Oft geht eine Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) einher mit einer Beteiligung des zentralen Nervensystems. Die Neurologen sprechen dann von einer Enzephalitis bzw. Enzephalomyelitis. Die klinischen Symptome einer Enzephalitis ähneln der einer Meningitis. Im Einzelnen finden sich folgende klinischen Eigenschaften einer Enzephalitis:

  • Kopfweh
  • Erbrechen
  • Lichtscheu
  • Gliederschmerzen
  • Nacken- und Rückenschmerzen
  • Schlaf/Wachrhythmusstörungen
  • Benommenheit
  • Fieber
  • Evtl. Hirnnervenausfälle
  • Halbseitenlähmung
  • Epileptische Anfälle
  • Evtl. Hirndruckzeichen

Oft Vorerkrankungen ohne Befall des Nervensystems mit viralen Erkrankungen oder auch unspezifischen Erregern (Grippe)

Enzephalitis: Diagnostik

Die Ermittlung einer Ursache für eine Enzephalitis ist oft schwierig, wichtig ist die Mitberücksichtigung der internistischen Organbefunde. Daher sind die Nachweise im Blut der Patienten im Zuge mit Hilfe einer bakterio-serologischen Laboruntersuchung sehr wichtig. In dieser Blutuntersuchung werden die Antikörper auf verschiedene Erregertypen getestet und dies führt dann zur Diagnose einer Enzephalitis. Häufige Erreger von einer viralen Enzephalitis sind z.B. Herpes simplex-Viren, Arbo-Viren oder Rabies-Viren.

Ferner ist zur Diagnostik die Entnahme von Nervenwasser (Liquorpunktion) notwendig. Diese Untersuchung zeigt meist eine erhöhte Zellzahl und auch erhöhte Eiweißwerte. Im EEG finden sich bei Enzephalitis-Patienten gelegentlich unspezifische Allgemeinveränderungen im Sinne von generalisierter Verlangsamung. In der neuroradiologischen Diagnostik (Computer- oder Kernspintomographie) finden sich gelegentlich Änderungen und pathologische Befunde im Bereich des Marklagers.

Erreger und Formen der Enzephalitis:

Etwa 10 % der Enzephalitiden werden erzeugt durch eine Herpes simplex- Enzephalitis. Nach einer großen statistischen Untersuchung in Schweden betrug dort die Neuerkrankung (Inzidenz) der Bevölkerung 2,3/1.000.000. Die klinischen Symptome der Herpes simplex- Enzephalitis beginnt mit grippeartigen Beschwerden, nach einigen Tagen treten Kopfschmerzen auf mit Halbseitensymptomen, wie Lähmungen, Schwäche, sensible Störungen einer Körperhälfte, Gesichtsfeldstörungen und auch gelegentlich epileptischen Anfällen. Bei Nichterkennung bzw. Ausbleiben der Therapie kommt schließlich dann eine Phase von zunehmenden psychischen Veränderungen, die in eine Bewusstseinsstörung und manchmal bis zum Koma übergeht. Das EEG zeigt einen recht typischen Befund und das Nervenwasser eine so genannte lymphozytäre Zellzahlerhöhung bis zu 700 Zellen. Der Virusnachweis von Herpes simplex bei dieser Form der Enzephalitis gelingt im Blut und im Nervenwasser fast nie. Daher kann letztlich die Diagnose nur klinisch gestellt werden und gehört in die Hände eines erfahrenden Arztes. Bei Nichtbehandlung mit den entsprechenden Medikamenten ist die Prognose in 70 % der Fälle tödlich, wichtig ist daher ein früher Behandlungsbeginn mit Medikamenten, wie z.B. Adenin-Arabinosid oder mit Aciclovir.

Eine weitere - Enzephalitis ist die so genannte Frühsommer - Enzephalitis oder auch Zentraleuropäische - Enzephalitis genannt. Diese wird über eine Zeckeninfektion übertragen, wobei die Zecken selbst nur Zwischenträger des Erregers sind. Die Symptome ähneln zunächst der einer Hirnhautentzündung und der Nachweis des erhöhten Antikörpertiters im Serum, im Liquor gelingt nur bei einigen Betroffenen. Insgesamt ist der Verlauf dieser Enzephalitis günstiger. In Deutschland gibt es ein deutliches Nord/Südgefälle dieser Erkrankung mit einer deutlichen höheren Inzidenz in Baden Württemberg und Bayern.

Nicht zu vergessen ist auch eine pilzbedingte - Enzephalitis (z. B. durch Toxoplasmosekeime). Auch mit zu berücksichtigen ist eine Enzephalitis im Rahmen von anderen internistischen Erkrankungen, wie z.B. Sarkoidose (Morbus Boeck). Auch die Masern - Enzephalitis ist trotz inzwischen standardisierter Masernimpfung im Kleinkindalter eine nicht seltene Form der Enzephalitis und in ihrem klinischen Bild manchmal recht dramatisch.

Da es sich bei den meisten Formen der Enzephalitis um einen Virus als Ursache der Erkrankung handelt, ist eine antibiotische Therapie lediglich geeignet um Sekundärinfektion vorzubeugen. Eine Heilung der Enzephalitis erfolgt durch Antibiotika nicht. Umso wichtiger sind die Verhinderung und Vorbeugung von Komplikationen, die Überwachung der Vitalzeichen, wie Blutdruck, Blutzucker, etc. und eine frühzeitige Mobilisierung im Sinn einer sofortigen Rehabilitation. Diese sollte im optimalen Fall im Akutkrankenhaus beginnen und dann mit einer anschließenden stationären Rehabilitation unmittelbar fortgesetzt werden.

Was ist die Aufgabe der Rehabilitation zur Behandlung der Enzephalitis?

Enzephalitis – Patienten werden in der stationären Rehabilitation nach Abklingen des Akutereignisses aufgenommen. Dabei kann es sich sowohl um Zuweisungen aus dem Akutkrankenhaus im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung als auch um eine Rehabilitation nach Abklingen des Akutereignisses handeln. Die Rehabilitation bei Enzephalitis – Betroffenen richtet sich nach den jeweiligen Folgeschäden, die oben beschrieben sind.

Die Ärzte der Neurologischen Abteilung der Wicker Klinik Bad Wildungen erheben bei Enzephalitis – Patienten zunächst eine exakte Erhebung der Krankengeschichte und untersuchen den Enzephalitis – Patienten gezielt auf mögliche Komplikationen und Folgeschäden. Dies geschieht üblicherweise in Kooperation mit der Neuropsychologischen Abteilung. In dieser Abteilung werden die kognitiven Defizite nach einer Enzephalitis – Infektion wie z.B. Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses oder Merkfähigkeitsstörungen beurteilt.

Falls notwendig, können die erforderlichen diagnostischen Untersuchungen in der Wicker Klinik Bad Wildungen bzw. im Klinikverbund problemlos durchgeführt werden wie erneute Lumbalpunktion, Kernspin- oder Computertomographie, EEG, sämtliche neurophysiologische Untersuchungen, Laboruntersuchungen.

Die Physiotherapie behandelt die Enzephalitis – Betroffenen mit ihren Schädigungen des Bewegungsapparates, die sowohl motorisch als auch sensorisch sein können. Auch ist das Gleichgewicht und die Rumpfstabilität bei Enzephalitis – Patienten eingeschränkt, hier setzt ebenfalls die Physiotherapie mit verschiedenen Methoden an. Die Therapien finden dabei einzeln und/oder in Gruppen statt, bedarfsweise auch im Wasser.

Zur Stabilisierung des Rumpfes und des Gleichgewichts wird dabei auch die Hippotherapie eingesetzt. Es besteht seitens der Wicker Klinik Bad Wildungen eine Kooperation mit einem Zentrum für therapeutisches Reiten in Bad Wildungen und hier werden die Patienten unter kompetenter Anleitung und Überwachung behandelt. Durch den dreidimensionalen Bewegungsablauf auf dem Pferd empfinden auch Enzephalitis – Patienten diese Therapie nicht nur als unterschiedlich, sondern auch als positiv und als eine äußerst sinnvolle Ergänzung zur klassischen Physiotherapie.

Übliche angewandte Therapieverfahren bei Enzephalitis – Patienten sind z.B. die Techniken nach Bobath, Voijta oder PNF.

Die Ergotherapie ist in erster Linie bei Enzephalitis – Patienten für Störungen der Arme und Hände und auch Hirnleitungstraining zuständig. Letzteres geschieht sowohl in Einzel- als auch in Gruppentherapie und in enger Absprache mit der Neuropsychologischen Abteilung. Bei Enzephalitis – Patienten bestehen als Folgeschäden der Erkrankung oft noch feinmotorische Defizite der Hände wie z.B. bei Auf- u. Zuknöpfen, Geldzählen, Schreiben etc. Hier werden gezielte Therapieverfahren eingesetzt und entsprechend mit den Enzephalitis – Betroffenen geübt.

Die Rehabilitation der Ergotherapie bei Enzephalitis schließt ebenfalls das konkrete Üben von Alltagssituationen, z.B. in einer Übungsküche mit ein, ferner besteht die Möglichkeit das Führen eines Pkw’s, auch unter behindertengerechten Bedingungen zu üben. Die Ergotherapie führt hier ein gemeinsames Training in einer örtlichen Fahrschule und einem entsprechend behindertengerechten Pkw durch. Schließlich wird der Enzephalitis – Betroffene gezielt und individuell über Hilfsmittel eingesetzt, dies geschieht bei Bedarf auch gemeinsam mit den Angehörigen. Zu nennen sind hier einfache Hilfsmittel wie Badewannenlifter, Toilettenstuhlerhöhung bis hin zu aufwendigeren Hilfsmitteln wie Elektrorollstühle, Treppenlifter etc..

Da Enzephalitis – Betroffene oft Sprechstörungen haben, die sowohl zentrale Ursachen haben können, als auch durch Hirnnervenlähmungen bedingt sein können, ist eine logopädische Behandlung in der Rehabilitation von Enzephalitis – Patienten sehr wichtig. Verschiedene Übungsmöglichkeiten und Therapieverfahren kommen hier zum Einsatz und richten sich nach der Art der Sprachstörung. Bei Hirnnervenlähmungen wie z.B. einer Fazialisparese wird dieses Training gemeinsam mit den Fachkollegen der Ergotherapie abgesprochen. Gezieltes Schlucktraining kann ebenfalls durchgeführt werden, bei Bedarf auch in der benachbarten Neurologischen Klinik Westend, die ebenfalls zur Wicker Unternehmensgruppe zählt, auch eine eingehende Untersuchung des Kehlkopfes mittels Spiegelung („Rhinolaryngoskopie“).

Die Enzephalitis – Patienten haben sehr oft eine äußerst anstrengende Krankengeschichte hinter sich, z.B. auch durch mehrwöchige Behandlungen auf einer Intensivstation. Der allgemeine klinische Zustand ist bei Aufnahme in die Rehabilitation oft reduziert und passive Maßnahmen in der Rehabilitation, die das Allgemeinbefinden der Enzephalitis – Betroffenen steigern werden oft als sehr wohltuend erlebt. Zu nennen ist hier beispielsweise die Abteilung Physikalische Therapie mit ihren breiten Therapiespektrum wie klassische Massagen, Hydrojetmassagen, verschiedene Entspannungsbäder, Vierzellenbad, Elektrotherapie wie Laser und Hochvolt, Wassertreten usw..

Oft handelt es sich bei dem Ausbruch einer Enzephalitis um ein plötzliches und unvorhergesehenes Ereignis, welches nicht nur den Enzephalitis - Betroffenen, sondern auch die Familie und das Umfeld völlig unvorbereitet trifft. Eine psychologische Unterstützung und Beratung ist daher oft für die Betroffenen und die Angehörigen indiziert und dient der adäquaten Krankheitsverarbeitung.

Aufgabe des Therapieteams in der Rehabilitation von Enzephalitis – Betroffenen ist nicht nur der ganzheitliche Therapieansatz und der kontinuierliche Austausch unter den Behandlern, sondern auch gezielte Empfehlungen für die Weiterbehandlung am Heimatort und eine kompetente sozialmedizinische Einschätzung. Diese ist oft für die Enzephalitis – Patienten sehr wichtig und kann in verschiedener Form wie stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell), innerbetriebliche Umsetzung oder Teilberentung erfolgen. Die Sozialberaterinnen der Wicker Klinik Bad Wildungen nehmen während der Rehabilitation bei Bedarf Kontakt mit dem Arbeitgeber, Kostenträgern oder sonstigen verantwortlichen Stellen auf und beraten dezidiert und gezielt den Patienten in Absprache mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten des Patienten. Neben dem ganzheitlichen Ansatz in der Rehabilitation ist das individuelle Eingehen auf das Krankheitsbild Enzephalitis äußerst wichtig. Jeder Enzephalitis – Patient hat ein individuelles Krankheitsbild, welches von sehr leichten Schädigungen bis hin zu schwersten neurologischen Ausfällen mit deutlichen Einschränkungen der Selbständigkeit reichen kann.

Verfasser: Chefarzt Dr. Kirn