Korbflechten oder Makramee, eignen sich gut zur Förderung des aktiven Bewegungsausmaßes der oberen Extremitäten und zur allgemeinen Kräftigung der betroffenen Muskulatur. Zusätzlich stehen den Patienten funktionelle Medien wie beispielsweise große Steckspiele, Mobilisationsübungen für Hand und Fuß, Therapiekitt und weitere Materialien zur Verfügung.

Für PatientenInnen mit Sensibilitäts-, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen ist die Wahrnehmungsgruppe opportun. In dieser wird ebenfalls mit Handwerkstechniken wie Makramee und Peddigrohr gearbeitet, um in Kombination mit funktionellen Medien (Kirschkerne, warmer Kies, Therapiebohnen, Therapiekitt usw.) ein Sensibilisierungs- und Mobilisationstraining durchzuführen, so dass sensomotorische und taktile Funktionsdefizite verbessert oder wiederhergestellt werden.

Durch Krebsbehandlung werden oft Bereiche der Kognition wie zum Beispiel Konzentration, Merkfähigkeit, Gedächtnis und Wortfindung beeinträchtigt. In der Kompetenztrainingsgruppe sollen die PatientenInnen die Möglichkeit haben, die eigene Leistungsfähigkeit herauszufinden und individuell die bereits genannten Kompetenzen zu beüben, sowie die Belastbarkeit systematisch zu trainieren und zu steigern. In den Gruppenterminen werden durch theoretische Informationen und praktische, alltagsbezogene Übungen Zusammenhänge erarbeitet und deutlich gemacht. Zusätzlich stehen den Patienten PC-Arbeitsplätze zum individuellen Training zur Verfügung.

Ein weiteres Angebot der Ergotherapie umfasst den ADL- Bereich (ADL = Activities of daily life oder ins Deutsche übersetzt: „Aktivitäten des täglichen Lebens“). Dazu gehört auch die Beratung über geeignete Hilfsmittel, wenn eine Beeinträchtigung von längerer Dauer ist oder nicht erfolgreich therapiert werden kann. Denn das Erreichen oder Zurückzugewinnen der größtmöglichen Selbständigkeit ist ein entscheidender Qualitätsgewinn, um einfache Verrichtungen im Alltag wie Anziehen, Haare kämmen, waschen, etc. alleine zu bewältigen.

Alle PatientenInnen , die an einem PC- Arbeitsplatz arbeiten und Erkrankungen sowie Funktionsdefizite aufweisen, welche Auswirkungen auf die berufliche Leistungsfähigkeit haben (z.B. im Bereich des Bewegungsapparates), können an einer individuellen Arbeitsplatzberatung teilnehmen. Es steht ein ergonomisch eingerichteter PC- Arbeitsplatz zur Verfügung, der erprobt werden kann. Verschiedene Möglichkeiten der Arbeitsplatzgestaltung werden vorgestellt. Außerdem werden rückengerechte Verhaltensweisen besprochen, die den Berufsalltag erleichtern.

Nicht gruppenfähige Patienten können über die Einzeltherapie betreut werden.

Verfasserinnen: Diana Gotthardt, Sabine Thüne - Ergotherapeutinnen