Vorkommen - Häufigkeit und Risikofaktoren

Der Nierenzellkrebs macht etwa 2 % aller Krebserkrankungen des Erwachsenen aus und hat eine Häufigkeit von etwa 10 (Frauen) bzw. 12 (Männer) Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner in Deutschland. Die Häufigkeit der Erkrankung hat in den letzten Jahren zugenommen, das Altersmaximum liegt bei 50 bis 70 Jahren.

Als Risikofaktor für den Nierenzellkrebs wird Zigarettenrauchen als wichtigste Ursache angesehen. Daneben gilt Übergewicht - insbesondere bei Frauen - und der Missbrauch phenacetinhaltiger Schmerzmittel sowie Asbest-, Cadmium- und Thorotrast-Exposition als Risikofaktor. Verschiedene genetische Veränderungen und seltene familiäre Formen von Nierenzellkrebs sind beschrieben.

Symptome

Am häufigsten wird blutiger Urin oder Schmerzen im Bereich der Flanke bemerkt. Fieber und allgemeine Abgeschlagenheit können auftreten. Häufig werden Tumore bei sonographischen Routineuntersuchungen auch ohne besondere Beschwerden diagnostiziert.

Diagnostik

Bei Verdacht auf Nierenzellkrebs kommen als bildgebende Verfahren Ultraschall, Computertomographie und die Ausscheidungsurographie als röntgenologisches Verfahren zur Darstellung der Harnwege in Betracht. Ergänzend kann eine Kernspintomographie als Ausbreitungsdiagnostik erforderlich sein, insbesondere wenn eine CT-Untersuchung mit Kontrastmittel nicht möglich ist. Angiographie und Kavographie sind speziellen Indikationen vorbehalten. Vor Operation sollte zur Ausbreitungsdiagnostik eine Röntgenaufnahme der Lunge und eine Knochenszintigraphie erfolgen.

Gewebearten

Der häufigste Gewebezelltyp ist das klarzellige Nierenzellcarcinom, gefolgt vom chromophilen und chromophoben Nierenzellkrebs. Diese Krebsformen gehen von den tubulären Deckzellen der Niere aus, Tumore der Sammelrohre sind selten. Der Grad der Zelldifferenzierung wird in der WHO-Klassifikation von G1 (gut differenziert) bis G3 (undifferenziert) unterschieden.

Tumorstadien

Die Klassifizierung des Nierenzellkrebses erfolgt nach dem TNM-System. Die Prognose ist abhängig vom Stadium (I – IV), vom Malignitätsgrad sowie von patientenbezogenen Faktoren wie Gewichtsverlust, schlechtem Allgemeinzustand, hohes Alter, Blutarmut.

Behandlung

Die operative Entfernung der betroffenen Niere ist beim lokalisierten Nierenzellkrebs ohne Tochterabsiedlungen die Therapie der Wahl. Dies kann ausgedehnte Lymphknotenentfernungen bei befallenen regionären Lymphknoten einschließen. Liegen bereits Fernabsiedlungen des Tumors vor, so kann die operative Entfernung der Niere trotzdem sinnvoll sein, wenn Beschwerden bestehen oder auch eine operative Entfernung der Metastasen möglich ist. Eine Rückbildung von Tochtergeschwülsten nach Entfernung des Primärtumors beim Nierenzellkrebs (Spontanremissionen) wurde in 1 – 5 % der Fälle beschrieben. Bei Inoperabilität besteht die Möglichkeit einer Chemo-Embolisation, d. h. der Blockierung des arteriellen Zuflusses der betroffenen Niere.

Der Erfolg einer zusätzlichen Behandlung nach kompletter Entfernung des Nierenzellkrebs es durch Chemotherapie, Strahlentherapie oder Immuntherapie ist durch Studien nicht eindeutig belegt. In einigen Pilotstudien konnte durch eine postoperative Tumorimpfung (autologe Tumorvaccine) das Rückfallrisiko gesenkt werden. Bei fortgeschrittenem Nierenzellkrebs kann durch Chemo-/ Immuntherapie (Interferon, Interleukin-2, 5-Fluorouracil) eine Tumorrückbildung in etwa 20 % der behandelten Fälle erreicht werden. Die Erfolgsraten von Chemotherapie und Hormontherapie liegen meist darunter.

Rehabilitation nach Nierenzellkrebs

Nach einer chirurgischen Primärbehandlung oder Rezidivbehandlung ist die Rehabilitation in einer qualifizierten onkologischen Rehabilitationsklinik in Form einer

Anschlußheilbehandlung oder einer stationären Rehabilitationsmaßnahme sinnvoll. Häufig bestehen nach der Primärbehandlung noch tumor- und/oder therapiebedingte Funktionsstörungen, allgemeine Leistungsminderung, Schmerzen oder Nebenwirkungen durch eine adjuvante systemische Therapie. Auch die Behandlung von psychischen Belastungsreaktionen, die durch die Tumorerkrankung ausgelöst oder verstärkt wurden, kann eine stationäre Rehabilitation notwendig machen.

Im Rahmen der Rehabilitation besteht auch die Möglichkeit, onkologische Verlaufskontrollen und Nachsorgeuntersuchungen durchzuführen. Die rehabilitationsspezifische Diagnostik schließt Anamnese und eingehende körperliche Untersuchung sowie Statuserhebung zu Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Tumorstatus mit ein. Es wird eine gezielte Labordiagnostik und, falls erforderlich, Nachsorgediagnostik mit bildgebenden Verfahren durchgeführt.

Bei speziellen Rehabilitationsfragen erfolgt auch eine psychologische bzw. neuro-psychologische Diagnostik.

Das Therapieprogramm in der stationären Rehabilitation nach Nierenzellkrebs ist von der bisher durchgeführten Therapie und eventuellen Komplikationen sowie den Ergebnissen der Aufnahme- und Verlaufsuntersuchungen abhängig. Die folgenden Punkte können Bestandteil des Behandlungsplanes sein, der im therapeutischen Team abgestimmt wird:

  • Ärztliche Beratung und Erstellung eines Behandlungsplanes
  • Abstimmung der Therapie mit Vor- und Nachbehandlern, Klinik, Haus- und Fachärzten
  • Bei Bedarf Fortführung bzw. Einleitung der medikamentösen Tumortherapie (Immuntherapie, Chemotherapie, Hormontherapie) einschließlich der Behandlung und Therapie krankheitsspezifischer Komplikationen sowie supportiver Therapien wie Schmerztherapie und Ernährungstherapie
  • Informationsvermittlung in Vorträgen und Gesprächsgruppen über Fragen zur Tumorbehandlung, Ernährungs-, Sozialfragen
  • Begleitende naturheilkundliche und psychotherapeutische Behandlung
  • Inkontinenzberatung
  • Beratung zu Fragen der Sexualität
  • Krankheits- und belastungsspezifische Krankengymnastik in der Gruppe, ggf. Einzel-KG und Beckenbodengymnastik, apparatives Inkontinenztraining falls erforderlich, allgemeines Ausdauertraining, Ergometertraining und Sportgerätetraining, Gruppengymnastik zur Förderung der allgemeinen Beweglichkeit und Körperkontrolle
  • Entspannungstraining, psychotherapeutische Einzel- und Gruppengespräche, Partner- und Angehörigengespräche, kreative Therapieformen wie Kunst- und Gestaltungstherapie, Musik- und Tanztherapie
  • Sozialberatung und Beratung zur beruflichen Reintegration
  • Gezielte Ernährungsberatung durch Diätassistenten oder Ökotrophologen

Beim Abschluss der Rehabilitation werden den Patienten Empfehlungen zur ärztlichen Weiterbehandlung, Diagnostik und Therapie der Nachsorge mitgegeben. Es werden ambulante Rehabilitationsmaßnahmen, falls erforderlich, wie z. B. Krankengymnastik, Reha-Sportgruppen, ambulante Psychotherapie usw. vorgeschlagen.

Daneben erfolgen Hinweise auf Selbsthilfegruppen und Krebsberatungsstellen sowie Empfehlungen zu beruflicher Reintegration, berufsfördernden Maßnahmen und ggf. Umschulung.

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner