Adenome: Vorkommen

Adenome kommen im Dickdarm (Colon) bei jedem 10. Menschen vor, bei dem durch eine Darmspiegelung, oder auch durch eine Sektion nach dem Tode zufällig solche Veränderungen gefunden werden. Über die Hälfte der Adenome sitzen dabei im Rectum, welches ja den letzten Abschnitt unseres Dickdarms darstellt.

Was sind das, die Adenome?

Jede Vorwölbung von Darmwand in das Darmlumen hinein wird zunächst einmal als Darmpolyp bezeichnet (im Unterschied zu den Dickdarmdivertikeln, wo sich Darmgewebe ja quasi nach außen stülpt). Dabei können sich die Adenome in ihrer feingeweblichen Zusammensetzung (Histologie) deutlich unterscheiden. Entzündliche oder hyperplastische Adenome sind stets gutartig und machen kaum Probleme.

Adenome sind Darm polypen, die sich aus der normalen Gewebestruktur der Darmschleimhaut entwickeln. Adenome neigen jedoch dazu, sich auf der zellulären Ebene zu verändern. Es mischen sich abnorm veränderte Zellen unter das normale Gewebe. Man nennt das Dysplasie.

Um dies besser verstehen zu können sei kurz darauf verwiesen, wie die Organisation unseres Organismus funktioniert.

Adenome: Differenzierung von Zellen

Im Ursprung gehen wir aus den Keimzellen hervor, indem sich die weibliche Eizelle mit der männlichen Samenzelle verbindet. Nach der Verschmelzung beider Zellen, die ja jede für sich ihre Ausgabe der genetischen Informationen (Chromosomen) mit sich bringt, vermehren sich die Ursprungszellen durch Zellteilung. Später beginnen diese Zellhaufen, die wir auch Stammzellen nennen, sich in ihrer Funktion zu differenzieren. Sie schließen sich immer weiter zu differenzierten Strukturen zusammen, bis daraus komplette Organe geworden sind, innerhalb derer natürlich wiederum verschiedene unterschiedlich differenzierte Zellen zusammenarbeiten. So enthält auch der menschliche Darm Nervenzellen, Blutgefäße, Stützgewebe (Bindegewebe), Muskelzellen und natürlich auch Schleimhautzellen, in denen Drüsengewebe den Ton angibt. Die Einhaltung dieser „vereinbarten“ Spezialisierung muss bei jeder Zelle überwacht werden. Es gibt immer wieder in der Natur die Tendenz, sich in eine andere Richtung zu entwickeln und dabei einfach nur wachsen und sich vermehren zu wollen, ohne Rücksicht auf die zugedachte spezielle Funktion des Gewebes. Man spricht hier bereits von Entartungstendenzen wie sie im Alltag eines Organismus ständig millionenfach vorkommen. Dass daraus nicht Krebs wird, ist den Körperfunktionen zu verdanken, die über eine Aktivierung entsprechender Reparaturgene eigens hierfür spezialisierte Zellen (des Immunsystems) in den Kampf schicken. Virusinfekte, chronische Entzündungen, Noxen wie Strahlenschäden oder Nahrungsmittelbestandteile oder auch oft noch unbekannte genetische Einflüsse werden als bedeutsam bei der Entstehung von Krebs diskutiert. Sie können dazu führen, dass unsere Reparaturmechanismen nicht ausreichen.

Warum können Adenome gefährlich werden?

Zellen, welche diese Tendenz erkennen lassen, werden als dysplastisch verändert bezeichnet. Die Dysplasie kann leichtgradig, mittelgradig oder auch hochgradig ausgeprägt sein. Die Dysplasie stellt also eine Vorstufe von Krebs dar. Nach ihrem Wachstumsverhalten unterscheidet man bei adenomatösen Polypen tubuläre (oft gestielt wachsend) von villösen (der Darmwand breitbasig aufsitzenden) Polypen. Daneben gibt es die Mischform tubulo-villöse Polypen des Dickdarms. Die Entartungstendenz ist bei den villösen Adenome mit 20-50 % sehr hoch. Glücklicherweise sind sie jedoch weit seltener als die tubulären Adenome, welche mit 70% am häufigsten sind und dabei in weniger als 1% zur Entartung neigen.

Adenome: Wie merke ich, ob ich betroffen bin?

Adenome machen keine Schmerzen. Sie beginnen aber oft zu bluten. Manchmal gelangt das Blut als Auflagerung auf dem Stuhl sichtbar ans Tageslicht. Manchmal verbleibt es aber auch länger im Darm und wird dann zersetzt. Das im Blut gespeicherte Eisen führt, wenn nur genügend Blut vom Polypen abgesondert wurde, zu einer Schwarzfärbung des Stuhls.

Hellrotes Blut oder eine nicht erklärliche Schwarzfärbung des Stuhls sind also Warnsignale, Sie sollten mit Ihrem Arzt sprechen!

Meist werden aber nur so geringe Mengen Blut abgesondert, sodass es mit dem bloßen Auge nicht erkennbar ist. Entsprechende Stuhlkärtchen können helfen diese okkulten Blutungen aufzuspüren. Im Rahmen der empfohlenen Krebsvorsorgeuntersuchungen wird gerade dies untersucht. –Also hingehen!

Seltener werden Adenome so groß, bzw. sitzen so nahe am Ausgang, dass sie ein mechanisches Hindernis darstellen und die Darmentleerung stören können.

Adenome: Was sollte ich tun?

Wenn im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung das Stuhlkärtchen positiv ist, wird Ihr Arzt Ihnen zu einer Suche nach der Blutungsquelle raten. Durch eine Spiegelung des Magens und des Zwölffingerdarms (Gastroskopie) kann eine relativ häufige Erkrankung - wie beispielsweise ein Geschwür - ausgeschlossen werden (allerdings würden Sie dann auch oft Oberbauchbeschwerden haben).

Schmerzlos und dadurch tückisch sind die Adenome des Dickdarms. Dieser kann ebenfalls endoskopisch untersucht werden. Durch ein starres Rohr (Rektoskop) lässt sich der Enddarm (Rektum, er ist ja der untere Abschnitt des Dickdarms) zuverlässig untersuchen. Hier sind auch die meisten Adenome angesiedelt. Je höher man mit einem flexiblen Endoskop vordringt, um so seltener trifft man Adenome an. Es wird stets versucht, eine so genannte hohe Coloskopie durchzuführen, durch die der gesamte Dickdarm bis zum Übergang in den Dünndarm gespiegelt wird. Erst hierdurch erreicht man ein Maximum an Sicherheit.

Adenome: Welche Therapien gibt es?

Wenn ein Dickdarmpolyp gesichtet wurde und dieser eine ausreichende Größe hat, wird man ihn endoskopisch abtragen. Dazu wird aus dem Endoskop eine Drahtschlinge heraus geschoben, um den Hals der Adenome gelegt und mit elektrischem Strom quasi abgeschnitten. Das tut nicht weh, da der Polyp keine Nerven hat. Die Blutung wird durch die Anwendung von Strom unterbunden, indem Blutgefäße verschmort werden (Elektrokoagulation).

Adenome: Sicherheit geht vor

Die Adenome werden mit einer Greifzange geborgen und in entsprechenden Instituten mikroskopisch und durch Zellfärbung auf seine Zusammensetzung hin untersucht. Man möchte wissen, ob Zelldysplasien enthalten sind und ob es gelungen ist die Polypen im gesunden Gewebe abzutragen.

Wäre dies nicht gelungen, bestände die Gefahr, dass verbliebene dysplastische Zellen weiter bis zum Darmkrebs hin entarten. Sind dysplastische Zellen in der Darmwand verblieben oder sind bereits Karzinomzellen feststellbar, muss in den nächsten Tagen operiert werden. Je nach Ausbreitungsstadium muss ein kleinerer oder auch größerer Anteil des Dickdarms entfernt werden.

Denken Sie bitte an das eingangs gesagte: Dickdarm - Adenome entarten unterschiedlich häufig und auch nicht so rasch. Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen bieten ein vertretbares Maß an Sicherheit. Für die ganz große Mehrheit der betroffenen Menschen ist das Problem mit der Abtragung des Polypen erledigt. Dies kann in der Regel ambulant erfolgen, Komplikationen wie Darmverletzung oder Nachblutung sind selten. Regelmäßige Nachkontrollen, z.B. alle drei Jahre sind meist ausreichend.

Die weitaus größte Gefahr droht von Seiten einer Nichtwahrnehmung der Vorsorgeuntersuchungen. Diese werden einmal jährlich ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Es wird weiter dazu geraten, ab dem 50. Lebensjahr einmalig eine Darmspiegelung machen zu lassen.

Verfasser: Chefarzt Dr. G.-D. Braun