Die Rehabilitation nach Schlaganfall stellt nach dem Abschluss der Akutbehandlung eine wichtige Phase bei der Bewältigung der Folgen eines Schlaganfalls dar. Durch einen Schlaganfall können völlig unterschiedliche Symptome verursacht werden, die unterschiedliche Behandlungen benötigen. Einige häufige Symptome nach einem Schlaganfall und verschiedene Behandlungsmethoden sollen im folgenden genauer beschrieben werden.

Folgen des Schlaganfalls:

Nach einem Schlaganfall oder einer Gehirnblutung treten häufig folgende Störungen auf:

  • Halbseitenlähmung/Hemiparese (= Lähmung einer Körperhälfte)
  • Störung des Gefühls der Haut (= Sensibilitätsstörungen)
  • Störungen der Kommunikation, der Sprache und des Sprechens (Aphasie, Dysarthrie)
  • Schluckstörungen
  • Einschränkung des Gesichtsfeldes oder Doppelbilder
  • Neuropsychologische Störungen (z.B. Störungen der Wahrnehmung, des Gedächtnis oder der Konzentration)
  • Depressionen, Schwierigkeiten bei der Krankheitsverarbeitung

Rehabilitation nach Schlaganfall

Der Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Erkrankung des Gehirns. Es handelt sich um eine Störung der Durchblutung oder eine Blutung in das Gehirn hinein, die unterschiedliche Ursachen haben können. Typische Zeichen für einen Schlaganfall sind zum Beispiel plötzlich auftretende Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen einer Körperhälfte, Sehstörungen, wie eine Einengung des Gesichtsfelds, Doppeltsehen, oder Gangunsicherheit, Stürze ohne erkennbare Ursache, akut auftretender Schwindel, Sprachstörungen oder Schluckstörungen.

Nach der Behandlung des Schlaganfall 's im Akutkrankenhaus wird bei vielen Patienten eine Rehabilitation erforderlich.

"Nach einem Schlaganfall ist alles anders". Mit diesem Slogan der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe (www.schlaganfall-hilfe.de) wird vieles ausgedrückt: Das ganze Leben ändert sich – sowohl für die Betroffenen als auch für die Bezugspersonen und Angehörigen. Dies ist jedoch kein Grund zur Resignation. Je nach Art und Ausmaß der Funktionsstörung können durch die Rehabilitation ausgefallene Funktionen weitgehend wieder hergestellt oder aber ganz oder teilweise kompensiert werden.

Schlaganfall - Rehabilitation

Die Rehabilitation nach Schlaganfall sollte in hierfür eingerichteten Kliniken oder Abteilungen erfolgen.

Typischerweise arbeitet in der neurologische Rehabilitation ein therapeutisches Team mit den Patienten, dem neben Ärzten Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sprachtherapeuten, Neuropsychologen, Sozialarbeiter und Mitarbeiter der Physikalischen Therapie, Orthopädietechniker und Diätassistenten angehören.

In Absprache mit dem Patienten, z. T. auch den Angehörigen, und den Mitgliedern des Teams wird für den Patienten ein realistisches Rehabilitationsziel festgelegt, auf das während der Rehabilitation hingearbeitet wird und das während der Behandlung überprüft und angepasst wird.

Die Schlaganfall - Rehabilitation erfordert die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Team.

Die Zusammenarbeit mit örtlichen Selbsthilfegruppen aus Schlaganfall -Betroffenen erweist sich in vielen Fällen als sinnvoll, weil sie die Patienten und deren Angehörigen unterstützen und dazu beitragen können, das Umfeld für die Schlaganfall - Patienten zu verbessern.

Folgende Störungsbilder können typischerweise bei den Patienten vorliegen:

  • Lähmungen einer Körperhälfte = Halbseitenlähmung/Hemiparese
  • Gefühlsstörungen einer Körperhälfte = Hemihypästhesie und –algesie
  • Lagesinnstörung einer Körperhälfte
  • Krankhafte Erhöhung der Spannung der Muskulatur = Spastik
  • Vernachlässigung einer Körper- oder Raumhälfte = Neglect
  • Störung der zielgerichteten Bewegungsabläufe = Apraxie
  • Gesichtsfeldstörungen = Hemianopsie
  • Störungen von Gedächtnis und Konzentration
  • Störungen der Orientierung im Raum
  • Schwellungen (Ödeme) des gelähmten Armes und Beines
  • Schmerzhafte Schulter
  • Schwierigkeiten bei der Krankheitsverarbeitung
  • Depressionen

Halbseitenlähmung/ Hemiparese (= Lähmung einer Körperhälfte) bei Schlaganfall

Die Verbesserung der motorischen Funktionsstörungen (Lähmungen, Bewegungsstörungen) ist meist Schwerpunkt der Krankengymnastik und der Ergotherapie, sie beginnt aber bereits bei der Pflege. Folgeschäden durch Lähmungen müssen verhindert werden. Bereits bei Alltagsaufgaben können Funktionen trainiert werden, z. B. bei der Körperpflege und beim An-/Auskleiden.

In der Schlaganfall - Rehabilitation wird berufsgruppenübergreifend häufig das Bobath-Konzept eingesetzt. Es handelt sich um eine Methode der Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage, bei der eine Minderung der erhöhten Muskelspannung (Spastik) der gelähmten Muskelgruppen angestrebt wird. Grundlage ist u.a. die Dehnung der angespannten Muskelgruppen. Unter der erreichten Spastikminderung werden dann gezielte Bewegungen unter Vermeidung unerwünschter, pathologischer Reaktionen geübt.

Andere Therapiekonzepte auf neurophysioloischer Grundlage sind z.B. die propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF) zur Bewegungsanbahnung oder auch die Vojta-Methode.

In der Praxis hat es sich als sinnvoll erwiesen, einen Patienten nicht nur nach einem Konzept zu behandeln. Sinnvoll ist, in der Schlaganfall - Rehabilitation für den einzelnen Patienten die günstigsten Übungen aus den verschiedenen Konzepten zusammenzustellen.

Bei ausgewählten Patienten kann in der Schlaganfall - Rehabilitation in der Behandlung von Lähmungen Elektrotherapie in Form der EMG-getriggerte Elektrostimulation gewinnbringend eingesetzt werden. Eine willkürlich nur teilweise durchführbare Bewegung kann unterstützt werden durch die Elektrotherapie in größerem Radius durchgeführt . Um dies Verfahren einsetzen zu können, darf die Muskulatur jedoch nicht vollständig gelähmt sein.

Ein wichtiger Bereich der Schlaganfall - Rehabilitation ist das Wiedererlernen und Üben des Stehens und Gehens. Bei schwerer betroffenen Personen muss zunächst die Sitzkontrolle gelernt werden. Das Training im Stehpult kann hier anfangs sinnvoll sein. Das Aufstehen bei halbseitig gelähmten Patienten wird mit möglichst symmetrischer Gewichtsverteilung eingeübt. Möglichst früh wird auch das Gehen geübt, wobei hier zunächst eine gewisse Rumpfstabilität erreicht sein muss.

Unterstützend können in der Übungsphase Hilfsmittel eingesetzt werden, wie z.B. das Wickeln zum Anheben des Fußes. Auf längere Sicht kann der Einsatz von Fußheber-Orthesen (Schienen) notwendig werden, um ein sicheres Gangbild zu gewährleisten. Beispielsweise kommt die Valenser-Schiene bei spastischen Lähmungen zum Einsatz.

Behindert eine spastische Tonuserhöhung bestimmte Funktionen, kann in gewissen Fällen ergänzend der Einsatz von Botulinum-Toxin erwogen werden. Die Injektion des Toxins in den Wadenmuskel kann beispielsweise zu einer Verbesserung des Gangbildes mit günstigerem Abrollen des Fußes führen. Botulinum-Toxin führt zu einer Zerstörung der "Kontaktstelle" zwischen Nerv und Muskel und führt dadurch zu einer Schwächung des entsprechenden Muskels. Innerhalb von drei Monaten bildet sich die sich die Wirkung zurück.

Die physikalische Therapie nach Schlaganfall ist ergänzend zur Minderung der erhöhten Muskelspannung einzusetzen, so z.B. Wärmeanwendungen und gezielte Massagen oder das motorgetriebene Standfahrrad, z.B. das Motomed®.-Gerät.

In der Schlaganfall - Rehabilitation erfolgt in enger Abstimmung mit den anderen Berufsgruppen die Ergotherapie. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den sensomotorischen Störungen der Arme. Anbahnung von Bewegungen, Training der Feinmotorik, der Koordination und der Sensibilität sowie in manchen Fällen ein Umtrainieren auf die nicht-gelähmte Hand gehören in diesen Bereich. Auch hier wird nach Methoden auf neurophysiologischer Grundlage gearbeitet. Neben dem Bobath-Konzept und den oben bereits aufgeführten Therapie-Methoden erfolgen hier auch Behandlungen nach der Perfetti-Methode. Hierbei spielt die Aufnahme sensibler Informationen über die Haut eine zentrale Rolle. Es wird in der Therapie beispielsweise die Hand über verschiedene Oberflächen oder Objekte geführt, oder es werden vom Therapeuten geführte Bewegungen in einzelnen Gelenken durchgeführt. Der Patient soll die Empfindungen beschreiben. Ziel ist es, die sensible Wahrnehmung zu verbessern und durch eine Aufmerksamkeitslenkung auf die betroffene Extremität neue Bewegungsstrategien zu fördern.

Beim Selbsthilfetraining werden grundlegende Alltagsfertigkeiten, die Aktivitäten des täglichen Lebens („ADL“) in der Ergotherapie geübt. Hierzu gehören z. B. Körperpflege, Anziehen der Kleidung und Nahrungsaufnahme sowie das Umsetzen von Bett in den Rollstuhl oder auf die Toilette. Über diese basalen Funktionen hinaus werden aber auch differenziertere Fähigkeiten wie Kochen und andere Haushaltstätigkeiten oder das Schreiben mit der Hand oder Maschine trainiert.

Das Ausprobieren von Hilfsmitteln zur Alltagsbewältigung nach Schlaganfall wird schwerpunktmäßig im Rahmen der Ergotherapie durchgeführt, so z.B. die Anpassung eines Rollstuhls und der Einsatz von Hilfen zur Erleichterung des Transfers, z.B. vom Bett in den Rollstuhl. Zusatzgriffe im Badezimmer, Aufstehhilfen aus der Badewanne, Anziehhilfen, Hilfen im Haushalt wie Griffverdickungen, spezielle Schneidebretter etc. können dem Patienten zu deutlich mehr Sicherheit und Selbständigkeit verhelfen.

Schlaganfall: Störungen der Kommunikation

Störungen der Sprache (Aphasie), und die Störungen des Sprechens (Dysarthrie oder Dysarthrophonie sowie Sprechapraxie) stellen das Arbeitsgebiet Sprachtherapie für Patienten nach Schlaganfall dar. Bei den verschiedenen Störungen ist eine zunächst eine sorgfältige Befunderhebung notwendig, um die Therapie durchführen zu können. Dabei sind die verschiedenen sprachlichen Modalitäten – Verstehen, Sprechen, Lesen und Schreiben – zu beurteilen. Bei den Störungen der Sprache weiß der Patient häufig, was er aussagen möchte, findet aber die Worte nicht, verdreht sie oder verwendet fehlerhafte Satzstrukturen. In unterschiedlichem Ausmaß ist auch das Sprachverständnis betroffen. Bei den Störungen des Sprechens fällt dagegen schwer, die Worte auszusprechen, sie klingen verwaschen und undeutlich oder sind im schlimmsten Fall gar nicht zu verstehen.

In der Therapie müssen neben den sprachlichen Defiziten auch die daraus resultierenden kommunikativen und psychosozialen Beeinträchtigungen und die verbliebenen Möglichkeiten der aktiven Teilnahme am sozialen Leben mit berücksichtigt werden. Die Therapie zielt auf die bestmögliche Wiederherstellung der kommunikativen Fähigkeiten des Patienten hin. Hier ist die intensive Beratung und ggfs. Einbeziehung der Angehörigen in das Kommunikationstraining erforderlich.

Schlaganfall: Schluckstörungen

Auch die Therapie der Schluckstörungen nach Schlaganfall stellt ein wichtiges Aufgabenbereich innerhalb der Rehabilitation nach Schlaganfall dar. Bei der funktionellen Schlucktherapie wird entweder eine partielle oder komplette Wiederherstellung oder die Kompensation gestörter Funktionen angestrebt.

Schlaganfall: Neuropsychologische Störungen

Grundlage der Behandlung neuropsychologischer Störungen ist zunächst eine exakte Analyse der Symptomatik. Wachheit, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Planen und Problemlösen werden hier überprüft.

Eine Rückbildung spezifischer Störungen nach einem Schlaganfall wird durch wiederholte strukturierte Übungsaufgaben angestrebt. Die Behandlung kann entweder mit Papier und Bleistift durchgeführt werden oder aber am Computer erfolgen. Dabei werden Komplexität, Menge, Geschwindigkeit der Anforderungen etc. schrittweise erhöht. Grundlage der Kompensation ist der Einsatz nicht gestörter Strategien, Erfahrungen und Verhaltensweisen. Die neuropsychologische Therapie darf den Alltagsbezug nicht aus dem Auge verlieren, die gestörten Funktionen sind entsprechend auch nach Möglichkeit in Alltagssituationen zu trainieren. Dies erfolgt in enger Koordination mit den anderen Berufsgruppen innerhalb der Rehabilitation.

Schlaganfall: Krankheitsverarbeitung

Nach einer akuten neurologischen Erkrankung, wie einem Schlaganfall, ändert sich das Leben des Erkrankten wie auch seiner Familie häufig grundlegend. Der Patient verliert in der Akutphase nach dem Schlaganfall die zuvor selbstverständliche Kontrolle über seine körperlichen Funktionen und Fähigkeiten. Es handelt sich zumeist für ihn um ein unbekanntes und nicht zu verstehendes Ereignis.

Zur Unterstützung der Auseinandersetzung mit der Störung erhalten die Patienten und ihre Angehörigen ärztliche Informationen über die Ursachen und Hintergründe der Erkrankung (Schlaganfall) und die Möglichkeiten, einem erneuten Schlaganfall vorzubeugen. Bei den verschiedenen Therapien (Krankengymnastik etc.) werden den Patienten nach Möglichkeit Übungen an die Hand gegeben, die sie selbständig durchführen können. Hierdurch wird der Effekt der Behandlungen erhöht und die Patienten erleben zudem das begründete Gefühl, selbst etwas an dem Zustand für sich tun zu können.

Dies unterstützt die Entwicklung oder den Wiederaufbau der Überzeugung, selbst etwas Positives bewegen zu können. Meistens ist es sinnvoll, auch die Angehörigen mit einzubeziehen. Sie können beispielsweise in den Therapien nach ihren Fähigkeiten Aufgaben gezeigt bekommen, die sie mit den Erkrankten wiederholen. Dabei ist aber auch darauf zu achten, dass der Patient oder der Angehörige nicht über das sinnvolle Maß hinaus aktiv sind, um Überforderung und Demotivation zu verhindern. Zur Krankheitsverarbeitung können auch psychologische Einzelgespräche sinnvoll sein.

Ein Teil der Schlaganfall - Rehabilitation ist auch die Aufklärung über die Risikofaktoren, die zum Auftreten eines Schlaganfalls beitragen können. Die Patienten müssen wissen, was sie selber beitragen können, um das Auftreten eines weiteren Schlaganfalls möglichst zu verhindern.

Die Beratung, Anleitung und Betreuung der Angehörigen stellt einen wichtigen Anteil an der Schlaganfall - Rehabilitation dar. Um den Patienten und ihren Angehörigen nach der Rehabilitation Möglichkeiten zu geben, Ansprechpartner bei sozialmedizinischen oder anderen Problemen zu erhalten, ist der Einsatz von Schlaganfall-Selbsthilfegruppen wichtig.