Die Sonnenberg-Klinik integriert wissenschaftlich begründete Therapiekonzepte mit komplementären naturheilkundlichen Behandlungsformen. Grundlage der Betreuung und Behandlung ist ein biopsychosoziales Krankheitsmodell, d.h. es wird von einem Menschenbild ausgegangen, das biologische, psychosoziale, geistige und kulturelle Konzepte für die menschliche Wirklichkeit integriert. Dabei wird besonderer Wert auf die Aktivierung von Kräften gelegt, die den Patienten helfen, die Krankheit zu überwinden und mehr Gesundheit zu entwickeln.

Naturheilkundliche Therapieverfahren sind in besonderer Weise geeignet, die allgemeine Leistungsfähigkeit zu steigern, die Regeneration nach eingreifenden Primärbehandlungen zu unterstützen, die körpereigene Abwehr zu fördern und die Schmerztherapie zu verbessern.

Neben dem klassischen Bereich der Hydrotherapie und Bewegungstherapie, der von der Physiotherapeutischen Abteilung betreut wird und der Ernährungstherapie, die ebenfalls einen eigenständigen Bereich darstellt, ist die Phytotherapie, die Behandlung mit pflanzlichen Wirkstoffen, ein wichtiger Punkt unserer ärztlichen Tätigkeit, da viele Befindlichkeitsstörungen einen Behandlungsversuch mit nebenwirkungsarmen Phytotherapeutika lohnen, bevor man zu chemisch synthetischen Medikamenten greift.

Was ist Hydrotherapie

Hydrotherapie ist die Bezeichnung für alle therapeutischen Formen der Heilbehandlung durch Wasseranwendungen. Wasser ist nicht nur "Lebenselixier", sondern auch ein vielseitiges Heilmittel. Der Temperaturunterschied zwischen Körper und Wasser ist es, der die heilsamen Effekte bedingt. Bei den verschiedenen Heilbehandlungen der Hydrotherapie wird Wasser, dem jeweiligen Krankheitsbild entsprechend, kalt, warm, wechselwarm, heiß oder dampfförmig eingesetzt. Wasser hat für die Gesunderhaltung des Menschen eine doppelte Bedeutung – es wirkt sowohl als Reinigungs- wie auch als Reizmittel.

Hydrotherapie und Sebastian Kneipp

Darauf baute auch Sebastian Kneipp, der die Hydrotherapie als unspezifisch wirksame thermische Reiztherapie systematisch weiterentwickelte. Mit Wasser als Temperaturträger werden Kälte und Wärmereize wirksam, die auf vielfältige Weise das Herz-Kreislauf-System, das autonome Nervensystem, das Hormon- und das Immunsystem beeinflussen. Durch die unterschiedlichen Temperaturen des Wassers wird der Organismus Reizen ausgesetzt, die entspannungs- oder durchblutungsfördernd wirken. Eine verbesserte Abwehr, leichtere Krankheitsverläufe und eine niedrigere Infektionsrate sind die Folge.

Zusätzlich wirken durch den Druck des Wassers (Bäder, Güsse) mechanische Faktoren. Die Wasseranwendungen bei der Hydrotherapie erfolgen individuell nach dem Kneippschen Grundsatz: so mild wie möglich, so stark wie nötig.

Anwendungsbereiche der Hydrotherapie

Güsse können kalt, warm oder wechselwarm in verschiedenen Körperregionen (Knie, Arm, Brust usw.) oder als Vollguss erfolgen.

Wassertreten im Storchengang und kalte Fußbäder sind bei Kreislaufregulationsstörungen, Ödemneigung und Schlafstörungen wirksam. Bei der Dauerbrause nach Dorschner werden alle Körperregionen nacheinander über insgesamt eine Stunde durch senkrecht mit einer Temperatur von 38° C herabfallende Wasserstrahlen behandelt. Durch die feine Hydromassage werden besonders Myogelosen und Gelenkschmerzen gebessert, über die Anregung der Reflexzonen der Haut werden auch innere Organe beeinflusst und stärker durchblutet.

Gute Wirkungen erzielt man mit der Dauerbrause auch bei Schlaflosigkeit, Kopfschmerz und Ödemneigung. Bäder werden als Teil- oder Vollbäder in verschiedenen Temperaturen mit phytotherapeutischen Badezusätzen gegeben. Das ansteigende Fußbad (Schielebad) wirkt insbesondere bei funktionellen Durchblutungsstörungen (kalte Füße). Zu den Kneipp’schen Anwendungen zählen auch Wickel und Packungen.

Die Hydrotherapie wird zusammen mit anderen Maßnahmen wie vollwertige Ernährung und Entspannung kombiniert, um den ganzen Organismus zu behandeln und seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner