Wir sprechen hier über eine bösartige Geschwulst im Rachen. Wer nach einer operativen Entfernung vom Rachenkrebs oder einer Bestrahlungstherapie noch Zeit für die Wundheilung, für die Behandlung von Funktionsstörungen und die Regeneration i. S. e. sog. „Anschlussheilbehandlung“ (= AHB) benötigt, ist bei uns in besten Händen.

Aber auch wenn der Rachenkrebs selbst oder die Operation oder die Bestrahlung bleibende Schäden hinterlassen haben – sind wir in der Lage, eine sog. „Rehabilitationsmaßnahme“ durchzuführen: Sie werden von erfahrenen Therapeuten so geschult, dass durch den Schaden verloren gegangene Fähigkeiten, z. B. der Schluckakt, wiederhergestellt werden können. Auch kümmern wir uns um Ernährungstherapie und, und ggf. auch häusliche, pflegerische Assistenz.

Operation oder Bestrahlung waren zur Behandlung des Rachenkrebs nicht angezeigt, daher wurden Sie mit einer Chemotherapie behandelt? Oder diese muss gar erst eingeleitet werden? Auch diese Aufgabe gehört zu unseren täglichen Herausforderungen: Chemo-, und Immuntherapie werden bei uns durchgeführt.

Gerade bei bestehender Partnerschaft muss auch der Lebensgefährte oder die Lebensgefährtin und die Familie in die Problematik einbezogen werden, da die Überwindung von Kommunikationsstörungen und der Wiederaufbau des sozialen Netzes für Krankheitsbewältigung und Selbstwertgefühl große Bedeutung hat.

Unsere Patientinnen und Patienten nach der Entfernung eines Rachenkrebs wieder in ein seelisches Gleichgewicht zurückzuführen, mit dem sie gut leben können, gehört zu unseren Kernkompetenzen. Eine psychologische Betreuung gehört daher selbstverständlich zu unseren Leistungen.

Die Wiedereingliederung in den Beruf nach der Behandlung eines Rachenkrebs ist ein ebenfalls wichtiges Thema: Gibt es am alten Arbeitsplatz Belastungen, denen man sich nicht erneut aussetzen sollte? Wie werden die Kollegen sich verhalten? Verhindern noch bestehende Einschränkungen die Ausübung eines Berufs mit hohem Termindruck und intensiver mentaler Belastung?

Auch das will geklärt sein. Hierbei stehen wir Ihnen zur Seite.

Mit dem Abschluss der unmittelbaren Therapie bei Rachenkrebs ist es noch nicht getan: Es müssen Verlaufskontrollen stattfinden und eine Nachsorge: Hat sich irgendwo ein auffälliger Befund gezeigt, der abgeklärt werden muss?

Die Probleme können vielfältig sein. Unsere Türen stehen Ihnen daher noch Jahre nach der Behandlung offen. Auf uns können Sie sich mit Ihren Sorgen uneingeschränkt verlassen.

Gibt es Situationen, die einer Behandlung bei uns nach der Entfernung eines Rachenkrebs entgegenstehen?

Ja, die gibt es: Notwendigkeit akuter chirurgischer Intervention auch wegen anderer Erkrankungen. Eine laufende Strahlentherapie oder andere, nicht-tumoröse Erkrankungen, deren Behandlung im Vordergrund steht.

Was möchten wir also erreichen:

  • Behandlung des ganzen Menschen als Einheit aus Körper, Geist und Seele und als Individuum, das an Krebs erkrankt ist.
  • Bestimmte Teilaspekte können hierbei in den Vordergrund rücken, die einer schwerpunktmäßigen Behandlung bedürfen:
  • Förderung der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Abbau von Funktionsdefiziten, ggf. Schulung von Ersatzfunktionen
  • Besserung von Artikulations- und Stimmstörungen sowie Kau- und Schluckstörungen
  • Förderung der Krankheitsbewältigung, emotionale Entlastung und Stabilisierung, Verbesserung von Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz
  • Hilfe bei der Neuorientierung und beim Umgang mit krankheitsbedingten Einschränkungen
  • Informationsvermittlung und medizinische Beratung zu Fragen der onkologischen Therapie und zur begleitenden und unterstützenden biologischen und naturheilkundlichen Therapie sowie zur Hilfsmittelversorgung (z.B.Trachealkanülen, Servox-Geräte, Shuntventile)
  • Positive Beeinflussung des Ernährungsverhaltens im Sinne der Gesundheitsförderung
  • Reduktion von Noxen wie Alkohol und Rauchen
  • Kalorisch ausreichende und ausgewogene Ernährung, ggf. Sondenernährung über PEG
  • Förderung der Eigenverantwortlichkeit und des Wohlbefindens
  • Planung der weiteren Behandlung, Verlaufskontrolle und der Nachsorge
  • Vorbereitung der beruflichen Wiedereingliederung, ggf. Einleitung berufsfördernder Maßnahmen
  • Sozialberatung über Fragen zu Schwerbehindertenausweis, Erwerbsminderungsrente, stufenweise Wiedereingliederung
  • Beratung und Hilfen zur Reintegration in den beruflichen und auch den privaten Alltag

Diagnostik

  • Anamnese und eingehende körperliche Untersuchung unter Berücksichtigung bereits vorhandener Befunde (Erhebung des HNO-Status)
  • Statuserhebung (Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit, Tumorstatus)
  • Konsiliaruntersuchung durch HNO- Arzt
  • Logopädische Diagnostik bei Dysphagie, Dysglossie, Dysphonie
  • Labordiagnostik
  • falls für Behandlung oder Rehabilitation erforderlich: EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Echokardiographie, Endoskopie, Lungenfunktionsdiagnostik, Sonographie
    • Im Klinikverbund: CT, NMR, Nuklearmedizin, externe Konsiliaruntersuchungen
    • Bei speziellen Rehabilitationsfragen: psychologische und neuropsychologische Diagnostik

Therapieprogramm

Die Behandlung von Patientinnen mit HNO-Tumoren erfordert trotz vieler Übereinstimmungen eine individuelle Anpassung und Schwerpunktsetzung nach den Ergebnissen der Aufnahme- und Verlaufsuntersuchungen, die mit den Patienten abgestimmt sein muss. Berücksichtigt werden müssen vor allem die je nach Tumorlokalisation unterschiedlichen Operationsmethoden. Besondere Bedeutung hat dabei die enge Zusammenarbeit und Koordination im therapeutischen Team:

  • Ärztliche Beratung und Erstellung, ggf. Überprüfung und Anpassung des Behandlungsplanes
  • Abstimmung der Therapie mit Vor- und Nachbehandlern, Kliniken, Haus- und Fachärzten
  • Bei Bedarf Fortführung der medikamentösen Tumortherapie (Chemotherapie, Immuntherapie) einschließlich der Behandlung therapie- und krankheitsspezifischer Komplikationen, alle Formen der supportiven Palliativtherapie wie spezielle Schmerztherapie, spezielle Ernährungstherapien (enterale und parenterale Ernährung), Gabe von Blutprodukten
  • Informationsvermittlung im persönlichen Gespräch, in Vorträgen sowie Kursen über Fragen zur Tumorbehandlung, begleitende naturheilkundliche Behandlungsverfahren, Ernährung, Sozialfragen, begleitende psychotherapeutische Behandlung
  • Evtl. themenzentrierte Gruppengespräche (HNO-Gruppe)
  • Krankengymnastik in der Gruppe, ggf. Einzel-KG zur Mobilisation im Bereich von Kiefergelenk, Hals und Schultergürtel
  • Ergotherapie, Training von Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL)
  • Komplexe physikalische Entstauungstherapie bei Lymphödem mit entsprechender Patientenschulung. Besonderer Wert wird auf Hinweise zum richtigen Verhalten im Alltag gelegt (Belastbarkeit, Vermeidung schädigender Faktoren wie Hitze, Überlastung u.a.)
  • Allgemeines Ausdauertraining
  • Gruppengymnastik zur Förderung der allgemeinen Beweglichkeit und Körperkontrolle, Haltungsschulung
  • Logopädische Befunderhebung, Beratung und Behandlung
  • Kommunikationstraining (Einzel und in der Gruppe)
  • Beratung und Schulung zum Umgang mit Hilfsmitteln (Tracheostomaversorgung, Sprechhilfen, Sondenernährung), Luftbefeuchter, ggf. Verordnung und Beschaffung
  • Behandlungspflege: Wundversorgung, Mund- und Tracheostomapflege, Durchführung von Spülungen
  • Diätberatung zur individuellen Kostzusammenstellung während des Aufenthaltes (kalorisch und ernährungsphysiologisch optimiert, unter Berücksichtigung von evtl. Kau- und Schluckstörungen, ggf. Zusatznahrung oder Sondenkost bei PEG)
  • Hilfe bei der Bewältigung von Suchtproblemen
  • Entspannungstraining (Muskelrelaxation nach Jacobson), Meditationen
  • Psychotherapeutische Einzel – und Gruppengespräche
  • Hirnleistungstraining
  • Partner- und Angehörigengespräche
  • Kreative Therapieformen: Kunst- und Gestaltungstherapie, Musiktherapie, Tanztherapie
  • Sozialberatung und Beratung zur beruflichen Reintegration
  • Klinikseelsorge
  • Gezielte Ernährungsberatung durch Diätassistentin oder Ökotrophologin einschließlich praktischer Erfahrung in der Lehrküche

Verlaufskontrollen und Dokumentation:

  • Ärztliche Dokumentation des Aufnahmegespräches, der Visiten und des Entlassungsgespräches und der Untersuchungsbefunde sowie zusätzlicher Patientenkontakte im Krankenblatt
  • Dokumentation der Schultergelenksbeweglichkeit, bei Bedarf auch anderer Gelenke nach Neutral-Null-Methode bei Aufnahme und Entlassung, ggf. Zwischenbefund
  • Dokumentation der Belastbarkeit beim Ergometertraining und beim Sportgerätetraining, regelmäßige Kontrolle durch Therapeuten
  • Verlauf Ergotherapie mit Dokumentation und Empfehlungen zur Weiterbehandlung
  • Bei Anwendungen in der Gruppe erfolgt bei besonderen Ereignissen und Komplikationen die Information des zuständigen Stationsarztes und eine individuelle Dokumentation
  • Logopädische Verlaufsdiagnostik mit Abschlußbefund und Empfehlungen für weitere häusliche Behandlung
  • Psychologische Basisdokumentation, Verlaufs- und Abschlußdokumentation, u.a. mit standardisierten Fragebögen Beschwerdenlisten; ggf. neuropsychologische Diagnostik im Verlauf
  • Bei besonderer Fragestellung auch Persönlichkeits- und Leistungsdiagnostik

Bei Entlassung

  • Ärztliches Abschlussgespräch und diagnoseorientierte Untersuchung, Erhebung eines Abschlussbefundes, Erfassung des subjektiven und objektiven Erfolges der Behandlung
  • Erstellen eines ärztlichen Entlassungsberichtes nach den Vorgaben der RV-Träger bzw. als standardisierter Entlassungsbericht; mit Beilage von Befund HNO-Konsil und logopädischer Abschlussbefund; falls erforderlich: vorläufiger Entlassungsbericht, Weitergabe von Befundkopien und ggf. Röntgen-Bildern
  • Empfehlungen zur ärztlichen Weiterbehandlung, Diagnostik und Therapie in der Nachsorge
  • Anregung von ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen: z. B. Logopädie, Ergotherapie, Lymphdrainage, Krankengymnastik, Reha-Sportgruppen, ambulante Psychotherapie
  • Wenn die Rentenversicherung Kostenträger ist: Sozialmedizinische Beurteilung der Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben, Empfehlungen zur beruflichen Reintegration, berufsfördernde Maßnahmen und ggf. Umschulung
  • Hinweis auf Selbsthilfegruppen und Krebsberatungsstellen

Verfasser: Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner