Finden Sie in diesem Bereich Antworten der Abteilung Wirbelsäulenchirurgie/Deutsches Skoliosezentrum.

Sind Operationen an der Wirbelsäule gefährlich?

Die Wirbelsäulenchirurgie hat in den letzten Jahrzehnten sehr große Fortschritte gemacht. In spezialisierten Zentren können auch größere Operationen mit Korrekturen bestehender Deformitäten mit großer Sicherheit durchgeführt werden. Es besteht kein hohes Risiko nach einer Operation an der Wirbelsäule gelähmt zu sein. Das ist ein Vorurteil und falsch. In speziell ausgerichteten Zentren wie unserem ist das Risiko nicht höher als bei anderen größeren Standardoperation in der orthopädischen Chirurgie.

Wann muss eine Skoliose operiert werden?

Als grober Richtwert bei einer jugendlichen Skoliose gilt, dass ab einem Skoliosewinkel von 40° eine Operation in Frage kommt. Die Indikation zur Operation hängt jedoch von weiteren Faktoren ab:

  • besteht die Skoliose an der Brust- oder Lendenwirbelsäule
  • wie stark sind die Wirbelkörper verdreht
  • liegt ein Flach- oder ein Hohlrücken vor
  • vom Alter
  • von der kosmetischen Situation
  • Ursache der Skoliose

Muss ich vor der Skoliose Operation eine Streckbehandlung durchführen?

Vor der operativen Korrektur einer Skoliose führen wir für einige Tage eine Streckbehandlung durch (Cotrel-Extension). Diese ist weder schmerzhaft, noch wird ein Ring am Kopf befestig. Die sogenannte HALO-Extension ist heutzutage nur noch selten bei schweren Kyphoskoliosen notwendig.

Sie führen die Cotrel-Extension nach Anleitung durch die Physiotherapeuten selbständig im eigenen Bett durch. Diese Streckbehandlung dient nicht nur zur Lockerung der Wirbelsäule, sondern vor allem auch zur OP-Planung: In Streckung fertigen wir ein Röntgenbild an, das zur genauen Planung der Operation wichtige Hinweise gibt.

Muss ich nach der Operation ein Korsett tragen?

Durch Verwendung modernster Implantate und OP-Techniken kann häufig nach einer Operation auf eine Korsettbehandlung verzichtet werden. Demgegenüber ist jedoch bei bestimmten Formen der Skoliose weiterhin eine Operationstechnik sinnvoll, die eine kurzfristige Wachstumslenkung und Stabilisierung mittels Korsett notwendig macht.

Muss ich nach der Operation eine Anschlussheilbehandlung/Reha machen?

Nein, die Patienten sind nach der Entlassung meistens ausreichend mobil. Wenn notwendig, verordnen wir Ihnen für zu Hause Hilfsmittel.

Nach etwa 4 Monaten kommen einige Patienten für eine Woche stationär zur Kontrolluntersuchung sowie für ein intensives physiotherapeutisches Aufbauprogramm. In einigen Fällen ist anschliessend noch eine weitere Rehabilitationsbehandlung sinnvoll. Dieser organisiert dann der Sozialdienst der Klinik.

Darf ich nach einer Operation an der Wirbelsäule Sport treiben?

In der Anfangszeit nach der Operation sollten Sie auf Sport verzichten. Die Dauer ist abhängig von der Art der Operation. Nach Ausheilung ist jedoch Sport in den meisten Fällen uneingeschränkt möglich.

Kann ich mich nach einer „Versteifungsoperation“ noch bewegen?

Der Begriff der Versteifungsoperation ist insofern irreführend, als er suggeriert, der Patient sei anschließend steif. Im Gegenteil empfinden sich viele Patienten nach einer stabilisierenden Operation als besser beweglich, da die Schmerzursache beseitigt ist.

Mit einer gewissen Bewegungseinschränkung bei Maximalbewegungen ist jedoch zu rechnen, besonders bei der Notwendigkeit einer längerstreckigen Instrumentation an der Wirbelsäule.

Muss die „Versteifung“ nach einiger Zeit verlängert werden?

Das ist ein Thema bei bestehenden Verschleißerscheinungen. Bei Patienten im jüngeren Alter versuchen wir durch Verwendung von beweglichkeitserhaltenden Implantaten (künstliche Bandscheiben), die angrenzenden Segmente zu schonen.

Das Auftreten von Verschleißerscheinungen in der Bandscheibe oberhalb einer durchgeführten Stabilisierungsoperation wird sicherlich in der Häufigkeit überschätzt, kommt jedoch vor. Besonders weil das Auftreten von Verschleißerscheinungen häufig altersbedingt ist.

Wichtig ist jedoch, dass wir häufig durch eine stabilisierende Operation Deformitäten korrigieren und so ein Voranschreiten von Verschleißerscheinungen verhindern.

Ich bin schon an der Wirbelsäule operiert. Kann eine weitere Operation helfen?

Bei voroperierten Patienten ist eine genaue Abklärung der Schmerzursache notwendig. Vernarbungen, Einengungen des Rückenmarkkanals, Probleme der benachbarten Bandscheiben und auch nicht fest gewordene Stabilisierungen können Schmerzursache sein.

Bei solchen schmerzverursachenden Veränderungen können wir durch eine neuerliche Operation in den meisten Fällen eine deutliche Schmerzlinderung erreichen.

Wann muss die Wirbelsäule auch von vorne operiert werden?

Vordere Eingriffe sind an der Halswirbelsäule die häufigsten und schonendsten Operationen.

Vordere Zugänge an der Brust- und Lendenwirbelsäule (durch den Brustkorb bzw. durch den Bauch) gehören zu Standardoperationen in unserem Zentrum. Sie kommen zur Anwendung, wenn die Wirbelsäule vor einer Korrekturoperation zunächst gelockert werden muss. Oder wenn nach erfolgter hinterer Operation die Wirbelsäule auch von vorne (im Bereich der Wirbelkörper und der Bandscheiben) stabilisiert werden muss.

Darf ich nach der Operation sitzen?

Lediglich die Patienten, bei denen eine Stabilisierungsoperation im Bereich der untersten Bandscheibe der Lendenwirbelsäule (L5/S1) notwendig wird, dürfen nach dem Eingriff für 6 Wochen nicht tief sitzen. In diesen Fällen gibt es spezielle Hilfsmittel zur Erleichterung. Nach allen anderen Operationen darf die Patientin normal sitzen.

Wann kann ich nach der Operation aufstehen?

In der Regel überwachen wir die Patienten für eine Nacht auf der Intensivstation. Aufstehen ist 1–2 Tage nach der Operation möglich.

Kann ich minimalinvasiv operiert werden?

Der Begriff der minimalinvasiven Wirbelsäulenchirurgie wird nicht einheitlich gebraucht und ist häufig für den Patienten eher verwirrend.

Ob minimalinvasive Verfahren bei Ihnen anwendbar sind, entscheiden wir nach Befund im Einzelfall. Als minimalinvasiv bezeichnete Verfahren bringen für den Patienten nicht zwangsläufig Vorteile.

Ich bin in höherem Lebensalter, sind Operationen an der Wirbelsäule noch möglich und sinnvoll?

Grundsätzlich gibt es keine Altersbeschränkung für Operationen an der Wirbelsäule. Im höheren Alter kommen eher kleinere und weniger belastende Eingriffe zur Anwendung.

Vor der Entscheidung für einen operativen Eingriff erfolgt eine genaue Abklärung vorbestehender Erkrankungen durch den Narkosearzt und eventuelle auch des Internisten. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren sind die Ergebnisse von Wirbelsäulenoperationen auch im höheren Alter gut.

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