Was bedeutet „Hypermobilität“?

Hypermobilität heißt übersetzt „Überbeweglichkeit“, d.h. eine Vergrößerung der aktiven und passiven Beweglichkeit eines Gelenkes durch verlängerte, gegebenenfalls überdehnte Bänder, eine Lockerung der Gelenkkapsel sowie Schwäche oder Koordinationsstörung der das Gelenk stabilisierenden Muskulatur.

Wodurch kann eine Hypermobilität auftreten?

Eine Überbeweglichkeit kann durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Es gibt Erkrankungen des Bindegewebes, wie zum Beispiel das Marfan-Syndrom, bei der es zu einer generalisierten Schlaffheit des Bindegewebes kommt. Hier findet man eine generelle Überstreckbarkeit der Gelenke, es kann zu habituellen (d.h. anlagebedingten, nicht durch einen Unfall verursachten) Luxationen (Verrenkungen) der Kniescheibe oder des Schultergelenkes kommen. Oft ist die Wirbelsäule dabei mit Verstärkung der physiologischen Krümmungen (zum Beispiel vermehrte Krümmung der Brustwirbelsäule, sogenannte Kyphose) betroffen.

Bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen kann es zu einer Hypermobilität der Gelenke kommen, wenn die Krankheitsaktivität abgeklungen ist und sich die Entzündungen mit Schwellung zurückgebildet haben. Die Gelenkkapseln- und Bänder können danach schlaff und gelockert sein.

Funktionsstörungen und Einsteifungen von Bewegungssegmenten der Wirbelsäule können dazu führen, dass benachbarte Segmente die Bewegung mit übernehmen und so überbeweglich werden.

Sportliche Betätigung wie zum Beispiel Kunstturnen, rhythmische Sportgymnastik oder Ringen können eine Hypermobilität fördern. Sie wird insbesondere dann wirksam, wenn der Leistungssport beendet wurde und sich die trainierte Muskulatur, die hier praktisch einen Schutz dargestellt hat, zurückgebildet hat. Liegen dann Schwächen überdehnter Bänder vor, die nicht mehr durch eine gute Muskulatur kompensiert werden, kann es zu Beschwerden kommen.

Hormonelle Veränderungen, wie zum Beispiel in der Schwangerschaft, führen physiologischerweise (d.h. als natürlicher Vorgang) zur Lockerung der Bänder im Beckenbereich, um den Geburtsvorgang zu erleichtern. Dies betrifft auch die Bänder im Bereich des Kreuzdarmbeingelenkes (Iliosakralgelenk, ISG).

Hier können Beschwerden in Form von Schmerzen auftreten.

Durch einen Unfall kann es zum Verlust der Bandstabilität und damit zur Überbeweglichkeit im betroffenen Bereich kommen.

Bei Lähmungen können Gelenke nicht mehr aktiv stabilisiert und damit überbeweglich werden.

Was macht man bei Hypermobilität?

Eine Stabilisation erfolgt zunächst durch Krankengymnastik und medizinische Trainingstherapie. Hierdurch wird eine bessere muskuläre Führung und Stabilität erreicht. Die Koordination sollte verbessert werden und falsche Bewegungsabläufe analysiert und unter Anleitung „verlernt“ werden. Danach muss der Betroffene in erster Linie selbst durch Fortführung der erlernten Übungen dafür sorgen, dass der erreichte Status erhalten bleibt. Hypomobile, also in der Bewegung verminderte Gelenke können, insofern sie nicht durch organische Veränderungen eingesteift sind, wieder mobilisiert werden, damit die hypermobilen Gelenke ihre Minderbeweglichkeit nicht kompensieren müssen.

Bandagen geben durch den Kontakt des Textilmaterials auf der Haut mehr subjektive Sicherheit, ohne selbst viel zu stützen. Dieses „sichere Gefühl“ entsteht durch die Übertragung des Druckes auf die Hautrezeptoren. Nach Unfällen, Operationen oder bei schwerer Instabilität ist es manchmal erforderlich, dass man stabilisierende Gelenkschienen, so genannte Orthesen, oder im Bereich der Wirbelsäule Korsette trägt. Nicht immer lässt sich bei starker Instabilität von Gelenken und Wirbelsäule eine stabilisierende Operation vermeiden.