Hydrocephalus: Definition

Wörtlich übersetzt heißt Hydrocephalus „Wasserkopf“. Dieser Begriff wurde in der Vergangenheit für dieses Krankheitsbild oft verwendet und ist in der Bevölkerung bekannt. Bei dem Hydrocephalus handelt es sich um einen Aufstau des Hirnwassers. Dieses Hirnwasser befindet sich in bestimmten Kammern (Hirnventrikel) im Gehirn, die miteinander durch enge Kanäle und Öffnungen verbunden sind. Beim Erwachsenen beträgt die Menge des Hirnwassers etwa 120-200 ml, täglich wird die 3-5-fache Menge gebildet. Somit gibt es einen regen Austausch dieses Gehirnwassers. Wenn diese Öffnung und Kanäle verstopft sind, kann das frisch gebildete Hirnwasser nicht abfließen, es kommt zu einem Aufstau und einem Auftreiben der inneren Kammern, dann entsteht ein Hydrocephalus. Für einen Hydrocephalus gibt es viele Ursachen. Genannt seien hier folgende:

  • Hirnblutungen
  • Hirnhautentzündungen
  • Tumore
  • Fehlbildungen usw.

Oft haben Kinder einen Hydrocephalus. Eine schwierige Geburt mit Sauerstoffmangel kann oft zu dieser Symptomatik führen. Erste Symptome für einen Hydrocephalus sind: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Wesensänderungen oder epileptische Anfälle. Bei einem sich langsam entwickelnden Hydrocephalus sind die Betroffenen zunehmend müde, leiden unter Leistungsabfall, Gangunsicherheit, Hirnnervenausfällen und Bewusstseinsstörungen.

Die Diagnose des Hydrocephalus erfolgt mittels Computer- oder Kernspintomographie.

Hydrocephalus: Behandlungsmöglichkeiten

Bei einem bestimmten Ausmaß eines Hydrocephalus muss der Betroffene operiert werden. Dabei wird eine Abflussmöglichkeit für das überschüssige Nervenwasser gebildet und dies geschieht mit Hilfe eines Schlauchventilsystems (Shunt). Dieser besteht aus Kunststoff und zieht von der Gehirnkammer unter die Haut in die Bauchhöhle. Eine weitere Abflussmöglichkeit ist in den rechten Vorhof (ventrikulo - peritonealer Shunt bzw. ventrikulo - atrialer Shunt). Diese Shuntoperation wird von Neurochirurgen durchgeführt, die Shunts werden regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft. Durch die verfeinerte Technik der Shuntsysteme in den letzten Jahren konnten die Komplikationsraten erheblich gesenkt werden. Zu nennen sind hier Shuntinfektionen oder Mangelfunktionen wie Unter- oder Überdrainage. Bei Kindern ist das Funktionieren des Shunts oft problematisch, wenn die Kinder rasche Wachstumsschübe haben und der Shunt nicht „mitwächst“.

Eine Besonderheit des Hydrocephalus ist der sogenannte Normaldruckhydrocephalus. Hierbei handelt es sich um einen Aufstau in den Hirnkammern ohne erhöhten Druck durch eine Ausweitung der Hirnkammern. Dies ist wiederum Folge einer zunehmenden Atrophie des Gehirns. Typische Begleitsymptome dieses Hydrocephalus sind fortschreitende Gedächtnisstörungen, Gangunsicherheit und Harninkontinenz, meist bei Betroffenen in höherem Alter.

Hydrocephalus: Therapie in der Rehabilitation

Die Therapie in der Rehabilitation von Hydrocephalus – Patienten geschieht individuell und ganzheitlich. Im Vordergrund der neurologischen klinischen Symptome in der Rehabilitation stehen meist eine reduzierte Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, Einschränkungen des Merkens und des Gedächtnisses und gelegentlich auch Gangstörungen.

Eine sorgfältige neurologisch klinische Untersuchung und Erhebung der Krankengeschichte durch den Arzt in der Rehabilitation erfolgt daher am Anfang der Behandlung.

Falls eine erneute neuroradiologische Diagnostik mittels Computer- oder Kernspintomographie notwendig ist, kann diese selbstverständlich im Klinikverbund durchgeführt werden. Auch die konsiliarische Mitbetreuung der Hydrocephalus – Betroffenen durch einen kompetenten Neurochirurgen im Klinikverbund (Werner-Wicker-Klinik Bad Wildungen/Reinhardshausen) kann jederzeit erfolgen.

Die Physiotherapie behandelt sowohl die Gangstörung als auch die Kopfschmerzen des Hydrocephalus – Betroffenen. Dies kann in Einzel- und/oder Gruppentherapie erfolgen. Dabei werden die Kopfschmerzen in Zusammenarbeit mit den Psychologen und auch in der Ergotherapie behandelt. Methoden der Wahl sind hier: kraniosakrale Therapie, Akupressur, Kopfschwartenlockerung und das Erlernen und Anwenden von Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder Muskelrelaxaktion. Falls notwendig erfolgt in der Ergotherapie eine entsprechende Hilfsberatung der Hydrocephalus – Betroffenen, hier können die Angehörigen mit einbezogen werden.

Die Psychologen der Wicker Klinik Bad Wildungen führen dabei neuropsychologische Testdiagnostik mit standardisierter Testverfahren durch. Die fachgerechte Beurteilung der möglicherweise gestörten Funktionen im Bereich Gedächtnis und Merkfähigkeit sind oft entscheidend für die sozialmedizinische Beurteilung und Empfehlungen der Hydrocephalus – Betroffenen. Dies geschieht in Kooperation mit der Abteilung Sozialberatung. Bei Bedarf setzen sich diese Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber oder Ämtern am Heimatort in Verbindung. Auch werden die Angehörigen über Möglichkeiten der Wiedereingliederung und Förderung beraten.

Die Hydrocephalus – Betroffenen empfinden die passiven Therapien in der Abteilung Physikalische Therapie wie Massagen, verschiedene Bäder, verschiedene Schmerztherapietechniken wie Laser und Hochvolt als sehr entspannend und letztlich trägt diese Therapie in der Rehabilitation auch zur Besserung des Hydrocephalus – Patienten bei. Eine sorgfältige Information und Beurteilung des jeweiligen Shuntsystems ist für den Arzt in der Rehabilitation Voraussetzung für die Behandlung und ggf. berät er auch nochmals den Patienten und/oder seine Angehörigen ausführlich über das System.

Verfasser: Chefarzt Dr. Kirn