Ein Lymphödem der Beine und des kleinen Beckens kann auftreten, wenn durch Operation und/oder Bestrahlung Lymphabflussbahnen der Leisten und im kleinen Becken geschädigt werden. Häufig tritt dann eine Schwellung an den Oberschenkeln auf, die auch das Haut- und Unterhautgewebe im kleinen Becken betrifft.

Eine Schwellung der Unterschenkel und der Füße ist meist Folge einer Störung des venösen Abflusses, kann aber auch Ausdruck vieler internistischer Erkrankungen sein (Herzschwäche, Nierenerkrankungen etc). Venöse Abflussstörungen der unteren Extremitäten und ein Lymphödem der unteren Extremitäten können kombiniert auftreten.

Was ist ein Lymphödem?

Ein Lymphödem ist eine Erkrankung des Lymphgefäßsystems. Das Lymphgefäßsystem ist für den Abtransport von Flüssigkeit und Eiweiß aus dem Gewebe verantwortlich. In seltenen Fällen gibt es angeborene Störungen des Lymphabflusses.

Häufiger sind jedoch Störungen des Lymphtransportes als Folge von operativen Eingriffen und nach Strahlentherapie. Besonders häufig tritt ein Lymphödem nach einer Brustkrebsoperation mit Entfernung von Lymphknoten in der Achselhöhle auf sowie bei der operativen Behandlung von Kehlkopf- und Rachenkrebs, seltener nach Operation und Bestrahlung im Bereich des kleinen Beckens z. B. nach Operation und Bestrahlung bei Uterus-, Vaginal- und Zervixkarzinom.

Auch bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises kann ein Lymphödem entstehen.

Diagnose Lymphödem

Bei Lymphödem der Arme oder der Beine tritt häufig nach Belastung Spannungsgefühl, Druckgefühl, Fremdkörpergefühl auf, nur selten wird über Schmerzen berichtet. Beim Betasten der betroffenen Region fühlt man eine vermehrte Wassereinlagerung im Gewebe. Nach vorsichtigem Druck kann eine Delle entstehen. Hautfalten lassen sich nicht bilden oder sind im Vergleich zu normalem Gewebe deutlich verdickt. Bei länger bestehendem, nicht behandelten Lymphödem entsteht eine Verhärtung der Haut und des Unterhautgewebes.

Weitere diagnostische Maßnahmen

Bei neu aufgetretener Schwellung sollte eine Beteiligung der Venen durch eine Ultraschalluntersuchung der Venen ausgeschlossen werden (Farb-Duplex-Sonographie). Bei einem Lymphödem als Folge einer tumorbedingten Behandlung können weitere bildgebende Verfahren erforderlich sein (CT, Kernspintomographie).

Behandlung des Lymphödems

Bei einem chronischen Lymphödem wird mehr Lymphflüssigkeit produziert als durch die vorhandenen Lymphbahnen abfließen kann. Ziel einer komplexen Entstauungstherapie ist es, hier ein neues Gleichgewicht zu erreichen. Durch manuelle Lymphdrainage ist es möglich, die Lymphgefäße so zu aktivieren, dass vermehrt Lymphflüssigkeit abgeleitet werden kann. Zusätzlich wird eine Kompressionsbandage an den Extremitäten durchgeführt. Durch diese komplexe Entstauungstherapie kann häufig die Schwellung im Bereich der Arme und Beine verringert oder vollständig beseitigt werden.

Bei einem chronischen Lymphödem der unteren Extremitäten ist das Tragen einer Kompressionsstrumpfhose erforderlich. Durch diese Kompressionsbehandlung bessert sich sowohl das Lymphödem wie auch eine eventuell zusätzlich bestehende chronisch venöse Insuffizienz.

Die Behandlung erfolgt durch speziell ausgebildete Physiotherapeuten in physiotherapeutischen Praxen oder in Rehabilitationskliniken, die, wie die Sonnenberg-Klinik, auf die Behandlung des Lymphödem s spezialisiert sind.

Bei Bestehen eines Lymphödem s sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, folgende Empfehlungen gelten bei einem Lymphödem der Beine und des kleinen Beckens:

Vermeiden von Stich- und Schnittverletzungen, Bissen, Kratzern, da eine erhöhte Infektionsgefahr besteht.

Begrenzung körperlicher Belastungen der Beine. Vermeiden von Abschnürungen, z. B. Armband, Schmuck.

Vermeidung starker Hitze und Kälte (Sauna, klassische Massage, Fango)

Dosierte sportliche Belastungen.

Wenn möglich, Vermeiden diagnostischer Maßnahmen am betroffenen Bein , z. B. Injektionen, Blutentnahmen, Blutdruckmessungen.

Vermeidung starker Sonnenexposition

siehe auch: Uteruskarzinom, Zervixkarzinom, Vaginalkarzinom

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner