Meningitis: Einteilung

Die Meningitis (Hirnhautentzündung) kann grob eingeteilt werden in eine bakterielle und eine virale Meningitis. Zusätzlich gibt es noch andere seltene Erregerformen von Meningitis z.B. Tuberkulose oder Sarkoidose.

Die eitrige (bakterielle) Meningitis wird eingeteilt in:

Primäre bakterielle Meningitis ohne nachweisbaren Erregungsursprung und Sekundär bakterielle Meningitis als Komplikation einer Infektion in der Nachbarschaft, z.B. Mittelohrentzündung, Mandelentzündung oder weiter entfernt gelegene Erregungsursprünge (z.B. Lungenentzündung, Herzmuskelentzündung). Zu dieser Gruppe gehört auch die so genannte Inokulationsmeningitis, z.B. nach ärztlichen Eingriffen wie Lumbalpunktion, epiduraler Anästhesie etc..

Die häufigsten Erreger der bakteriellen Meningitis sind:

Pneumokokken, Meningokokken, Listerien, Staphylokokken und Hämophilus influenzae. Bei ca. 1/3 der eitrigen Meningitis ist kein Erregernachweis möglich.

Die häufigsten Erreger von einer viralen Meningitis sind Herpesviren, Röteln, subakutsklerosierende Panencephalitis (SSPE) oder auch Virusinfektionen bei chronischen Infektionen des zentralen Nervensystems wie z.B. bei HIV -positiven Patienten.

Meningitis: Symptome und Diagnostik

Beide Formen der Meningitis zeichnen sich aus durch Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Fieber, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung und auch gelegentlich epileptischen Anfällen. Dabei verläuft die bakterielle Meningitis klinisch oft dramatischer und schneller im Vergleich zur viralen Form. Wegweisend in der Diagnostik und letztlich auch wichtig zur diagnostischen Einteilung ist der Befund des Nervenwassers (Liquorbefund). Bei der bakteriellen Meningitis findet sich eine deutlich erhöhte Zellzahl über 3000 Drittel Zellen/m³ mit einer deutlichen Erhöhung der weißen Blutkörperchen (Granulozyten).

Dieser typische Befund besteht bei der viralen Meningitis nicht, hier zeigt sich oft lediglich eine Erhöhung der Lymphozyten im Nervenwasser in einer weitaus geringeren Zahl, gelegentlich ist das Nervenwasser nur grenzwertig verändert. Bei der viralen Meningitis ist der Nachweis des Erregers ebenfalls sehr viel schwerer und seltener möglich im Vergleich zur bakteriellen Meningitis, bei letzterer gelingt dies in 70-80% der Fälle. Bei knapp der Hälfte der Betroffenen mit bakterieller Meningitis sind die Blutkulturen positiv und oft finden sich auch Veränderungen in kranialen Computertomogramm mit Nachweis von Hirnschwellung, Durchblutungsstörung und beginnendem Aufstau der Nervenwasserräume (Hydrocephalus). Die Häufigkeit der aktuellen akuten Meningitis beträgt in Deutschland zwischen 5-10/100.000, wobei bei Kindern in den letzten Jahren ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen ist durch die Einführung der Impfung gegen den Erreger Hämophilus influenzae.

Welche Komplikationen können bei der bakteriellen Meningitis auftreten?

  • Hirnödem mit Hirndruck
  • Gefäßentzündungen
  • Thrombosen des Venensystems (Sinusthrombosen)
  • Aufstau des Nervenwassers in den Nervenwasserräumen (Hydrocephalus)

Zwischen 10 und 20% der Meningitis – Patienten haben laut Literatur Folgeschäden der Erkrankung. Diese können sein: Halbseitenlähmung oder Lähmungen aller vier Extremitäten, Sprachstörungen, Sehfeldeinschränkungen (Hemianopsie), epileptische Anfälle, Lähmungen einzelner oder mehrerer Hirnnerven, Hörstörungen und Gedächtnis- u. Merkfähigkeitsstörungen.

Meningitis: Therapeutische Maßnahmen

Durch die Einführung der Antibiotikatherapie in dem letzten Jahrzehnt konnte die Sterblichkeit der eitrigen Meningitis erheblich gesenkt werden. Vor der Verabreichung der Medikamente betrug die Sterbequote zwischen 95 und 100%, inzwischen liegt sie zwischen 5 und 30%, dies hängt auch von dem Erreger der Erkrankung ab.

Im Gegensatz zur bakteriellen Meningitis wirken Antibiotikamedikamente bei der viralen Meningitis nicht. Wichtigstes therapeutisches Prinzip bei dieser oft milderen Form der Meningitis ist daher die Vermeidung von Folgekomplikationen. Hier sind zu nennen: Überwachung der Atmung mit entsprechender Atemgymnastik, auch zur Vermeidung von Lungenentzündungen, Oberkörperhochlagerungen zur Erniedrigung des Hirndrucks, kontinuierliche Überwachung von Ausscheidung, Blutdruck, Blutzucker, Abschirmung des Patienten und Herstellen einer ruhigen Atmosphäre. Die Komplikationen und auch die Sterbequote (Letalität) ist bei der Virusmeningitis generell im Vergleich zur bakteriellen Meningitis niedriger, jedoch hängt auch dies von der Art des Erregers ab, z.B. breitet sich eine masernvirusbedingte Hirnhautentzündung oft auf das gesamte Hirn aus (parainfektiöse Encephalitis) und hat in diesem Fall eine Letalität von ca. 20%.

Grundsätzlich ist für die richtige Behandlung einer Meningitis und der Vermeidung von Folgeschäden eine frühzeitige und kompetente Diagnose wichtig. Bei jedem Patienten, der über Kopfschmerzen, Nackensteife, Fieber, Abgeschlagenheit usw. berichtet, sollte an diese Möglichkeit immer gedacht werden!

Was ist die Aufgabe der Rehabilitation zur Behandlung der Meningitis?

Meningitis – Patienten werden in der stationären Rehabilitation nach Abklingen des Akutereignisses aufgenommen. Dabei kann es sich sowohl um Zuweisungen aus dem Akutkrankenhaus im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung als auch um eine Rehabilitation nach Abklingen des Akutereignisses handeln. Die Rehabilitation bei Meningitis – Betroffenen richtet sich nach den jeweiligen Folgeschäden, die oben beschrieben sind.

Die Ärzte der Neurologischen Abteilung der Wicker Klinik Bad Wildungen erheben bei Meningitis – Patienten zunächst eine exakte Erhebung der Krankengeschichte und untersuchen den Meningitis – Patienten gezielt auf mögliche Komplikationen und Folgeschäden. Dies geschieht üblicherweise in Kooperation mit der Neuropsychologischen Abteilung. In dieser Abteilung werden die kognitiven Defizite nach einer Meningitis – Infektion wie z.B. Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses oder Merkfähigkeitsstörungen beurteilt.

Falls notwendig, können die erforderlichen diagnostischen Untersuchungen in der Wicker Klinik Bad Wildungen bzw. im Klinikverbund problemlos durchgeführt werden wie erneute Lumbalpunktion, Kernspin- oder Computertomographie, EEG, sämtliche neurophysiologische Untersuchungen, Laboruntersuchungen.

Die Physiotherapie behandelt die Meningitis – Betroffenen mit ihren Schädigungen des Bewegungsapparates, die sowohl motorisch als auch sensorisch sein können. Auch ist das Gleichgewicht und die Rumpfstabilität bei Meningitis – Patienten eingeschränkt, hier setzt ebenfalls die Physiotherapie mit verschiedenen Methoden an. Die Therapien finden dabei einzeln und/oder in Gruppen statt, bedarfsweise auch im Wasser. Zur Stabilisierung des Rumpfes und des Gleichgewichts wird dabei auch die Hippotherapie eingesetzt. Es besteht seitens der Wicker Klinik Bad Wildungen eine Kooperation mit einem Zentrum für therapeutisches Reiten in Bad Wildungen und hier werden die Patienten unter kompetenter Anleitung und Überwachung behandelt. Durch den dreidimensionalen Bewegungsablauf auf dem Pferd empfinden auch Meningitis – Patienten diese Therapie nicht nur als unterschiedlich, sondern auch als positiv und als eine äußerst sinnvolle Ergänzung zur klassischen Physiotherapie.

Übliche angewandte Therapieverfahren bei Meningitis – Patienten sind z.B. die Techniken nach Bobath, Voijta oder PNF.

Die Ergotherapie ist in erster Linie bei Meningitis – Patienten für Störungen der Arme und Hände und auch Hirnleitungstraining zuständig. Letzteres geschieht sowohl in Einzel- als auch in Gruppentherapie und in enger Absprache mit der Neuropsychologischen Abteilung. Bei Meningitis – Patienten bestehen als Folgeschäden der Erkrankung oft noch feinmotorische Defizite der Hände wie z.B. bei Auf- u. Zuknöpfen, Geldzählen, Schreiben etc. Hier werden gezielte Therapieverfahren eingesetzt und entsprechend mit den Meningitis – Betroffenen geübt. Die Rehabilitation der Ergotherapie bei Meningitis schließt ebenfalls das konkrete Üben von Alltagssituationen, z.B. in einer Übungsküche mit ein, ferner besteht die Möglichkeit das Führen eines Pkw’s, auch unter behindertengerechten Bedingungen zu üben. Die Ergotherapie führt hier ein gemeinsames Training in einer örtlichen Fahrschule und einem entsprechend behindertengerechten Pkw durch. Schließlich wird der Meningitis – Betroffene gezielt und individuell über Hilfsmittel eingesetzt, dies geschieht bei Bedarf auch gemeinsam mit den Angehörigen. Zu nennen sind hier einfache Hilfsmittel wie Badewannenlifter, Toilettenstuhlerhöhung bis hin zu aufwendigeren Hilfsmitteln wie Elektrorollstühle, Treppenlifter etc..

Da Meningitis – Betroffene oft Sprechstörungen haben, die sowohl zentrale Ursachen haben können als auch durch Hirnnervenlähmungen bedingt sein können, ist eine logopädische Behandlung in der Rehabilitation von Meningitis – Patienten sehr wichtig. Verschiedene Übungsmöglichkeiten und Therapieverfahren kommen hier zum Einsatz und richten sich nach der Art der Sprachstörung. Bei Hirnnervenlähmungen wie z.B. einer Fazialisparese wird dieses Training gemeinsam mit den Fachkollegen der Ergotherapie abgesprochen. Gezieltes Schlucktraining kann ebenfalls durchgeführt werden, bei Bedarf auch in der benachbarten Neurologischen Klinik Westend, die ebenfalls zur Wicker Unternehmensgruppe zählt, auch eine eingehende Untersuchung des Kehlkopfes mittels Spiegelung („Rhinolaryngoskopie“).

Die Meningitis – Patienten haben sehr oft eine äußerst anstrengende Krankengeschichte hinter sich, z.B. auch durch mehrwöchige Behandlungen auf einer Intensivstation. Der allgemeine klinische Zustand ist bei Aufnahme in die Rehabilitation oft reduziert und passive Maßnahmen in der Rehabilitation, die das Allgemeinbefinden der Meningitis – Betroffenen steigern, werden oft als sehr wohltuend erlebt. Zu nennen ist hier beispielsweise die Abteilung Physikalische Therapie mit ihren breiten Therapiespektrum wie klassische Massagen, Hydrojetmassagen, verschiedene Entspannungsbäder, Vierzellenbad, Elektrotherapie wie Laser und Hochvolt, Wassertreten usw..

Oft handelt es sich bei dem Ausbruch einer Meningitis um ein plötzliches und unvorhergesehenes Ereignis, welches nicht nur den Meningitis - Betroffenen, sondern auch die Familie und das Umfeld völlig unvorbereitet trifft. Eine psychologische Unterstützung und Beratung ist daher oft für die Betroffenen und die Angehörigen indiziert und dient der adäquaten Krankheitsverarbeitung.

Aufgabe des Therapieteams in der Rehabilitation von Meningitis – Betroffenen ist nicht nur der ganzheitliche Therapieansatz und der kontinuierliche Austausch unter den Behandlern, sondern auch gezielte Empfehlungen für die Weiterbehandlung am Heimatort und eine kompetente sozialmedizinische Einschätzung. Diese ist oft für die Meningitis – Patienten sehr wichtig und kann in verschiedener Form wie stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell), innerbetriebliche Umsetzung oder Teilberentung erfolgen. Die Sozialberaterinnen der Wicker Klinik Bad Wildungen nehmen während der Rehabilitation bei Bedarf Kontakt mit dem Arbeitgeber, Kostenträgern oder sonstigen verantwortlichen Stellen auf und beraten dezidiert und gezielt den Patienten in Absprache mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten des Patienten. Neben dem ganzheitlichen Ansatz in der Rehabilitation ist das individuelle Eingehen auf das Krankheitsbild Meningitis äußerst wichtig. Jeder Meningitis – Patient hat ein individuelles Krankheitsbild, welches von sehr leichten Schädigungen bis hin zu schwersten neurologischen Ausfällen mit deutlichen Einschränkungen der Selbständigkeit reichen kann.

Verfasser: Chefarzt Dr. Kirn