Ein gastrointestinaler Tumor ist eine bösartige Geschwulst des Verdauungstrakts inklusive seiner Anhangsorgane, angefangen von der Speiseröhre, Magen, Dünndarm bis zum Enddarm. Dies beinhaltet den Tumor der Speiseröhre, des Magens, des Dünndarms, des Dickdarms, des Rektums, den Anal- Tumor, den Bauchspeicheldrüsen- Tumor, den Leberzell- Tumor, den Tumor der Gallenblase und des Gallengangs und endokrinen Krebs hormonproduzierender Zellen in Magen, Dünndarm und Bauchspeicheldrüse.

Wer nach einer operativen Entfernung des Tumor (gastrointestinaler), einer Chemotherapie oder einer Bestrahlungstherapie noch Zeit für die Wundheilung und die Regeneration i. S. e. sog. „Anschlussheilbehandlung“ (= AHB) benötigt, ist in der Sonnenberg-Klinik in Bad Sooden-Allendorf in besten Händen.

Aber auch wenn ein gastrointestinaler Tumor selbst oder die nachfolgende Therapie bleibende Schäden hinterlassen haben – was je nach Lage des Tumor nicht immer vermeidbar ist -, sind wir in der Lage, eine sog. „Rehabilitationsmaßnahme“ durchzuführen: Sie werden von erfahrenen Therapeuten so geschult, dass durch den Schaden verloren gegangene Fähigkeiten weitestgehend wiederhergestellt werden können. Wo das nicht möglich ist, kümmern wir uns um Hilfsmittelversorgung und ggf. auch häusliche, pflegerische Assistenz. Für Patienten mit einem sog. Stoma, einem künstlichen Darmausgang, ist das besonders wichtig, denn sie müssen einerseits lernen, die notwendigen Hilfsmittel selbständig zu handhaben und das Stoma zu pflegen und sich evtl. mit der Irrigation vertraut zu machen. Andererseits müssen sie psychisch mit diesem harschen, aber meist lebensrettenden Eingriff in die Natur fertig werden und die sozialen und beruflichen Probleme meistern. Gerade bei bestehender Partnerschaft muss auch der Lebensgefährte oder die Lebensgefährtin in gemeinsamen Gesprächen in die Handhabung dieser Probleme einbezogen werden.

Operation oder Bestrahlung waren bei dieser Form von Tumor (gastrointestinaler) nicht angezeigt, daher wurden Sie mit einer Chemotherapie behandelt? Oder diese muss gar erst eingeleitet werden? Auch diese Aufgabe gehört zu unseren täglichen Herausforderungen: Chemo-, Hormon- und immunologische oder biologische Behandlungen werden bei uns durchgeführt.

Aber auf die organische Behandlung sind wir keineswegs begrenzt: Wer an einem Tumor erkrankt ist, sich deshalb womöglich sogar einer verstümmelnden Operation unterziehen musste, der ist natürlich psychisch sehr in Mitleidenschaft gezogen, auch wenn es nicht – wie oben dargestellt – zur Anlage eines künstlichen Darmausgangs gekommen ist.

Unsere Patientinnen und Patienten wieder in ein seelisches Gleichgewicht zurückzuführen, mit dem sie gut leben können, gehört zu unseren Kernkompetenzen. Eine psychologische Betreuung gehört daher selbstverständlich zu unseren Leistungen.

Mit dem Abschluss der unmittelbaren Tumor -Therapie ist es noch nicht getan: Es müssen Verlaufskontrollen stattfinden und eine Nachsorge: Hat sich irgendwo eine Metastase versteckt? Treten erneut unklare Symptome auf, die auf eine neuerliche gastrointestinale Tumor -Erkrankung hinweisen? Gibt es als Operationsfolge Ernährungsprobleme durch eine reduzierte Verdauungsfähigkeit? Bleibt anhaltender Durchfall?

Die Probleme können vielfältig sein. Unsere Türen stehen Ihnen daher noch Jahre nach der Behandlung offen. Auf uns können Sie sich mit Ihren Sorgen uneingeschränkt verlassen.

Gibt es Situationen, die einer Behandlung bei uns entgegenstehen?

Ja, die gibt es: Notwendigkeit akuter chirurgischer Intervention, z. B. bei typischen Symptomen einer Tumor -bedingten Enge im Verdauungstrakt. Hier besteht das lebensgefährliche Risiko einer Darmlähmung. Eine laufende Strahlentherapie oder andere, nicht-tumoröse Erkrankungen, deren Behandlung im Vordergrund steht.

Was möchten wir bei Tumor - Patienten erreichen:

  • Förderung der allgemeinen Leistungsfähigkeit und körperliche und seelische Stabilisierung
  • Abbau von Störungen der natürlichen Verdauung und ggf. Schulung von Ersatzfunktionen bei nicht rückbildungsfähigen Störungen
  • Erlernen des Umgangs mit Hilfsmitteln, selbständige Versorgung des künstlichen Darmausgangs, Erlernen der Darmspülung
  • Förderung der Krankheitsbewältigung, emotionale Entlastung und Stabilisierung, Verbesserung von Selbstwahrnehmung, Lernen mit sich und der eigenen Situation leben zu können
  • Hilfestellung bei Neuorientierung und Förderung der Lebensqualität (Behandlung von Stuhlinkontinenz, Umgang mit sexuellen Funktionsstörungen und Vermittlung von Therapiemöglichkeiten)
  • Informationsvermittlung und medizinische Beratung (onkologisch, biologisch und naturheilkundlich), Planung der weiteren Behandlung
  • Beratung und Therapie bei Krebs- und/oder therapiebedingten Ernährungsstörungen
  • Positive Beeinflussung des Ernährungsverhaltens im Sinne der Gesundheitsförderung
  • Vorbereitung der beruflichen Wiedereingliederung und ggf. Einleitung berufsfördernder Maßnahmen, Sozialberatung
  • Wiedereingliederung in den beruflichen und privaten Alltag

Wir gehen mit einer ausführlichen Diagnostik auf Ihre Probleme ein:

  • Krankengeschichte und eingehende körperliche Untersuchung unter Berücksichtigung bereits vorhandener Befunde
  • Statuserhebung
  • Analyse des Ernährungszustands ggf. mit Ernährungsprotokoll, Erfassung möglicher Ernährungsstörungen, Gewichtsverlaufskontrolle, bioelektrische Impedanzmessung (BIA)
  • Labordiagnostik
  • Falls für Behandlung oder Rehabilitation erforderlich Sonografie, Endoskopie des oberen und unteren Gastrointestinaltraktes
  • Ergänzend bei Bedarf EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Echokardiografie, Lungenfunktionsdiagnostik, gynäkologische Untersuchung
  • Bei speziellen Rehabilitationsfragen: psychologische und neuropsychologische Diagnostik
  • Im Klinikverbund CT, NMR, Nuklearmedizin, externe Konsiliaruntersuchungen

Therapieprogramm

Das Therapieprogramm ist bei Patienten mit gastrointestinaler Tumor -Erkrankung sehr heterogen und richtet sich nach den funktionellen Störungen in Abhängigkeit vom Ausmaß der vorangegangenen Therapie. Der Behandlungsplan wird nach den Ergebnissen der Aufnahme- und Verlaufsuntersuchungen mit den Patientinnen und Patienten abgestimmt. Dabei hat die enge Zusammenarbeit und Koordination im therapeutischen Team eine besondere Bedeutung.

  • Ärztliche Beratung und Erstellung, ggf. Überprüfung und Anpassung des Behandlungsplanes
  • Individuelle medizinische Therapie in Abstimmung mit Vor- und Nachbehandlern, Kliniken, Haus- und Fachärzten
  • Bei Bedarf Fortführung oder Einleitung der internistischen Krebs -Therapie (Chemotherapie, Immuntherapie) einschließlich der Behandlung therapie- und krankheitsspezifischer Komplikationen, alle Formen der unterstützenden Palliativtherapie wie spezielle Schmerztherapie, spezielle Ernährungstherapien (enterale und parenterale Ernährung), Gabe von Blutprodukten.
  • Informationsvermittlung im persönlichen Gespräch, Informations- und Gesundheitsprogramm in Vorträgen sowie Kursen über Fragen zur Krebs -Behandlung, begleitende naturheilkundliche Behandlungsverfahren, Ernährung, Sozialfragen, begleitende psychotherapeutische Behandlung
  • Gezielte Ernährungsberatung durch Diätassistentinnen und Ökotrophologin, ggf. individuelle Ernährungstherapie und Substitutionstherapie (bei Bedarf Pankreasenzyme, Vitamine, Mineralstoffe, Insulin), ernährungsmedizinische Verlaufskontrollen
  • Schmerztherapie (medikamentöse Therapie, TENS, Akupunktur, Physiotherapie, Entspannungsverfahren und psychologische Therapie)
  • Stomaberatung und ggf. Therapie, Erlernen der Irrigation durch Stomatherapeuten
  • Krankheits- und belastungsspezifische Krankengymnastik in der Gruppe, ggf. Einzel-KG und Beckenbodengymnastik
  • Ergotherapie
  • Allgemeines Ausdauertraining, Ergometertraining, Sportgerätetraining
  • Gruppengymnastik zur Förderung der allgemeinen Beweglichkeit, Körperkontrolle, Körperwahrnehmung und Haltungsschulung
  • Entspannungstraining (Muskelrelaxation nach Jacobson, Meditationen)
  • Psychotherapeutische Einzel- und Gruppengespräche
  • Hirnleistungstraining
  • Partner- und Angehörigengespräche
  • Kreative Therapieformen: Kunst- und Gestaltungstherapie, Musiktherapie, Tanztherapie
  • Sozialberatung und Beratung zur beruflichen Reintegration
  • Klinikseelsorge

Verlaufskontrollen und Dokumentation für den Hausarzt:

  • Physiotherapiespezifische Befundverläufe mit Ausgangs-, Verlaufs- und Abschlussuntersuchung, Dokumentation und Empfehlungen zur häuslichen Weiterbehandlung
  • Ergotherapeutische Verlaufsdokumentation
  • Verlaufskontrolle des Ernährungszustandes durch Ernährungsprotokolle, Gewichtsverlaufskontrollen und bioelektrische Impedanzmessung, Verlaufskontrolle Maldigestion und Malassimilation z. B. Steatorrhoe
  • Dokumentation der Stomaversorgung mit weiteren Empfehlungen durch Stomatherapeut
  • Messung und Dokumentation der Leistungsfähigkeit bei Ergometertraining (Watt)
  • Messung des muskulären Kraftzuwachses im Verlauf des Sportgerätetrainings
  • Dokumentation bei physiotherapeutischen Gruppen bei besonderen Anlässen
  • Ärztliche Verlaufskontrollen
  • Psychologische Verlaufsdokumentation mit Basisdokumentation, Verlaufs- und Abschlußdokumentation
  • Neuropsychologische Diagnostik im Verlauf

Bei Entlassung

  • Empfehlungen zur ambulanten Weiterbehandlung, Diagnostik und Substitutionstherapie in der Nachsorge
  • Sozialmedizinische Beurteilung
  • Empfehlungen zur weiteren Ernährung inklusive Substitutionstherapie
  • Empfehlungen zur weiteren Stomaversorgung und Behandlung von Stomakomplikationen
  • Anregung von ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen z. B. Diätberatung, Krankengymnastik, Reha-Sportgruppen, ambulante Psychotherapie
  • Empfehlungen zur beruflichen Reintegration, berufsfördernde Maßnahmen und ggf. Umschulung
  • Hinweis auf Selbsthilfegruppen und Krebsberatungsstellen

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner