Vorkommen, Häufigkeit

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 38.000 Männer an Prostatakrebs. Damit ist diese Erkrankung zur häufigsten Krebserkrankung beim Mann geworden. Derzeit werden etwa 800.000 Männer wegen Prostatakrebs behandelt. In den letzten Jahren ist ein drastischer Anstieg des Auftretens von Prostatakrebs festgestellt worden. Hierfür sind einerseits die Früherkennungsuntersuchungen, wie der Nachweis des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut, als auch die Zunahme der Lebenserwartung verantwortlich. Es besteht eine deutliche Abhängigkeit des Auftretens vom Lebensalter. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken von genetischen Faktoren abhängig. Männer aus asiatischen Ländern erkranken seltener als Männer afrikanischer Herkunft.

Risikofaktoren für Prostatakrebs

Als Risikofaktoren gelten familiäre Häufungen von Prostatakrebs sowie Umweltfaktoren wie Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Fettleibigkeit, erhöhte Kalorienzufuhr sowie Behandlung mit dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron.

Vorbeugung (Prävention) vor Prostatakrebs

Prostatakrebs wächst in Abhängigkeit von männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen), so dass der Hormonstoffwechsel die Entstehung eines Prostatakrebs beeinflussen kann. Eine gesunde Lebensführung ohne Rauchen und mit regelmäßiger Körperaktivität kann das Risiko der Erkrankung senken. Körperliches Training kann sowohl zu einer Verbesserung der Abwehrlage als auch zu einer Verminderung des männlichen Geschlechtshormons beitragen.

Auch durch eine geeignete Ernährung kann das Risiko der Erkrankung reduziert werden. Besonders geeignet ist eine mediterrane oder asiatische Küche mit geringem Anteil tierischer Fette und reichlicher Zufuhr von Obst und Gemüse („Fünfmal am Tag“). Pflanzliche Stoffe mit schwacher östrogener Wirkung werden Phytoöstrogene genannt und haben zahlreiche biologische Eigenschaften, die beim Prostatakrebs tumorhemmend wirken können. Unter anderem hemmen sie die Zellteilung von Tumorzellen, senken den freien Testosteronspiegel und aktivieren die Abwehrzellen. Zu ihnen gehören Isoflavonoide, Flavonoide und Lignane. Besonders hoch ist der Anteil von Phytoöstrogenen in Soja, Leinsamen, Roggenvollkorn, Kürbiskernen und Rotklee. Kohl und Broccoli enthalten Indol-3-Carbinol, das eine antiandrogene Wirkung hat. Das Carotinoid Lycopen ist besonders in Tomaten und Pampelmusen enthalten und kann experimentell das Wachstum vom Prostatakrebs zellen hemmen. Weitere bio-aktive Stoffe, die eine potentiell tumorhemmende Wirkung haben, sind die Bestandteile des grünen Tees, Selen und Vitamin E.

Symptome bei Prostatakrebs

Frühsymptome beim Prostatakrebs sind selten. Beschwerden beim Wasserlassen können auch bei einer vergrößerten Prostata, die gutartig ist, auftreten.

Als Früherkennungsuntersuchung ist die Abtastung der Prostata mit dem Finger durch den Arzt als Leistung der Krankenkassen anerkannt. Besser geeignet ist die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut. Der PSA-Spiegel kann jedoch auch bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata ansteigen. Ein erhöhter PSA-Wert heißt also noch nicht, daß ein bösartiger Tumor vorliegt, es gibt jedoch Zusammenhänge zwischen der Höhe des PSA-Spiegels und der Wahrscheinlichkeit der Bösartigkeit. Zur weiteren Abklärung sind dann weitere Untersuchungen erforderlich.

Diagnostik bei Prostatakrebs

Nach Abtasten und PSA-Bestimmung kann der Arzt eine Ultraschalluntersuchung über den Darm als transrektale Ultraschalluntersuchung durchführen. Bei Tumorverdacht erfolgt eine ultraschallgeführte Biopsie mit einer dünnen Nadel. Werden hier Tumorzellen gefunden, werden weitere Untersuchungen durchgeführt, um festzustellen, ob Absiedlungen im Lymphgewebe oder in anderen Körperbereichen vorliegen. Hierzu zählen z. B. Computertomographie und Ganzkörper-Knochenszintigraphie.

Gewebearten beim Prostatakrebs

Der überwiegende Teil der bösartigen Prostataerkrankungen sind Adenocarcinome, die entweder gut differenziert oder schlecht bis undifferenziert sein können. Die Einteilung des Differenzierungsgrades erfolgt im Grading (G1 bis G4).

Tumorstadien beim Prostatakrebs

Die Einteilung des Tumorstadiums erfolgt nach der TNM-Klassifikation, wobei T die Größe und Eindringtiefe des Primärtumors bezeichnet. N bezeichnet den Befall regionaler Lymphknoten und M das Vorhandensein von Fernmetastasen. Der Pathologe gibt beim Prostatakrebs auch das Wachstumsmuster in Form des Gleason-Scores von 1 (sehr gut differenziert) bis 5 (sehr niedrig differenziert) an. So wird das Wachstumsmuster mit dem größten und zweitgrößten Anteil beurteilt, d. h. der Gleason-Score kann 2 bis maximal 10 betragen.

Behandlung beim Prostatakrebs

Die Therapiestrategie beim Prostatakrebs ist abhängig vom Tumorstadium, dem Alter des Patienten und den Präferenzen des Patienten. Eine Behandlung mit dem Ziel der Heilung kann im frühen Stadium entweder durch die operative Entfernung der Prostata mit Samenbläschen, Samenleitern und in der Nähe befindlichen Lymphknoten, oder durch eine primäre Strahlentherapie durchgeführt werden. Bei Patienten im fortgeschrittenem Stadium mit Lymphknotenbefall erfolgt primär eine Hormontherapie. Bei der Entscheidung zur Operation oder Strahlentherapie sollte interdisziplinär mit dem Patienten ausführlich über das mögliche Rezidivrisiko und die zu erwartenden Nebenwirkungen gesprochen werden. Bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs kann die Strahlentherapie eine Alternative zur radikalen Prostatektomie sein.

Durch neuere Strahlentherapietechniken (intensitätsmodulierte Radiotherapie) kann die Rezidivrate und das Nebenwirkungsrisiko gesenkt werden. Bei lokal begrenzten T1-/T2-Tumoren kann die Bestrahlung auch durch dauerhafte oder zeitlich begrenzte Einlage von Strahlensubstanzen (Brachytherapie, interstitielle Therapie) durchgeführt werden. Hierdurch kann eine höhere lokale Strahlendosis erreicht werden.

In fortgeschrittenem Stadium und bei befallenen Lymphknoten ist die medikamentöse Therapie die primäre Behandlung. Das Ziel der medikamentösen Therapie ist die Reduktion von Beschwerden, Verlängerung der Überlebenszeit und Besserung der Lebensqualität. Wegen der Hormonabhängigkeit wird primär eine Hormontherapie eingesetzt. Eine Hormonentzugstherapie kann durch operative Entfernung der Hoden oder Medikamente (LH-RH-Agonisten) erreicht werden, die die Bildung von männlichem Geschlechtshormon hemmen. Zusätzlich kann ein Antiandrogen eingesetzt werden. Ob eine komplette medikamentöse Androgenblockade die Überlebenszeit verlängert, ist nicht eindeutig entschieden. Eine unter Therapie auftretende schmerzhafte Schwellung der Brustdrüsen kann durch eine Bestrahlung verhindert werden. Auch nach einer Strahlentherapie kann eine zusätzliche Hormontherapie die Therapieerfolge verbessern. Der Wert einer unterbrochenen Hormontherapie im Sinne einer intermittierenden Androgenblockade liegt in der besseren Lebensqualität in den Therapiepausen und möglicherweise in einer verzögerten hormonellen Resistenzbildung.

Wenn nach Hormontherapie eine Therapieresistenz mit Fortschreiten der Erkrankung nachgewiesen ist, besteht die Möglichkeit einer zytostatischen Chemotherapie. Mit neueren Chemotherapie-Kombinationen (z. B. Paclitaxel/Estramustin, Mitoxantron u. a.) können hohe Tumorrückbildungsraten erreicht werden.

Bei Knochenmetastasen kann durch Behandlung mit Bisphosphonaten oder durch nuklearmedizinische Therapie (z. B. mit Samarium-153 markiertes Bisphosphonat) eine Schmerzreduktion erreicht werden.

Qualifizierte Rehabilitation beim Prostatakrebs

Nach der Primärbehandlung von Prostatakrebs ist wegen zahlreicher, die Lebensqualität beeinträchtigender Nebenwirkungen eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme ratsam. Nach operativer Prostataentfernung besteht in den ersten Wochen häufig eine Störung der Blasenfunktion mit Inkontinenz. Durch Beckenbodentraining, ggf. auch Elektrostimulation kommt es meist rasch zu einer Besserung der Inkontinenz. In den Fällen, in denen trotz der Übungsmaßnahmen in der Rehabilitation weiterhin ein unfreiwilliger Urinabgang besteht, kann operativ ein künstlicher Blasenschließmuskel eingesetzt werden. Wenn diese operative Maßnahme nicht in Frage kommt, können spezielle Inkontinenzartikel wie Vorlagen oder auch ein Kondomurinal Verwendung finden. Eine häufige Nebenwirkung nach radikaler Prostatektomie ist auch die sexuelle Impotenz (erektile Dysfunktion). Durch nervenschonende Operationsverfahren tritt diese Störung seltener auf. In der Rehabilitation wird durch individuelle Sexualberatung auf die inzwischen zahlreichen Möglichkeiten, die sexuellen Funktionen zu verbessern, hingewiesen.

Dabei ist auch die psychoonkologische Begleitung der Patienten eine wichtige Aufgabe der Rehabilitation.

Nach Operation und Bestrahlung kann es insbesondere bei Entfernung von Lymphknoten im Beckenbereich auch zu ödematöser Schwellung der Beine kommen. In diesen Fällen sollte eine manuelle Lymphdrainage erfolgen.

Nach Strahlentherapie kann es zu einer Hautreizung und Blasenentzündung mit häufigem Harndrang kommen. Entzündliche Veränderungen im Enddarm können sich durch Durchfall oder Schmerzen bemerkbar machen. Dagegen ist ein unfreiwilliger Harnabgang nach Strahlentherapie eher selten. Die Sexualfunktion kann auch nach Strahlentherapie nachlassen.

Nebenwirkungen der hormonellen Therapie ähneln durch Hormonverminderung den Wechseljahren der Frau und äußern sich durch Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Herzklopfen und Unruhezustände. Hier können pflanzliche Präparate, aber auch Phytoöstrogene in Nahrungsmitteln zur Besserung beitragen. Neben der Behandlung der Therapienebenwirkungen wird in der Rehabilitation durch ein gezieltes Bewegungstherapieprogramm und Umstellung der Ernährung auch auf die Prävention Wert gelegt. Hier haben Sie die Möglichkeiten, sich eingehend zu informieren und gesundheitsfördernde Maßnahmen zu erlernen.

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner