Hüfterkrankungen der kindlichen Hüfte sind oft Ursache für einen Hüftverschleiß (Coxarthrose)

Richtungsweisend für die Entstehung einer Arthrose des Hüftgelenkes beim erwachsenen Menschen können Hüfterkrankungen im Kinder und Jugendalter sein. Durch diese kann es zu einer Fehlstellung oder Verformung der gelenkbildenden Knochenpartner kommen, zur Fehlbelastung des Gelenkes und schließlich zum vorzeitigen Verschleiß mit Ausbildung einer Hüftgelenksarthrose.

Hüfterkrankungen durch Dysplasie der Hüftgelenke

Schon bei der Geburt des Menschen kann eine Fehlstellung mit Verformung des Hüftgelenkes vorliegen. Man spricht dann von einer angeborenen Dysplasie des Hüftgelenkes oder sogar von einer Hüftgelenksluxation, nämlich dann, wenn der Hüftkopf nicht mehr korrekt in der Gelenkpfanne steht. Starke anatomische Veränderungen bzw. Besonderheiten lassen sich schon bei der klinischen Untersuchung des Säuglings feststellen. Aber schon geringere Fehlentwicklungen des Hüftgelenkes lassen sich heutzutage durch die Ultraschalluntersuchung der Hüftgelenke schon kurz nach der Geburt erkennen. Auf diese Weise kann man schon früh mit der Therapie beginnen und weitere Hüfterkrankungen vermeiden. Kommt es unter der Behandlung trotzdem dazu, dass Hüftkopf und Hüftpfanne sich falsch entwickeln, kann dies zu einer Fehlform mit Fehlbelastung des Gelenkes und einem vorzeitigen Gelenkverschleiß führen.

Bei geringfügigen Veränderungen kann es ausreichen, das Kind einfach „breit zu wickeln“. Manchmal ist allerdings eine Schiene erforderlich, bei der die Beine des Kindes gebeugt und abgespreizt werden. An diese Stellung gewöhnt sich das Kind sehr schnell. Sehr selten ist die Behandlung mit einem Gips oder sogar ein operativer Eingriff erforderlich.

Hüfterkrankungen durch Morbus Perthes (Perthes’sche Erkrankung)

Bei dem Morbus Perthes kommt es zu einer Durchblutungsstörung des Hüftkopfes. Jungen sind viermal häufiger betroffen als Mädchen. In etwa 15 Prozent der Fälle tritt die Erkrankung beidseits auf. Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 4. und 7. Lebensjahr auf. Diese Hüfterkrankungen verlaufen in verschiedenen Stadien, während derer der Hüftkopf zunächst abflacht und sich dann wieder aufbaut. Die Dauer solcher Hüfterkrankungen kann bis zu zwei Jahre betragen. Es können Schmerzen auftreten, die von der Hüfte über die Oberschenkelvorderseite bis zum Kniegelenk ausstrahlen. Nicht immer klagt das Kind über Schmerzen in der Hüfte, manchmal sogar nur über Schmerzen im Kniegelenk. Oft findet man allerdings relativ früh schon eine Bewegungseinschränkung des Hüftgelenkes. Bei entsprechendem Verdacht wird eine Röntgenuntersuchung beider Hüften (zum Seitenvergleich, außerdem sind gelegentlich beide Hüften befallen) zur Diagnose führen. Es werden insgesamt vier Stadien der Erkrankung durchlaufen, in denen der Hüftkopf abflacht und sich danach wieder aufbaut. Auf jeden Fall sind im Verlauf mehrere Röntgenaufnahmen notwendig, um die Entwicklung des Hüftkopfes zu beobachten.

Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der entsprechenden Veränderungen des Hüftkopfes. Wichtig ist es, die Bewegungseinschränkung zu therapieren, hier ist in der Regel Krankengymnastik erforderlich. Außerdem kann es nötig werden, dass das Kind vorübergehend beim Laufen eine Schiene trägt. In schweren Fällen ist unter Umständen eine Operation erforderlich, um den Hüftkopf so einzustellen, dass er besser von der Pfanne überdacht wird.

Kommt es im weiteren Verlauf solcher Hüfterkrankungen zu einer Deformierung des Hüftkopfes, so kann dieser vorzeitig verschleißen. Dann bildet sich vielleicht schon im 40. oder 50. Lebensjahr des Patienten eine Arthrose (Gelenkverschleiß).

Hüfterkrankungen durch Epiphysenlösung des Hüftkopfes

Die Epiphysenlösung des Hüftkopfes ist eine der Hüfterkrankungen, die im Wachstumsschub vor der Pubertät auftreten kann. Die Epiphysenfuge (Wachstumsfuge) unterhalb des Hüftkopfes lockert sich auf. Deswegen kann sich der Hüftkopf verschieben. So kann eine Fehlform des Gelenkes entstehen. Jungen sind dreimal häufiger betroffen als Mädchen. In etwa 50 Prozent der Fälle sind beide Hüftgelenke betroffen.

Deswegen ist es nötig, beide Hüftgelenke zu untersuchen, zu röntgen und im Verlauf zu kontrollieren. Schmerzen treten oft nicht nur in der Hüfte, sondern auch auf der Oberschenkelvorderseite ins Knie ziehend auf. Deswegen sollte auch, wenn die Hüfte nicht schmerzhaft ist, diese untersucht werden.

Die Behandlung dieser Hüfterkrankungen richtet sich nach dem Ausmaß der Verschiebung des Hüftkopfes und nach dem Verlauf. Der Hüftkopf muss operativ gesichert werden, damit er nicht weiter abrutscht. In schweren Fällen muss die Stellung des Gelenkes korrigiert werden. Wenn eine schwere Fehlform entstanden ist, dann kommt es zum frühzeitigen Gelenkverschleiß und zur Bildung einer Arthrose.