Was ist eine Femurschaftfraktur?

Von einer Femurschaftfraktur, d.h. einem Schaftbruch des Oberschenkelknochens (Femur) spricht man bei einem Bruch des Knochens auf einer Höhe zwischen der hüftgelenksnahen Trochanterregion und der Region suprakondylär, d.h. kniegelenksnah oberhalb der Gelenkrollen des Oberschenkelknochens.

Wie kann es zu einer Femurschaftfraktur kommen?

Es ist die Einwirkung erheblicher Kräfte notwendig, z.B. im Rahmen eines Verkehrsunfalles oder auch bei einem Sturz aus großer Höhe. Als sog. pathologische Fraktur kann ein Oberschenkelschaftbruch allerdings auch bei Tumorpatienten auftreten, wo entweder der Tumor selbst oder eine Metastasierung, d.h. eine Absiedelung von Tumorzellen, zu einer Schwächung der Knochenstabilität geführt haben, sodass auch eine nur relativ geringe Krafteinwirkung („Bagatelltrauma“) zu einem Bruch führt bzw. es sogar zu einer „Spontanfraktur“ kommen kann.

Welches sind die Symptome einer Femurschaftfraktur?

Starke Schmerzen, eine Unfähigkeit zur Hüft- bzw. Kniebeugung sowie eine Verkürzung des Beines und/oder eine Verformung des Oberschenkels sind die typischen Zeichen einer Femurschaftfraktur. Insbesondere aber kann es grundsätzlich zu einem hohen Blutverlust kommen, bis hin zu einer vitalen Gefährdung des Patienten.

Zur klinischen Untersuchung ist grundsätzlich besonders zu achten auch auf eine mögliche Beeinträchtigung bzw. Schädigung von Motorik, Sensibilität und Durchblutung.

Welche apparativ-diagnostischen Verfahren kommen bei einer Femurschaftfraktur zum Einsatz?

Es werden Röntgenaufnahmen des ganzen Oberschenkelknochens in zwei Ebenen mit Hüft- und Kniegelenk durchgeführt. Bei Verdacht auf eine Gefäßverletzung muß außerdem eine Kontrastmitteluntersuchung der Gefäße (Angiographie) erfolgen, ggf. ergibt sich die Indikation für einen notfallmäßigen gefäßchirurgischen Eingriff.

Wie wird eine Femurschaftfraktur behandelt?

Eine konservative, d.h. nicht-operative Behandlung wird lediglich bei Kindern im Alter bis zu etwa drei Jahren durchgeführt. Grundsätzlich ist sonst für die Femurschaftfraktur ein operatives Vorgehen angezeigt, wobei der Eingriff so rasch wie möglich erfolgen sollte (Notfall-Operation). Das Operationsverfahren der Wahl ist die sog. Verriegelungsnagelung, hierzu sind verschiedene Marknagelsysteme entwickelt worden. Es wird dabei - nach Einrichten (Reposition) der Fraktur - ein Metallnagel in Längsrichtung des Oberschenkelknochens, d.h. in dessen Markraum eingebracht. Es ist bei dieser Versorgung ein nur relativ kleiner operativer Zugang erforderlich, die Fraktur selbst muss dabei operativ nicht freigelegt werden und das Verfahren ermöglicht i.d.R. eine frühe Belastbarkeit des Beines. Alternatives Operationserfahren ist die Durchführung einer sogenannten Plattenosteosynthese, bei der die Knochenbruchenden durch eine mittels Schrauben an den Femurschaft angebrachte Metallplatte fixiert werden. Ein weiteres Operationsverfahren ist die Versorgung mit einem „Fixateur externe“-System, d.h. eine Stabilisierung des Knochenbruches durch äußere Träger (Stangen / Rohre), durch welche mit einigem Abstand zu den Bruchenenden in den Knochen eingebrachte Schrauben bzw. Nägel verbunden werden. Es ist dies ein Spezialverfahren, das vor allem z.B. bei offenen Knochenbrüchen zum Einsatz kommt.

Rehabilitative Nachbehandlung bei einer Femurschaftfraktur

Es wird aktive und passive Krankengymnastik durchgeführt. Der Patient wird zunächst mit einer Gehhilfe (Unterarmgehstützen) mobilisiert - in Abhängigkeit von der Fraktur bzw. auch dem zur Anwendung gekommenen Osteosyntheseverfahren entweder mit sofortiger Vollbelastung des Beines oder einer zunächst nur erlaubten Teilbelastung. Dabei werden Röntgenkontrollen direkt postoperativ sowie i.d.R. nach einer, sechs und zwölf Wochen durchgeführt. Eine Metallentfernung erfolgt nach 1,5 bis 2 Jahren, bei Kindern allerdings deutlich früher (ca. 6 Monate).