Definition:

Eine Aphasie wird durch die Schädigung bestimmter Hirnregionen hervorgerufen. Ursache ist häufig ein Schlaganfall, oft im Bereich der linken Gehirnhälfte. Aber auch andere Erkrankungen wie z.B. Gehirntumore, Blutungen oder Verletzungen nach Unfällen können eine Aphasie zur Folge haben.

Je nach Art und Ort der Schädigung unterscheidet sich die Aphasie in ihren spezifischen Merkmalen (Symptomen) und in ihrem Schweregrad. Sie kann alle sprachlichen Modalitäten - Sprechen, Lesen, Schreiben und Verstehen betreffen.

Dies führt zur Einteilung der Aphasie in verschiedene Gruppen:

globale Aphasie, Broca Aphasie (motorische Aphasie), Wernicke Aphasie (sensorische Aphasie), amnestische Aphasie    

globale Aphasie: Bei der globalen Aphasie sind alle sprachlichen Modalitäten schwer betroffen. Die Betroffenen können oft weder sprechen, noch schreiben oder lesen. Auch das Verstehen von Gesprochenem oder Gelesenem ist oft kaum möglich.

Broca Aphasie: Bei der Broca Aphasie ist in der Regel die sprachliche Produktion stärker beeinträchtigt als das Verstehen. Die Betroffenen haben große Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, der Sprachfluss ist stockend. Oft sind die ausgesprochenen Worte entstellt (z.B. durch das Vertauschen einzelner Laute (=phonematische Paraphasie); oder durch das Ersetzen eines Wortes durch ein anderes (=semantische Paraphasie)). Ebenso sind Lesen und Schreiben beeinträchtigt. Das Sprachverständnis ist meistens besser, aber nicht vollständig erhalten. Die Betroffenen nehmen ihre Fehlleistungen in der Regel wahr, leiden sehr darunter und wirken daher bedrückt und depressiv. 

amnestische Aphasie: Bei der amnestischen Aphasie ist das Sprachverständnis in der Regel bis auf die Verarbeitung komplexer Sachverhalte und/oder Texte gut erhalten. Die Betroffenen suchen jedoch stark nach Worten und produzieren oft semantische Paraphasien. Lesen und Schreiben sind meist weniger schwer betroffen. 

Wernicke Aphasie: Bei der Wernicke Aphasie sind sowohl die Sprachproduktion als auch das Verstehen (die Sprachperzeption) herabgesetzt. Die Betroffenen sprechen flüssig, aber fehlerhaft. Lesen und Schreiben sind beeinträchtigt, ebenso wie das Sprachverständis. Im Gegensatz zu Personen mit Broca-Aphasie nehmen sie ihre Fehlleistungen jedoch nicht immer wahr. 

Darüberhinaus gibt es noch weitere, seltenere Formen der Aphasie  

Aphasie: Diagnostik

Mittels computergestützter Diagnostik wird die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer Aphasie, ihre Merkmale sowie ihr Schweregrad bestimmt; hierbei wird mit dem standardisierten Verfahren Aachener-Aphasie-Test (AAT) gearbeitet.

Aphasie: Therapie 

An den diagnostizierten Ergebnissen orientiert sich die folgende Therapie.

Es gibt auch Leitlinien von Fachgesellschaften und Berufsverbänden für die Therapie, so z.B. die Leitlinien der Gesellschaft für Aphasieforschung und –behandlung (www.aphasiegesellschaft.de).  

Mit dem Patienten werden gemeinsam Ziele entwickelt, die auf die sprachlichen Beeinträchtigungen bezogen sind. Durch ein breitgefächertes Spektrum an Therapiematerialien kann individuell auf den jeweiligen Patienten und seine Bedürfnisse eingegangen werden.  

Bei schwer betroffenen Patienten wird z.B. häufig das modalitätsspezifische Arbeiten (MODAK) angewendet. Hier werden sowohl die produktive Seite (Sprechen und Schreiben) als auch der perzeptive Bereich (auditives Sprachverständnis und Lese-Sinn-Verständnis) parallel geübt.  

Sind die Betroffenen nur noch in einzelnen Bereichen eingeschränkt (wie z.B. bei Vorliegen einer amnestischen Aphasie) werden komplexere Aufgaben bis hin zur Textbearbeitungen durchgeführt. Wenn es möglich ist, werden auch Aufgaben ausgewählt, die selbständig bearbeitet werden können. Diese werden anschließend in der Therapie besprochen und ggf. korrigiert.  

Das wichtigste Ziel ist es, das geeignetste Kommunikationsmittel für den jeweiligen Patienten herauszuarbeiten, wieder Kommunikation zu ermöglichen und damit die aktive Teilnahme am sozialen Leben zu ermöglichen. Dies gelingt zum einen durch die Wiederherstellung beeinträchtigter Funktionen (Restitution), zum anderen durch das Erlernen kompensatorischer Methoden (Kompensation).  

Meistens erleiden Patienten nach einem Schlaganfall oder einer anderen Gehirnschädigung nicht nur eine Aphasie, sondern zusätzliche motorische und/oder kognitive Beeinträchtigungen, die innerhalb der jeweiligen Therapien (Physiotherapie, Ergotherapie, Neuropsychologie) zusätzlich spezifisch behandelt werden. Dieses muss auch bei der sprachtherapeutischen Behandlung berücksichtigt werden (z.B. wird das Schreiben bei einer rechtsseitigen Lähmung mit der linken Hand geübt).  

Durch eine fortlaufende Dokumentation können sprachliche Veränderungen und Fortschritte zeitnah wahrgenommen werden. Dadurch kann auch schnell reagiert werden i.S. der Anpassung des Therapiematerials und des therapeutischen Vorgehens an die vorliegenden Veränderungen und Verbesserungen.  

Bei Patienten mit sprachlichen Einschränkungen und Beeinträchtigungen des Sprechens infolge der Erkrankung ist plötzlich die bis dahin automatisch funktionierende Kommunikation gestört oder gar nicht mehr möglich. Neben dem gezielten therapeutischen Vorgehen innerhalb der Sprachtherapie ist die Zusammenarbeit innerhalb des gesamten therapeutischen Teams (Ärzte, Therapeuten anderer Berufsgruppen, Pflegekräfte) unerlässlich. Denn dadurch können die in der Therapie erzielten Fortschritte durch die Anwendung auch außerhalb des sprachtherapeutischen Rahmens weiter stabilisiert werden und der Transfer in die alltägliche Kommunikation wird unterstützt.  

Ebenso ist die Zusammenarbeit zwischen den Therapeuten und den Angehörigen wichtig und wünschenswert, um Fragen zum sprachlichen Zustand des Patienten und dem Umgang mit dieser neuen Situation individuell beantworten zu können, um das Vorgehen und die Ziele in der Therapie transparent zu machen und um die Anwendung des in der Therapie Erlernten in den Alltag unterstützen zu können.

Um den Patienten und ihren Angehörigen nach der Rehabilitation Möglichkeiten zu geben, Kontakt zu anderen Betroffenen zu finden und Erfahrungen auszutauschen, sind Selbsthilfegruppen wichtig.