Vorkommen, Häufigkeit, Risikofaktoren

Der Lungenkrebs ist die häufigste Tumorerkrankung in den Industrieländern und die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern, die zweithäufigste bei Frauen. Die Häufigkeit liegt bei 70 von 100.000 Einwohnern für Männer und 30 von 100.000 für Frauen, man rechnet mit etwa 35.000 Neuerkrankungen im Jahr. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 65 Jahren. Für Männer ist seit den 80er Jahren ein leicht rückläufiger Trend bei Neuerkrankungen durch Lungenkrebs feststellbar, bei den Frauen steigt die Häufigkeit der Neuerkrankungen jedoch noch an.

Die Risikofaktoren für Lungenkrebs sind seit langem bekannt. Man geht davon aus, daß bei Männern 90 % der Erkrankungsfälle, bei Frauen 60 % auf das Rauchen zurück zu führen sind. Das Risiko für Lungenkrebs steigt mit der Anzahl der Zigaretten, der Dauer des Rauchens und dem Teer- und Nikotingehalt der Zigaretten. Weitere Lungenkrebs auslösende Schadstoffe sind Asbest, Arsen, Chrom, Nickel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Beryllium und Arsen.

Symptome

Typische Beschwerden bei Lungenkrebs sind Husten, Luftnot, Heiserkeit und Blutbeimengung im Auswurf. Zuverlässige Früherkennungsuntersuchungen sind nicht bekannt.

Diagnostik

Bei Verdacht auf Lungenkrebs dient die Diagnostik zur exakten Bestimmung des Gewebetyps sowie der Ausbreitung der Tumorerkrankung um eine stadiengerechte Behandlung durchführen zu können. Zur Diagnosesicherung wird eine Röntgen-Thorax-Aufnahme in zwei Ebenen sowie CT-Thorax oder NMR durchgeführt. Die Gewinnung einer Gewebsprobe erfolgt in der Regel durch Bronchoskopie, ggf. durch Mediastinoskopie, transthorakale Biopsie, Lymphknotenexstirpation oder durch Thorakoskopie/Thorakotomie.

Zum Ausschluss einer Fernabsiedlung erfolgt eine Ultraschalluntersuchung des Bauches bzw. eine Computertomographie, Ganzkörper-Knochenszintigraphie sowie bei Verdacht auf Knochenbefall ggf. auch eine Beckenkammbiopsie und bei neurologischer Symptomatik eine Computertomographie des Schädels. Die übliche Labordiagnostik bei Lungenkrebs wird ergänzt durch Tumormarkerdiagnostik wie z. B. SCC, NSE, CEA, Cyfra. Zur Klärung der Operabilität können zusätzliche Untersuchungen notwendig sein, auch eine PET-Untersuchung kann zur Klärung dieser Frage hilfreich sein.

Gewebearten

Zu den nicht kleinzelligen Bronchialcarcinomen werden gezählt: Plattenepithelcarcinome, Adenocarcinome, großzellige Carcinome sowie seltenere Gewebetypen wie adenosquamöse, adenoidzystische und mucoepidermoide Carcinome. Neuere molekulargenetische Untersuchungen am Tumor wie K-RAS oder HER-2-neu haben prognostische Bedeutung und sind zukünftig auch für therapeutische Entscheidungen bedeutsam.

Tumorstadien

Die Einteilung des Tumorstadiums erfolgt nach der TNM-Klassifikation. Dabei gilt:

Stadium I a: T1 N0 M0, Stadium I b: T2 N0 M0, Stadium II a: T1 N1 M0, Stadium II b: T2 N1 M0 u. T3 N0 M0, Stadium III a: T1, T2 N2 M0 u. T3 N1, N2 M0, Stadium III b: jedes T N3 M0, T4 und jedes N M0, Stadium IV: jedes T, jedes N, M1. Die Differenzierung des Tumors wird nach G1 bis G4 klassifiziert.

Behandlung bei Lungenkrebs

Die operative Entfernung des Tumors bei Lungenkrebs stellt bei lokalisierter Erkrankung die beste Therapiemaßnahme dar. Voraussetzung ist ein ausreichend guter Allgemeinzustand des Patienten mit allgemeiner und funktioneller Operabilität sowie eine präoperative Diagnostik, die eine komplette Resektion mit ausreichendem Sicherheitsabstand im Gesunden technisch möglich erscheinen lässt.

In den Tumorstadien I und II wird in der Regel eine tumorentfernende Operation durchgeführt. Im Tumorstadium III a ist die Behandlung nicht standardisiert. Hier kann eine primäre Operation mit Nachbestrahlung, jedoch auch eine primäre Chemotherapie bzw. Strahlentherapie erfolgen. Dagegen stellt bei Stadium III b die primäre Chemotherapie bzw. Chemo-Radiotherapie das geeignete Therapieverfahren dar. Im nicht operablem Stadium III b und IV kann eine Chemotherapie zu einer deutlichen Besserung von Beschwerden führen. Metaanalysen, die Chemotherapie mit rein symptomatischer Behandlung verglichen haben, konnten auch einen Überlebenszeitvorteil belegen.

Rehabilitation nach Lungenkrebs

Nach Behandlung eines nicht kleinzelligen Bronchialcarcinoms, sei es operativ, strahlentherapeutisch oder chemotherapeutisch, bestehen häufig Beschwerden wie Atemnot, Hustenreiz, Heiserkeit und allgemeine Leistungsschwäche, die durch eine qualifizierte Rehabilitationsmaßnahme deutlich gebessert werden können. Aus diesem Grunde sollte nach Therapie eines nicht kleinzelligen Bronchialcarcinoms eine Anschlussheilbehandlung oder stationäre Rehabilitationsmaßnahme in einer qualifizierten Rehabilitationsklinik durchgeführt werden.

Die Behandlung bei Lungenkrebs wird entsprechend den funktionellen Einschränkungen individuell angepasst und beinhaltet folgende Therapiemaßnahmen:

  • Informationsvermittlung im Arztgespräch, in Vorträgen, Gesprächsgruppen und Seminaren
  • Krankengymnastik in der Gruppe, Atemtherapie, ggf. Einzel-KG, Physiotherapie zur Gewebelösung und Besserung der Funktion des Atemapparates
  • Allgemeines Ausdauertraining, Ergometertraining mit Sauerstofftherapie, Gruppengymnastik zur Förderung der allgemeinen Beweglichkeit, Körperwahrnehmung, Körperkontrolle und Haltungsschulung, Ergotherapie
  • Entspannungstraining, bei Bedarf psychotherapeutische Einzel- und Gruppengespräche, Hirnleistungstraining, Partner- und Angehörigengespräche, verhaltenstherapeutische Begleitung zur Raucherentwöhnung, kreative Therapieformen wie Kunst- und Gestaltungstherapie, Musik- und Tanztherapie
  • Individuelle Ernährung, ggf. Ernährungstherapie, gezielte Ernährungsberatung einschließlich praktischer Anleitung in der Lehrküche
  • Sozialberatung und Beratung zur beruflichen Reintegration

In der Sonnenberg-Klinik in Bad Sooden-Allendorf werden alle diese Rehabilitationsmaßnahmen nach Lungenkrebs in individueller Absprache mit Ihnen durchgeführt, um Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner