Migräne: Beschreibung

Die Migräne ist eine häufige Erkrankung, ca. 6 % der Männer und 12 % der Frauen in Deutschland leiden unter ein- oder mehrmaligen Migräne -Attacken . Es handelt sich dabei um heftige, häufig einseitig pochende Kopfschmerzen, die bei körperlicher Betätigung an Intensität zunehmen. Die Migräne -Attacken sind fast immer begleitet von Appetitlosigkeit, oft Übelkeit und Erbrechen, auch Lichtscheue, Lärmempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegen bestimmte Gerüche gehören dazu.

Wenn die Migräne einseitig ist, kann sie innerhalb einer Attacke die Seite wechseln und häufig beginnt die Migräne im Nacken. Die Dauer der Migräne -Attacken liegt zwischen 4 und 72 Stunden, oft sind auch Kinder von Migräne betroffen. Manchmal treten vor der Migräne gewisse Reiz- und Ausfallerscheinungen auf, die als sogenannte Aura der Migräne bezeichnet werden. Hierbei kann es sich um Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen, Sprech- oder Sprachstörungen handeln. Typisch für diese Aura der Migräne ist, dass sich dies innerhalb von 10 bis 20 Minuten entwickelt und sich dann langsam wieder zurückbildet. Im natürlichen Verlauf nimmt die Häufigkeit und Schwere von Migräne nach dem 55. Lebensjahr langsam ab. Dies trifft besonders auf Frauen zu, die in den Wechseljahren oft weniger Migräne haben.

Bei schwangeren Frauen kommt es meist gegen Ende des 3. Schwangerschaftsmonats zu einer Abnahme der Intensität der Migräne. Migräne wird auch oft mit beeinflusst durch Umweltfaktoren wie Lärm, Aufenthalt in großer Höhe oder stark mit Nikotin belastete Räume. Psychologische Faktoren wie Erwartungsangst, Stress und Entlastungsreaktionen, Prüfungsängste etc. können auch Migräne auslösen. Bestimmte Genussmittel wie Rotwein, auch gelegentlich bestimmte Käsesorten und Schokolade können ebenfalls eine Migräne mit auslösen.

Insgesamt gibt es heute mehr als 160 unterschiedliche Kopfschmerzformen. Die wichtigsten und häufigsten davon sind neben der Migräne der Cluster-Kopfschmerz, der Spannungskopfschmerz und der Medikamentenkopfschmerz. Wichtig ist für den Arzt, auch in der Rehabilitation, diese Symptome gegenüber der Migräne abzugrenzen und richtig zu erkennen. Auch können andere Erkrankungen eine Migräne auslösen wie z.B. zu hoher Blutdruck, Blutarmut oder eine Fehlfunktion der Schilddrüse.

Migräne: Diagnostik

Die Diagnostik einer Migräne erfolgt klinisch. Dabei ist es ratsam anhand einer Checkliste Migräne vorzugehen. Diese Migräne -Checkliste wurde vor einigen Jahren von der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS = International Headace Society) formuliert. Im Einzelnen umfasst die Checkliste folgende Punkte:

  • Der Patient hat schon mindestens 5 Attacken erlebt.
  • Die Kopfschmerzattacken dauerten zwischen 4 und 72 Stunden.
  • Die Kopfschmerzen weisen mindestens zwei der folgenden Symptome auf: Einseitigkeit, Pulsieren, verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, Licht- und/oder
  • Lärmüberempfindlichkeit, mittelschwere bzw. schwere Schmerzen, die sich bei körperlicher Anstrengung verstärken.

Zur Erstdiagnostik der Migräne gehört auch ein Computertomogramm zum Ausschluss anderer Ursachen für die Migräne.

Migräne: Therapie

Die Therapie der Migräne erfolgt durch Medikamente und Rehabilitation. Dabei reicht die medikamentöse Bandbreite der Migräne in der Rehabilitation von gängigen Schmerzmitteln wie Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen oder Metamizol (Novalgin®) bis hin zu neuen und teils recht teuren sogenannten Serotonin-Agonisten („Triptane“). Triptane sind z.B. Almotriptan (Almogran®), Naratriptan (Naramig®), Rizatriptan (Maxalt®) oder Sumatriptan (Imigran®). Auch können in der Therapie von Migräne-Patienten sogenannte Mutterkornalkaloide (z.B. Dihydergot®, Ergo-sanol® oder Migrexa®) eingesetzt werden. Bei Patienten mit häufiger Migräne sollte eine sogenannte Prophylaxe (Vorbeugung) begonnen werden.

Diese Medikamente sind jedoch nur ein Teil der Migräne -Therapie und oft haben die Migräne – Betroffenen auch bereits jahrelang Medikamenteneinnahme hinter sich und zusätzliche Methoden der Migräne -Behandlung. Dabei kann eine stationäre Rehabilitation mit einem gezielten Therapiesetting und der Ausschaltung von den belastenden Faktoren im Alltag bei Migräne – Patienten durchaus sehr hilfreich sein und auch langfristig eine Besserung bringen. Eine ganzheitliche Betrachtung der Migränepatienten in der Rehabilitation ist sehr wichtig. Besonders bei der Migräne zeigt sich, das Körper, Geist, Gemüt und Seele eine Einheit bilden und daher sollte das Therapiekonzept der Migräne während der Rehabilitation nicht nur isoliert den Kopf betrachten, sondern den Menschen als Ganzes.

Migräne: Therapieangebote in der Rehabilitation

Dabei richtet sich die Therapie während der Rehabilitation in der Wicker-Klinik Bad Wildungen nach den Therapierichtlinien der Deutschen Migräne - und Kopfschmerzgesellschaft und setzt auf mehreren Ebenen an. Zunächst einmal werden bei Migräne – Patienten die Medikamente überprüft und evtl. verändert. Hierbei ist bei langjährigen Migräne – Patienten die Vermittlung neuer und nicht medikamentöser Strategien wichtig. Die häufige jahrelange und manchmal auch unkritische Einnahme von Schmerzmitteln führt zu zusätzlichen Kopfschmerzen, dem sogenannten Medikamenten-induzierten Dauerkopfschmerzen.

Die Ärzte und die Psychologen der Wicker-Klinik spielen dabei eine wichtige Rolle in der Beratung der Migräne – Patienten, der Vermittlung von Stressbewältigungsstrategien, Umgang mit den Schmerzen und Erlernen von Entspannungstechniken. Als besonders wirksam in der Rehabilitation bei Migräne – Patienten haben sich dabei Autogenes Training, Biofeedback und progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen erwiesen.

Migräne – Patienten leiden auch oft als Folge der Migräne -Attacken unter Muskelverhärtungen oder –verkürzungen. Hier setzt die Abteilung Physiotherapie an mit einem individuellen Therapieplan. Weitere wichtige Bausteine der Physiotherapie bei Migräne – Patienten sind: Craniosacrale Therapie, Kopfschwartenlockerung und das Erlernen der Alexandertechnik.

In der Ergotherapie können gezielte Übungen für die Entspannung der oberen Extremitäten und des Gesichts durchgeführt werden. Bei Bedarf werden hier gezielte Hilfsmittel beraten oder auch Hilfestellung für z.B. richtiges bzw. entspannteres Sitzen am Arbeitsplatz gegeben. Migräne – Betroffene haben auch oft Schluck- und Atembeschwerden. Diese werden in der Logopädie der Klinik bei Bedarf bearbeitet.

Eine wichtige Abteilung in der Rehabilitation von Migräne ist die Abteilung Physikalische Therapie. Als sehr wirksam in der Behandlung von Migräne – Patienten haben sich dabei Massagen der Schulter-Nackenregion, ansteigende Armbäder, gezielte Wirbelsäulenmassagen, Fußreflexzonenmassagen und Schmerztherapie mittels Elektrotherapie wie TENS, Laser und Hochvolt erwiesen.

Auch Entspannungsbäder und Unterwassermassagen ergänzen das Therapieangebot für Migräne – Betroffene. Aerobe-Ausdauersportarten wie Jogging oder Nordic-Walking haben einen wissenschaftlichen Nachweis in der Migränebehandlung. Daher wird eine morgendliche Sportgruppe von den Physiotherapeuten hierzu angeboten. In der Rehabilitation ist für Patienten mit Migräne auch eine Überprüfung der Ernährungsgewohnheiten sehr wichtig, dies geschieht hier mit Hilfe einer kompetenten Diätassistentin. Besonders der Genuss von Fett, Süßigkeiten und Zitrusfrüchten, Kaffee, Alkohol und Nikotin wird dabei kritisch beurteilt und es werden den Migräne - Betroffenen auch Möglichkeiten der Reduktion und Änderungen angeboten.

Grundsätzlich ist bei der stationären Rehabilitation von Migräne - Patienten ein individuelles Therapieprogramm wichtig, was auch eine genaue Erhebung der Erkrankung und Beschreibung der Symptome einbezieht.

Gelegentlich wird die Migräne mit anderen Kopfschmerzformen verwechselt bzw. nicht exakt diagnostiziert und dies erklärt manche therapeutische Fehlversuche. Auch reagieren Migräne – Patienten oft sehr individuell unterschiedlich auf verschiedene nichtmedikamentöse Therapieformen. Grundsätzlich ist auch in der Therapie und Beratung von Migräne – Betroffenen in der Rehabilitation wichtig, dass nicht nur eine Linderung der Beschwerden während der Rehabilitation erreicht wird, sondern auch den Migräne – Betroffenen Strategien für den Umgang mit der Migräne für Zuhause mitgegeben und von den Betroffenen erlernt werden. In der Rehabilitation zählt dabei auch die oben beschriebene Vorbeugung der Migräne eine entscheidende Rolle. Oft sind die Migräne - Betroffenen hierüber nicht ausreichend informiert und die Zeit und Ruhe in der Rehabilitation kann hierzu sehr hilfreich sein.

Zunächst zählt zur nichtmedikamentösen Vorbeugung die Vermeidung von auslösenden Reizen. Die Therapeuten und der Arzt in der Rehabilitation kann dabei dem Patienten einen besseren Umgang mit den Reizen ermöglichen um den Umgang zu erreichen. Dies kann auch mit Hilfe der Psychologischen Abteilung in Form von verhaltenstherapeutischen Ansätzen geschehen.

Eine ausführliche ärztliche Information und Beratung für Migränepatienten über entsprechende Medikamente zur Vorbeugung sollte ebenfalls in der Rehabilitation erfolgen. Die heute üblichen Präparate zur Vorbeugung sind z.B.:

  • Beta-Blocker, wie z.B. Metoprolol (Beloc-Zok®, Dociton®)
  • Flunarizin (Sibelium®)
  • Valproinsäure (Ergenyl®, Valproat®)

Während der Rehabilitation von Migräne - Patienten stehen in der Klinik bzw. im Verbund der Klinik folgende diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung: EEG, Computertomographie, Kernspintomographie, Langzeit-EEG, SPECT, Dopplersonographie der hirnzuführenden Gefäße mit Duplex-Sonographie, Messung der evozierten Potentiale, visuell und akustisch evozierte Potentiale, EMG und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.

Verfasser: Chefarzt Dr. Kirn