Was ist eine Ileostomie?

Unter einer Ileostomie versteht man die künstliche Ausleitung des Dünndarmes an die Hautoberfläche zur Ableitung des Stuhls. Diese Operation wird durchgeführt, wenn der gesamte Dickdarm wegen einer Krebserkrankung operativ entfernt werden musste. Eine Sonderform ist die doppelläufige Dünndarmableitung mit einem zum Stoma hinführenden und einem wegführenden Darmanteil. Diese Operation wird durchgeführt, um den Dickdarm zu entlasten und kann in einer späteren Operation wieder rückgängig gemacht werden. Die Ileostomie wird typischerweise im rechten Unterbauch angelegt und ragt etwa 2 bis 3 cm über die Bauchhaut hinaus, damit der meist dünne Stuhl nicht direkt in Berührung mit der Haut kommt.

Der Dünndarmstuhl ist noch nicht eingedickt und enthält Verdauungssäfte, die die Haut stark reizen können. Durch die Ausschaltung des Dickdarmes kann es auch dazu kommen, daß Medikamente nicht vollständig aufgenommen werden. Da der Dünndarmstuhl dünnflüssig ist, ist auch der Flüssigkeitsverlust erhöht. Aus diesem Grund ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 bis 2,5 l notwendig.

Welche Probleme können auftreten?

Hautreizungen sind bei Ileostomie ein besonderes Problem, die durch passgenaues Ausschneiden des Hautschutzes, Haftgelatine und Hautschutzpaste vermindert werden können. Chronische Hautfeuchtigkeit und Haare in der Umgebung des Stomas sollten unbedingt vermieden werden. Wenn sich die Ileostomie zu weit nach außen bewegt, kann es zu einem Darmvorfall kommen. Die Ursache hierfür kann eine zu starke Belastung der Bauchdecke insbesondere bei Fettleibigkeit und schwerem Heben sein. Bei Überbeanspruchen der Bauchdecken kann es auch zu einem Bruch neben dem Stoma kommen, der eine entsprechende Miederversorgung notwendig macht. Ein Problem bei Ileostomie kann das Zurückziehen des Stomas in die Bauchdecke sein, was z. B. bei starker Gewichtszunahme auftreten kann. In diesem Fall sind gewölbte, konvexe Beutel bzw. Basisplatten hilfreich. Selten kann es bei einer starken Zufuhr von Faserstoffen mit der Nahrung (z. B. Zitrusfrüchte, Spargel) zu einer Blockade des Stomas kommen.

Beutelversorgung

Bei der Versorgung einer Ileostomie hat sich wegen häufiger und dünnflüssiger Ausscheidungen der sog. offene Ausstreifbeutel bewährt. Hierbei muss nicht ständig die Versorgung gewechselt werden und man schont damit die Haut. Auch offene Beutel haben zur Vermeidung unangenehmer Gerüche eingebaute Geruchsfilter. Die Beutel können entweder als einteiliges oder zweiteiliges System mit der Bauchdecke verbunden werden. Bei einteiligen Systemen wird jeweils eine neue Hautschutzplatte angebracht, sie haben den Vorteil, der Haut besonders flach anzuliegen. Bei zweiteiligen Systemen kann die Basisplatte mehrere Tage auf der Haut verbleiben, wodurch die Haut besonders geschont wird.

Beim Wechsel der Beutel muss das Stoma und die umgebende Haut sorgfältig gereinigt werden. Dabei ist auf die Entfernung von Haaren und möglichst schonende Hautbehandlung zu achten. Die Stomaplatte sollte exakt mit dem Stoma abschließen. Dies kann man durch Zuschneiden des Hautschutzes mit Hilfe einer Schablone erreichen. Hautunebenheiten sollen durch eine Hautschutzpaste ausgeglichen werden.

Ernährungsempfehlungen

Patienten mit Ileostomie sollten bei ihrer Ernährung einige Grundsätze beachten. Eine spezielle Diät ist im allgemeinen nicht erforderlich, wichtig ist aber eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Bevorzugen Sie Nahrungsmittel mit leicht stopfender Wirkung, essen Sie drei bis fünf Mahlzeiten über den Tag verteilt und vermeiden Sie späte Abendmahlzeiten. Ballaststoffreiche und schwer verdauliche, blähende Kost sollten Sie vermeiden. Auch stark säurehaltiges Obst ist ungeeignet, da es zu Reizungen am Ileostoma kommen kann. Zu den Nahrungsmitteln, die den Stuhl eher fester machen zählen Kartoffeln, Reis, Bananen, Haferflocken, Kakao und schwarzer Tee. Bei Blähungen können getrocknete Heidelbeeren, Preiselbeeren und Joghurt helfen.

Wer kann helfen?

Die Anlage einer Ileostomie ist für viele Patienten ein tiefer Einschnitt in ihr Leben mit Veränderung des Körperbildes und des Tagesablaufes. In dieser Situation sollte nach Anlage einer Ileostomie eine Anschlussheilbehandlung in einer qualifizierten Rehabilitationsklinik durchgeführt werden.

Bei Problemen mit der Ileostomie, Funktionsstörungen oder Schwierigkeiten bei der Krankheitsbewältigung sollte auch zu einem späteren Zeitpunkt eine Rehabilitationsmaßnahme durchgeführt werden. Hier besteht die Möglichkeit, mit qualifizierten Stomatherapeuten die Eigenversorgung zu erlernen und alle Informationen zu erhalten, die Selbständigkeit im Alltagsleben sowohl im häuslichen Bereich als auch beruflich möglich machen.

In der Sonnenberg-Klinik in Bad Sooden-Allendorf wird mit einem interdisziplinären Team auf alle Bedürfnisse der Ileostomie - Patienten eingegangen, um eine körperliche und seelische Stabilisierung zu erreichen. Die bundesweite Selbsthilfegruppe für Stomapatienten, die Deutsche ILCO bietet ebenfalls Beratung und Unterstützung an.

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner