Hirntumor: Beschreibung

Ein Hirntumor kann sowohl aus hirneigenem Gewebe im Gehirn und Rückenmark entstehen als auch von den Hirnhäuten (Meningen) oder auch den Hirn- u. Spinalnerven selbst ausgehen. Zusätzlich gibt es noch Absiedlungen von anderen Tumoren im Gehirn und Rückenmark in Form von Metastasen, Zysten oder Lymphomen. Die Neurologen unterscheiden nicht nur nach der Lokalisation Art und Bösartigkeit bei einem Hirntumor, sondern auch nach der Häufigkeit. Hierbei sind als häufigster Hirntumor zu nennen: Glioblastom (ca. 28%), Astrozytom (ca. 27%) und Meningeome (ca. 22%).

Die gewebliche Feindifferenzierung bei einem Hirntumor („Histologie“) hat dabei entscheidende Aussagekraft für die weitere Prognose und auch das Therapieverfahren. Die Diagnosestellung durch den geschulten Facharzt erfordert eine genaue Diagnostik und auch Kenntnisse der weiteren infrage kommenden Diagnosen (Differentialdiagnose). Dabei ist für die korrekte Diagnostik von einem Hirntumor eine Kenntnis der Erstsymptome äußerst wichtig.

Hirntumor: Symptome

Diese Erstsymptome treten nicht wie oft vermutet als Kopfschmerzen auf, sondern mehrheitlich als plötzliche epileptische Anfälle. Daher muss jeder erstmalige und unerwartete Krampfanfall genau abgeklärt werden! Als weitere Erstsymptome finden sich bei dem Betroffenen auf eine bestimmte Körperregion begrenzte neurologische Störung, wie plötzliche Ungeschicktheit mit der rechten Hand, Nachziehen des linken Beins mit zunehmender Schwäche etc..

Auch Hirnnervensymptome wie ein herabhängender Mundwinkel und Sprechschwierigkeiten im Sinne einer so genannten Fazialisparese können Erstsymptome für einen Hirntumor sein. Gelegentlich bleiben jedoch auch die Symptome sehr diffus und sind nicht nur für die Angehörigen, sondern auch für die Fachleute irritierend. Hierzu gehören z.B. Wesensänderungen wie übermäßige Gereiztheit, vermehrte Abgeschlagenheit, unangepasstes Sozialverhalten. Da die Größe des Wachstums und die Art von einem Hirntumor entscheidende Bedeutung für die Überlebenswahrscheinlichkeit haben, ist eine schnelle und exakte Diagnostik notwendig. Neben der klinisch - neurologischen Untersuchung und dem EEG sollte daher auch immer eine neuroradiologische Abklärung mittels Computertomographie oder Kernspintomograhie erfolgen.

Im Folgenden werden kurz die häufigsten Hirntumore dargestellt.

Neuroepithelialer Hirntumor:

Glioblastom: Lokalisiert im Großhirn, sehr bösartig. Dieser Hirntumor tritt bevorzugt zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf und wird mit einer Kombination von Operation und Bestrahlung und/oder Chemotherapie behandelt. Leider versterben fast alle Patienten mit einem solchen Hirntumor nach 1-2 Jahren.

Astrozytom: Hier liegt der Altersgipfel früher (30. bis 40. Lebensjahr), die Symptomatik ist oft schleichend. Bei frühzeitiger Diagnose und günstiger Lokalisation kann dieser Hirntumor durch entsprechende Therapie (Operation und Bestrahlung) geheilt werden.

Oligodendrogliom: Altershäufigkeit zwischen 35. und 40. Lebensjahr mit überwiegender Lokalisation im Großhirn. Hierbei handelt es sich meist um einen gutartigen Hirntumor, die selten in das gesunde Gehirngewebe einwachsen. Heilung oft möglich durch radikale Operation.

Ependmymom: Dieser Hirntumor betrifft überwiegend Kinder und Jugendliche, selten Erwachsene. Sie sind überwiegend gutartig und meistens in der 4. Hirnkammer oder in der Wirbelsäule lokalisiert.

Medulloblastom: Auch dies ist ein Hirntumor des Kindes- u. Jungend-Alters. Die Lokalisation dieses Hirntumor ist ungünstig (Kleinhirn und Hirnstamm), überwiegend außerordentlich bösartiger Hirntumor mit oft nur teilweiser Heilung.

Neurinom: Weitgehend gutartiger Hirntumor mit häufiger Lokalisation im Kleinhirnbrückenwinkel im Bereich des Nervus statoakustikus. Erstsymptome: Pfeifen im Ohr, Hörverlust. Meist durch Operation gut heilbar.

Mesodermaler Hirntumor:

Meningeom: Dieser Hirntumor findet sich entlang des Riechnervens, des Keilbeinflügels und entlang der venösen Blutgefäße. Dieser häufige Hirntumor ist fast immer gutartig und hat bei entsprechender Operation eine sehr gute Prognose.

Ektodermaler Tumor:

Hypophysenadenom: Dies ist ein Tumor im Bereich der Hypophyse in der hinteren Schädelgrube, der oft mit hormonellen Störungen wie Riesenwuchs oder Schildfunktionsstörungen verbunden ist. Auch dieser kann häufig total operiert werden, oft wird dieser Hirntumor durch die Nase operiert.

Der häufigste Tumor im Bereich des Gehirns sind jedoch nicht die oben genannten, sondern Absiedlungen von anderen Tumoren des menschlichen Körpers, so genannte Metastasen. Diese treten z.B. auf bei Lungenkrebs, Hautkrebs (Melanom) oder Nierenkrebs (Hypernephrom). Oft treten sie vielfach auf, überwiegend im Großhirn.

Innerhalb des Rückenmarks wachsende Tumore führen in unterschiedlichen Teilabständen zu verschiedenen neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, Schmerzen oder Gleichgewichtsstörungen. Diagnostische Methode der Wahl ist die spinale Kernspintomographie (spinales MRT) mit hoher Aussagekraft über die Ausdehnung und Lokalisation dieses Tumors.

Die Behandlung von Hirntumor – Patienten in der Rehabilitation erfolgt unter ganzheitlichen Gesichtspunkten und in professioneller Teamarbeit mit Ärzten, Pflege, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Physikalische Therapie, Sozialarbeitern und Psychologen.

Die therapeutischen Schwerpunkte sollten sich dabei in erster Linie nach den neurologischen Funktionsstörungen und nicht nach der Art des Tumors richten. Meist ist der Patient mit Hirntumor bei Aufnahme in die Rehabilitation bereits komplett diagnostiziert und neue Erkenntnisse der Diagnostik sind nicht zu erwarten. Durch die heutigen Rahmenbedingungen in den Akutkrankenhäusern und den objektiven Umständen bei einem Hirntumor, z.B. zunehmende Krampfanfälle, Hirndruckzeichen, schneller Operationstermin, häufige Therapietermine mit entsprechendem Therapiedruck ist der Hirntumor - Betroffene oft nur unzureichend aufgeklärt über die Art des Tumors, der verschiedenen Therapiemöglichkeiten und der weitere Prognose. Daher sollte dieser Punkt bereits im ärztlichen Aufnahmegespräch in der Rehabilitation berücksichtigt werden.

Neben der gründlichen neurologisch klinischen Untersuchung und dem ersten Entwerfen eines Therapieprogramms in der Rehabilitation ist es für den Hirntumor – Patienten oft bereits entlastend, ein Gespräch ohne Zeitdruck zu führen und mit den entsprechenden Möglichkeiten auch Fragen zu stellen. Daher sollte der Arzt in der Rehabilitation sich bei jedem Hirntumor – Patienten mit der Aktenlage vertraut machen und sich ggf. fachlich zusätzlich informieren.

Mit dem Hirntumor – Patienten wird in der Rehabilitation ein individuelles Therapieprogramm erstellt. Grundsätzlich kann bei dieser Patientengruppe kein einheitliches Behandlungskonzept wie bei anderen neurologischen Erkrankungen, z.B. Multiple Sklerose oder Schlaganfall, erstellt werden. Die neurologischen und neuropsychologischen Funktionsausfälle sind derartig vielgestaltig und unterschiedlich, dass die Therapie in der Rehabilitation auf jeden Hirntumor – Betroffenen individuell zugeschnitten sein muss.

Grundsätzlich lässt sich jedoch folgendes festhalten:

Neben dem Arzt sollte auch das Pflegepersonal über die Art von einem Hirntumor und der vorherigen Behandlung gut informiert sein. Dies hat auch praktische Konsequenzen im Pflegealltag der Rehabilitation und bei Verwendung verschiedener Hilfsmittel wie z.B. Blasenkatheter oder vorübergehende oder bleibende Rollstuhlpflichtigkeit.

Die möglichen motorischen Schädigungen bei Hirntumor – Patienten werden in der Wicker Klinik Bad Wildungen von den Physiotherapeuten behandelt. Hierbei finden unterschiedliche Behandlungskonzepte wie z.B. Therapie nach Bobath oder Voijta Berücksichtigung. Oft findet diese Therapie auch mit Hilfsmitteln wie z.B. Stehbarren, Treppensteigen etc. statt.

Die Abteilung Ergotherapie behandelt neben den sensorischen oder motorischen Defiziten der oberen Extremitäten auch in Zusammenarbeit mit den Neuropsychologen der Klinik die oft sehr unterschiedlichen kognitiven Defizite der Hirntumor – Patienten. Hierbei kann es sich um leichte Störungen des Kurzzeitgedächtnisses oder schwere hirnorganische Psychosyndrome handeln. Die Einbeziehung der Angehörigen mit entsprechender Aufklärung ist dabei von großer Wichtigkeit. Selbstverständlich ist die Ergotherapie auch zuständig für die Beratung von Hilfsmitteln bei Hirntumor – Patienten. Hierzu zählen neben einfachen Hilfsmitteln wie Toilettensitzerhöhungen, bestimmte Haltegriffe im Bad auch aufwendigere und kostenintensive Maßnahmen wie z.B. Elektrorollstuhl oder Treppenlifter. Die genaue Kenntnis der häuslichen Verhältnisse, die entweder durch persönliche Inspektion oder entsprechende Schilderung des Betroffenen oder seiner Angehörigen erfolgt, ist dabei Voraussetzung für eine erfolgreiche Beratung. Diese Hilfsmittelberatung findet jedoch nicht nur theoretisch, sondern in der Wicker Klinik Bad Wildungen praktisch statt. Zu nennen sind hier das Wiedererlernen der Fahrtauglichkeit mittels einen behindertengerechten Pkw’s in Kooperation mit einer Fahrschule vor Ort und einem Mitarbeiter der Abteilung Ergotherapie oder das Anleiten und Wiedererlernen von Kochen in der Übungsküche mit den entsprechenden höhenverstellbaren Materialien.

Da ein Hirntumor oft im sprachdominanten Zentrum des Großhirns lokalisiert ist, ist die Logopädie ebenfalls ein äußerst wichtiger Baustein in der Rehabilitation. Der Hirntumor – Patient weist unterschiedliche Sprach- u. Sprechstörungen auf, eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte, entsprechende Testdiagnostik und Einschätzung des Experten der Logopädie steht dabei am Anfang der Therapie. Hierbei sind an leichte Sprachstörungen (Dysarthrie) bis hin zu schweren Wortverständnisstörungen (sensorische Aphasie) zu denken. Häufiges und wiederholtes Trainieren bestimmter Programme (repetetives Lernen) erfolgen dabei teils computerunterstützt und führen oft zu einer Besserung bereits in der Rehabilitation.

Im Gegensatz zu anderen neurologischen Erkrankungen und Symptomen stehen Schmerzen bei Hirntumor - Patienten nicht im Vordergrund der Symptome. Daher ist der Fokus der Physikalischen Therapie eher auf Entspannung und passive Maßnahmen ausgerichtet. Massagen, Wärme- u. Kälteanwendungen, verschiedene Bäder tragen hier zu einer objektiven Erholung und Wiedererlangung der ursprünglichen Situation bei.

Oft ist die beruflich - soziale Situation bei einem Hirntumor, auch nach erfolgter Operation, unklar. Daher berät die Sozialtherapie den Hirntumor – Patienten in der Rehabilitation über die weiteren rechtlichen und formalen Möglichkeiten wie z.B. berufliche Wiedereingliederung, schrittweise Wiedereingliederung („Hamburger Modell“) oder innerbetriebliche Umsetzungen. Selbstverständlich gehören auch die Beratung von Berentungen (Teil-Berentungen) oder Beantragungen eines Schwerbehindertenausweises mit entsprechenden Merkmalen ebenfalls in die Bereiche dieser Abteilung. Nicht nur die psychische Unterstützung, sondern auch die Auseinandersetzung mit der Erkrankung und die möglichen Veränderungen im familiär-beruflichen Bereich werden mit der Psychologischen Abteilung in der Rehabilitation bearbeitet. Dabei sind die Auswirkungen einer Hirntumor – Erkrankung sowohl für die Betroffenen als auch für das familiär-berufliche Umfeld oft von enormem Ausmaß.

Grundsätzlich ist bei den Hirntumor – Patienten auch eine enge Kooperation mit dem Behandler am Heimatort äußerst wertvoll.

Eine wichtige medizinische Fragestellung bei Hirntumor – Patienten ist die Kenntnis über die Wahrscheinlichkeit von cerebralen Krampfanfällen. Diese Informationen müssen vom Stationsarzt in der Rehabilitation an die genannten Berufsgruppen weitergegeben werden, ggf. sollten entsprechende Untersuchungen bei bekannter Epilepsie im Rahmen der Hirntumor – Erkrankung wie z.B. EEG oder auch Bestimmungen bestimmter Medikamenten-Spiegel im Blut erfolgen.

Grundsätzlich ist bei Hirntumor – Patienten zu berücksichtigen, dass der Umgang in der Rehabilitation stets sehr vorsichtig und schonend sein sollte. Hier setzen die Diplom-Psychologen an und unterstützen die erfolgreiche Rehabilitation der Hirntumor – Patienten.

Verfasser: Chefarzt Dr. Kirn