Was ist eine Radiuskoepfchenfraktur?

Von einer Radiusköpfchenfraktur oder auch einer Fraktur des proximalen Radiusendes spricht man bei einem Bruch des ellenbogengelenksnahen Köpfchens der Speiche, einem der beiden Unterarmknochen.

Radiusköpfchenfraktur: Anatomische Grundlagen

Das Ellenbogengelenk wird vom distalen, d.h. körperfernen Ende des Oberarmknochens (Humerus) einerseits und den ellenbogengelenksnahen Enden der beiden Unterarmknochen, des Radius (Speiche) und der Ulna (Elle) gebildet. Es besteht dementsprechend einerseits aus dem Humeroulnargelenk, d.h. dem Gelenk zwischen Oberarmknochen und der Elle, andererseits aus dem Humeroradialgelenk, d.h. dem Gelenk zwischen Oberarmknochen und der Speiche. In diesem, aus den drei angeführten Knochen gebildetem Gelenk findet die Beugung bzw. Streckung des Ellenbogengelenkes statt. Die ellenbogengelenksnahen Enden von Radius und Ulna bilden allerdings ein weiteres Gelenk, das proximale Radioulnargelenk. Zusammen mit dem distalen, d.h. handgelenksnahen Radioulnargelenk findet hier die Auswärts- bzw. Einwärtsdrehung (Supination / Pronation) des Unterarmes statt.

Wie kommt es zu einer Radiusköpfchenfraktur?

Ein Sturz auf den gestreckten oder leicht gebeugten Arm – also eine indirekte Gewalteinwirkung – kann zu knöchernen Abscherungen, Einbrüchen oder sogar einer Zertrümmerung des Radiusköpfchens führen.

Welches sind die Symptome einer Radiusköpfchenfraktur?

Es kommt unmittelbar nach der Verletzung zu einer erheblichen Schwellneigung und einer äußerst schmerzhaften Bewegungseinschränkung im Ellenbogengelenk.

Die klinische Untersuchung muss sich zum Ausschluss von Begleitverletzungen auch auf die Überprüfung von Motorik, Sensibilität und Durchblutung erstrecken.

Welche apparativ-diagnostischen Verfahren kommen bei einer Radiusköpfchenfraktur zum Einsatz?

Es werden konventionelle Röntgenaufnahmen des Ellenbogengelenkes in zwei Ebenen erstellt, ggf. zusätzlich Spezialaufnahmen (Tomografie, d.h. Schichtaufnahmen).

Wie wird eine Radiusköpfchenfraktur behandelt?

Eine nur wenig oder überhaupt nicht verschobener (dislozierter) Bruch des Radiusköpfchens wird konservativ, d.h. nicht-operativ mit Anlegen einer streckseitigen Oberarmgipsschiene in 90°-Beugestellung des Ellenbogengelenkes für einige Tage behandelt. Die besonders im Kindesalter häufig vorkommende Halsfraktur wird nach manueller Wiedereinrichtung (Reposition) evt. mit perkutan, d.h. durch die Haut eingebrachten Kirschnerdrähten fixiert und im Gipsverband für 2-3 Wochen ruhiggestellt.

Dislozierte (verschobene) Radiusköpfchenfrakturen des Erwachsenen und nicht wiedereinzurichtende kindliche Frakturen sowie Frakturen mit verbleibender Stufenbildung der Gelenkfläche werden hingegen operativ versorgt. Es sind verschiedene Operationsverfahren bekannt, von der Osteosynthese mit Verwendung von Zugschrauben bzw. auch von L- oder T-Plättchen bis hin zur Radiusköpfchenprothese beim Erwachsenen nach kompletter Zertrümmerung des Radiusköpfchens.

Rehabilitative Nachbehandlung bei einer Radiusköpfchenfraktur

Direkt nach einer operativen Versorgung werden abschwellende (antiödematöse) Maßnahmen mit Hochlagern des Armes und spannungsfrei angelegtem Verband vorgenommen.

Komplikationen und Prognose nach einer Radiusköpfchenfraktur Es kann zum Auftreten einer Radiusköpfchennekrose, einer Behinderung der Drehbeweglichkeit des Unterarmes aufgrund des besonderen anatomischen Verlaufes bzw. auch zu einer Verletzung des Nervus radialis kommen. Die Implantation einer Radiusköpfchenprothese kann erforderlich werden entweder bei einem primär zertrümmerten Radiusköpfchen oder aber auch als Sekundäreingriff nach dem vergeblichen Versuch einer Osteosynthese.