Mit dem Begriff Klimakterium ist eine physiologische Phase im Leben einer jeden Frau gemeint, gekennzeichnet durch einen Wechsel im Hormonhaushalt am Übergang von der fortpflanzungsfähigen Phase in eine Phase der nachlassenden Funktion der Eierstöcke. Es handelt sich hierbei sicherlich nicht um einen Krankheitszustand, allerdings durchaus um einen Zeitabschnitt mit mehr oder minder stark gestörtem Wohlbefinden, mit Symptomen vegetativer Art wie Schweißausbrüchen, Hitzewallungen, Hautrötungen und Stimmungsschwankungen.

Ab etwa dem 40. Lebensjahr können erste klimakterische Symptome und damit auch klimakterische Beschwerden auftreten, die sich zunächst bemerkbar machen durch Unregelmäßigkeiten im Zyklusablauf. Labor-chemisch findet man eine zunehmende Verringerung des 17-ß-Östradiol-Spiegels verbunden mit einer gegenregulatorischen Erhöhung der Gonadotropine LH und FSH, die aus bestimmten Hirnarealen ausgeschüttet werden.

Das Auftreten klimakterischer Beschwerden ist individuell ausgesprochen unterschiedlich und nicht allein vom hormonellen Status abhängig. Entscheidenden Einfluss haben auch individuelle familiäre und soziokulturelle Faktoren. So kann die Ausprägung klimakterischer Symptome äußerst unterschiedlich sein. Sie müssen nicht in jedem Falle behandelt werden, jedoch kann die Lebensqualität einer Frau durch auch derart negativ beeinflusst werden, dass eine Behandlung der klimakterischen Beschwerden notwendig wird.

Auch spezielle Therapiemaßnahmen sind in der Lage, ein vorzeitiges Klimakterium einzuleiten, so z. B. zytostatische Therapien onkologischer Erkrankungen, die operative Entfernung der Eierstöcke oder auch bestimmte antiöstrogene Therapiemaßnahmen, z. B. bei Mammacarcinom.

Je nach Ursache sind auch die zu Gebote stehenden Therapiemöglichkeiten der klimakterischen Beschwerden sehr unterschiedlich. Als Basismaßnahme können Ernährungsempfehlungen gegeben werden wie das Meiden von Koffein, höherprozentigen alkoholischen Getränken und scharf gewürzten Speisen. Begleitend bei klimakterische n Beschwerden sind häufig Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Entspannungstraining nach Jacobson hilfreich. Zusätzlich sollte in dieser Lebensphase auf eine ausgewogene, calciumreiche Ernährung geachtet werden, da mit sinkendem Östradiolspiegel das Risiko einer Osteoporose verbunden ist. Auch sollte der Wert regelmäßiger Bewegung als Osteoporoseprophylaxe nicht vergessen werden.

In vielen Fällen jedoch ist bei klimakterischen Beschwerden eine zusätzliche medikamentöse Therapie notwendig. Die sicherlich häufigste Empfehlung ist die der Einnahme eines synthetischen Hormonersatzpräparates, was jedoch von vielen Frauen abgelehnt wird, vor allem aus Angst vor der Erhöhung des Brustkrebsrisikos. Diese Haltung wird durch kürzlich publizierte große Studien unterstützt. Außerdem verbietet sich die Einnahme synthetischer Östrogenpräparate ohnehin für Patientinnen mit hormonabhängigen Tumoren z. B. einem Mammacarcinom.

Aus dieser kritischen Einstellung gegenüber der etablierten Hormonersatztherapie heraus gewinnen phytotherapeutische Optionen bei klimakterischen Beschwerden zunehmend an Bedeutung. Diese zeichnen sich aus durch gute Verträglichkeit pflanzlicher Arzneimittel und geringe Nebenwirkungen. Insofern greifen Patientinnen, die unter klimakterischen Beschwerden leiden, gerne auf pflanzliche Medikamente zurück.

Hier hat sich in erster Linie ein Extrakt aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bewährt und etabliert. Wirksamkeit und Verträglichkeit werden durch schon langjährig gesammelte Erfahrungen mit diesem Wirkstoff gestützt. Es ist nachgewiesen, dass die Inhaltsstoffe des Traubensilberkerzenextraktes sich an Östrogenrezeptoren binden. Die ursprünglich bestehende Befürchtung, dass hierdurch selbst wieder östrogenähnliche Effekte ausgelöst werden könnten, ist inzwischen durch eine Reihe klinischer und laborchemischer Untersuchungen nach heutigem Wissensstand gegenstandslos. So zeigte es sich, dass durch die Gabe von Cimicifuga – Extrakt keine östrogentypischen Veränderungen der Gonadotropinausschüttung (d. h. der die Östrogenproduktion steuernden Hormone) hervorgerufen wurden. Auch das Zellbild von Vaginalabstrichen und das Verhalten der Gebärmutterschleimhaut zeigte keinen östrogentypischen Effekt.

Die Befürchtung, dass evtl. vorhandene Mammacarcinomzellen durch Cimicifuga in ihrem Wachstum stimuliert werden könnten, ließ sich ebenfalls nicht bestätigen. Es fand sich im Gegenteil eine dosisabhängige Verminderung der DNA-Synthese in diesen Tumorzellen und somit ein wachstumshemmender Effekt, was für die häufig empfohlene Kombination von Cimicifuga und Tamoxifen spricht.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Inhaltsstoffe der Traubensilberkerze sich an Östrogenrezeptoren binden, eine eigene östrogene Wirkung jedoch hieraus nicht abgeleitet werden kann, wohl aber eine Minderung der klimakterische n Beschwerden durch Cimicifuga (z. B. Remifemin) erreicht werden kann. Bei entsprechendem Beschwerdebild wird den Patientinnen in der Sonnenberg-Klinik durchaus zu einer zusätzlichen Einnahme eines Cimicifuga-Extraktes (z. B. Remifemin) geraten.

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner