Wer ist von Divertikulose betroffen?

Es handelt sich um eine sehr weit verbreitete Erkrankung des Dickdarmes (Colon), die man auch als Zivilisationskrankheit bezeichnen könnte. Die Erkrankung nimmt mit dem Lebensalter stetig zu und ist bei den über 50 jährigen schon in immerhin 30% der Fälle feststellbar. Die Divertikulose macht keine nennenswerten Beschwerden und wird meist als Zufallsbefund im Rahmen von Darmspiegelungen (Coloskopie) oder Röntgenuntersuchungen des Darmes unter Einsatz von Kontrastmitteln entdeckt.

Wie entstehen Divertikel?

Bei der Divertikulose kommt es im Bereich des Dickdarms (Colon) zu kleinen Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch die den Darm eigentlich umschließenden Muskelstränge hindurch in das Bauchinnere. In diesen kleinen Säckchen staut sich dann Stuhl. Normalerweise presst die umgebende Muskelhülle den Darm ja segmental zusammen und treibt den Stuhl damit weiter Richtung Ausgang. Auf diese Weise wird eine geregelte Stuhlentleerung gewährleistet. Diese kleinen Säckchen können bei der Divertikulose aber nicht mehr durch Kompression effektiv entleert werden.

Was kann bei einer Divertikulose passieren?

Die über Tage festgehaltenen Stuhlreste führen zu einer massiven Vermehrung der Darmbakterien und schließlich zu einer Entzündung der Darmwand im Bereich des abgeschnürten Säckchens. Man spricht in diesem Stadium von einer Divertikulitis. Während die Divertikulose eine schmerzlose Erkrankung gerade des höheren Alters ist, handelt es sich bei der Divertikulitis um eine teilweise rasch voranschreitende, manchmal sehr schmerzhafte Erkrankung des Colons. Es bilden sich Eiteransammlungen, die Patienten entwickeln häufig erhöhte Temperaturen und erleiden womöglich sogar ein Einreissen des Darmes (Perforation), was dann akut lebensbedrohliche Formen annehmen kann. Oftmals kommt es bei der Divertikulitis, welche auch über Tage hinweg mit wechselnder Heftigkeit verlaufen kann, zu Stuhlunregelmäßigkeiten oder auch zu einer tastbaren walzenförmigen Verhärtung des Colons. Die regionale Entzündung behindert ihrerseits wiederum eine geregelte Stuhlentleerung und verschlimmert damit den Stau von Stuhl, die Bakterienvermehrung und letztlich ein Voranschreiten der Entzündung.

Divertikulose: Wo passiert es?

Der Dickdarm ist der letzte Abschnitt unseres Verdauungstraktes, ca. einen Meter lang und umspannt unseren Bauchraum wie ein schlauchförmiger Rahmen mit nahezu rechtwinkeligen Ecken. Man kann sich vermutlich leicht vorstellen, dass die Darmpassage um solche scharfen Ecken herum erschwert ist. Dabei wird der zunächst flüssige Stuhl zunehmend eingedickt, indem der Darm überschüssiges Wasser zurückholt (resorbiert) und gleichzeitig mit Hilfe der Darmbakterien die Verdauung weiter vorantreibt.

Zwei Drittel der Divertikel konzentrieren sich im Sigmabereich. Also einer Dickdarmregion im linken Unterbauch, zirka 40 Zentimeter vom Anus aus gerechnet. Hier verläuft der Dickdarm besonders geschlängelt und teils, indem er einen scharfen Knick macht. Der Stuhl ist hier bereits weitgehend eingedickt und somit recht schwer voranzutreiben.

Divertikulose: Wie sieht die Therapie aus?

In leichten Fällen genügt es den Darm zu entlasten, indem man einige Tage nur flüssige bzw. leicht verdauliche Nahrung zu sich nimmt.

Ergeben sich Anzeichen für eine stärkere Entzündung (Blutbildveränderungen, Temperaturerhöhungen) sollten zusätzlich Antibiotika eingenommen werden. Sind die Beschwerden heftig oder klingen sie nicht rasch wieder ab, bleibt oft nur der Weg einer stationären Aufnahme, Infusionstherapie und ggf. intensiverer Untersuchungen.

Man bezeichnet dieses Vorgehen bei Divertikulitis weiterhin als konservativen Therapieversuch. Sollte sich eine Besserung nicht einstellen, oder es gar zur Entwicklung von Komplikationen kommen, bleibt manchmal nur ein operatives Vorgehen.

Treten Komplikationen häufiger auf, oder bleiben im Darm narbige Verwachsungen zurück, die die Darmpassage an dieser Stelle nachhaltig stören (Stenosen), wird man wohl zu einer Teilentfernung des Dickdarms an der betroffenen Stelle raten. Dabei operiert man lieber in einem symptomfreien Intervall, für das man alle OP-Vorbereitungen in Ruhe treffen kann (elektiver Eingriff), als auf eine erneute Entzündung zu warten die dann womöglich eine Notoperation erfordert.

Divertikulose: Wie kann man vorbeugen?

Die Entstehung der Divertikel wird gewissermaßen provoziert, indem der Stuhl hart und die Darmtätigkeit träge geworden ist. Damit sind wir wieder bei einer typischen Erscheinung unseres modernen Lebens. Viele neigen zu Verstopfung (Obstipation) weil sie (relativ) wenig trinken, sich wenig bewegen, wenige Ballaststoffe zu sich nehmen, den Darm durch Zeitdruck und unregelmäßige Tagesabläufe übergehen oder durch den chronischen Einsatz von Abführmitteln (Laxantien) allmählich ruinieren.

Auch hier kann eine stationäre REHA-Maßnahme den Rahmen schaffen, um unter ärztlicher Anleitung ungünstige Verhaltensweisen zu korrigieren und dem eigenen Körper wieder „Gehör“ zu verschaffen.

Verfasser: Chefarzt Dr. G.-D. Braun