Multiple Sklerose: Beschreibung

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Entzündung des Zentralnervensystems. Die ersten Symptome der Erkrankung wurden vor über 160 Jahren von Charcot beschrieben. Es handelt sich bei der Erkrankung Multiple Sklerose (MS) um begrenzte Entzündungsherde des zentralen Nervensystems mit besonderer Bevorzugung der Sehnerven, des Hirnstamms, des Rückenmarks, des Kleinhirns und der so genannten weißen Substanz des Gehirns.

Seit vielen Jahren wird über die Ursache der Multiplen Sklerose (MS) diskutiert. Nachdem viele Theorien in den letzten Jahren sich als nicht zutreffend erwiesen haben - z.B. Bakterien oder Viren als Ursache für Multiple Sklerose (MS) - ist durch die heutigen modernen technischen und apparativen Methoden der Diagnostik klar, dass die Multiple Sklerose (MS) eine so genannte Autoimmunkrankheit darstellt. Dies bedeutet, dass bestimmte Zellen des Blutsystems, die zuständig für die Immunabwehr sind, sich gegen die „Schutzschicht“ (Myelin) des Zentralnervensystems (ZNS) richten und einen Entzündungsprozess in Gang setzen. Der ganze Ablauf scheint hoch kompliziert zu sein und bisher gibt es auch keine Beweise, warum die Multiple Sklerosen (MS) bei einem Betroffenen schwerer verläuft und bei einem weiteren Betroffenen mit der Diagnose Multiple Sklerose (MS) leichter. Die Multiple Sklerose (MS) hat ein pathologisches Kennzeichen: die Entmarkung im zentralen Nervensystem. Diese Entmarkung hinterlässt eine Narbe, oft an mehreren Stellen im ZNS (Zentralnervensystem) und daher rührt auch der Name der Erkrankung.

Die Erstsymptome treten meistens zwischen 20 und 40 Jahren auf. Grundsätzlich tritt die Multiple Sklerose (MS) häufiger bei Frauen auf. Das Verhältnis im Vergleich zu Männern beträgt etwa 2:1.

Die Multiple Sklerose (MS) hat seit vielen Jahren eine merkwürdige weltweite Verteilungshäufigkeit. Nach Schätzungen der WHO dürften etwa 2,5 Millionen Menschen weltweit von der Erkrankung betroffen sein, ein hohes Erkrankungsrisiko haben Bewohner von Europa, Nordamerika und Australien. Die höchsten Raten für Multiple Sklerose (MS) innerhalb Europas finden sich in Skandinavien und Großbritannien. Niedrige Erkrankungsraten haben dagegen Länder wie Japan, China, Zentralafrika und Südamerika. Wenn man diese weltweite Verteilung exakt analysiert, fällt auf, dass die Multiple Sklerose (MS) einem Breitengrad folgt, bei dem sie in Äquatornähe seltener auftritt und in Richtung der Pole zunimmt. Diese auffallende geographische Verteilung lässt den Schluss zu, dass die Multiple Sklerose (MS) häufiger in den Gebieten auftritt, die ein gemäßigtes Klima haben und wirtschaftlich gut entwickelt sind. Somit ist in den letzten Jahren offensichtlicher geworden, dass der Umweltfaktor auch bei der Entstehung für die Multiple Sklerose (MS) eine Rolle spielen muss. Weitere Untersuchungen werden hier noch stattfinden und vielleicht auch zur Frage der Entstehung der Erkrankung beitragen.

In Deutschland gibt es eine ungefähre Anzahl von 130.000 Multiple Sklerose (MS) -Patienten, die unterschiedliche Schweregrade der Erkrankung haben. Eine Erblichkeit für die Multiple Sklerose (MS) ist nicht nachgewiesen, sie kommt jedoch in einzelnen Familien gehäuft vor.

Welche Symptome finden sich nun für die Multiple Sklerose (MS)?

Die Multiple Sklerose (MS) beginnt oft mit Missempfindungen und Schmerzen an den Händen und Füßen, oft verbunden mit einem unangenehmen Kribbelgefühl. Die Betroffenen haben Störungen der Koordination und des Gleichgewichts, oft treten auch Sehstörungen oder Blasenstörungen dazu.

Typisch sind im Anfangsstadium der Erkrankung auch rasche Ermüdbarkeit, Schwere und Spannungsgefühl in den Beinen sowie Stolpern über kleine Hindernisse. Das Gangbild ist oft verändert, Treppensteigen ist z.B. für Betroffene schwierig. Ungeschicklichkeit der Hände beim Knöpfen oder beim Schreiben fällt ebenfalls auf. Die Multiple Sklerose (MS) -Betroffenen haben oft Sensibilitätsstörungen, d.h. Kribbelgefühle, Störungen der Hitze- oder Kälteempfindung. Diese finden sich meist an den Beinen. Schmerzen haben nur ca. 1/5 der Patienten, diese allerdings oft sehr stark. Es handelt sich dabei um so genannte Neuralgien, die oft die Behandlung mit sehr starken Schmerzmitteln erforderlich machen. Die Multiple Sklerose (MS) kann noch mit folgenden Symptomen einhergehen:

Hörstörungen, Sehstörungen, Störungen der Blase und des Stuhlgangs sowie auch Beeinträchtigungen der Potenz. Die Multiple Sklerose (MS) wird von uns Neurologen in zwei Verlaufsformen unterschieden : den schubförmigen und den chronischen Verlauf. Beim schubförmigen Verlauf handelt es sich um Schübe mit kompletter Rückbildung, die zwischen 14 und 35 Tagen verlaufen. Diese Schübe werden mit Cortison behandelt. Bei dem chronischen Verlauf handelt es sich um eine langsame Zunahme der Symptome mit geringfügiger Rückbildung.

Die Multiple Sklerose (MS) wird mittels einer Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion), Kernspintomographie des Schädels und Untersuchung der so genannten visuell evozierten Potentiale diagnostiziert. Gelegentlich ist die Diagnose auch für erfahrene Neurologen schwierig und bei einigen Betroffenen muss der weitere Krankheitsverlauf in den nächsten Jahren dazu abgewartet werden.

In der Neurologischen Abteilung der Wicker Klinik Bad Wildungen werden alle Formen und Stadien der Erkrankung behandelt. Lediglich schwerst pflegebedürftige Patienten, die vollständig auf fremde Hilfe angewiesen sind, können hier nicht behandelt werden, dies ist jedoch nur ein geringer Teil der Betroffenen.

Die Multiple Sklerose (MS) wird in der Wicker Klinik Bad Wildungen folgendermaßen behandelt:

Zunächst wird ein exakter neurologischer Befund erstellt und die Fähigkeit des Patienten im Bereich der alltäglichen Verrichtungen („ADL“) werden beurteilt. Evtl. werden Hilfsmittel wie Blasenkatheter, Gehhilfen etc. überprüft. Die Medikamente werden nach entsprechender Überprüfung geordnet, die Essenskost wird festgelegt. Danach wird ein individueller Therapieplan für die Multiple Sklerose (MS) -Patienten besprochen.

Die Physiotherapie behandelt die Multiple Sklerose (MS) -Patienten in Einzeltherapie, begleitend in Gruppentherapie.

Unterschiedliche Behandlungskonzepte haben sich bisher in der Klinik sehr bewehrt, z.B. Bobath-Therapie, PNF-Konzept, Vojta-Therapie, Cranio-Sacrale-Therapie und Akupressur. Schwerpunkte der Physiotherapie für Multiple Sklerose (MS) -Betroffene sind: Muskeltonus, Spastik, physiologische Bewegungsabläufe, Rumpfmobilität und Rumpfstabilität, Kraft und Kraftausdauer, Gleichgewicht, Koordination u.a.. Dabei ist das oberste Gebot die Haltung bzw. Verbesserung. Sitzen und Stehen wird geübt, falls erforderlich werden Begleitpersonen bzw. Angehörige zur Hilfestellung angeleitet. Auch die Hilfsmittelversorgung gehört zur Physiotherapie, z.B. mit Rollator, Unterschenkelschienen oder -stützen.

Ein weiteres sehr wichtiges Therapieangebot für die Multiple Sklerose (MS) -Patienten ist die Hippotherapie. Das Behandeln auf einem Pferd ist insbesondere für Betroffene mit Spastik in den Beinen und Schwierigkeiten des Gleichgewichts von großer Bedeutung und findet regen Anklang. Diese Therapie findet hier in Bad Wildungen in einer örtlichen Reithalle statt unter Anleitung einer ausgebildeten Hippotherapeutin, die auch gleichzeitig Physiotherapeutin in unserer Klinik ist.

In der Abteilung Ergotherapie werden die Bereiche Feinmotorik, Sensibilität, Spastik und Koordination behandelt. Auch führen die Ergotherapeuten Hirnleistungstraining durch, bei Bedarf auch EDV-unterstützt. Alltägliche Verrichtungen wie z.B. An- u. Ausziehen, Waschen, Duschen o.ä. werden im Übungsbad oder im Patientenzimmer geübt. Auch in der Ergotherapie findet eine Hilfsmittelkontrolle bzw. -beratung statt. Dazu zählen z.B. die Auswahl von Rollstuhl, Sitz- u. Stehhilfen, Schreibhilfen etc..

In der Logopädie wird mit den Patienten mit Diagnose Multiple Sklerose (MS) das Sprechen und Schlucken geübt, was bei einem Teil der Multiple Sklerose (MS) -Erkrankten gestört ist. Außerdem hat die Klinik eine Physikalische Therapie. In dieser Abteilung werden Multiple Sklerose (MS) -Patienten behandelt mit verschiedenen Bädern wie Hauffsche Armbäder oder Stangerbäder, ferner Massagen, Elektrotherapie und Muskelstimulation mit Spasmotron. Auch wird in dieser Abteilung mit Lymphdrainage bei Bedarf gearbeitet.

Ein wichtiger Baustein der Rehabilitationstherapie ist auch die Sozialberatung, in der die Multiple Sklerose (MS) -Patienten hinsichtlich ihrer weiteren beruflichen Leistungsfähigkeit in Zusammenarbeit mit dem Arzt beraten werden, bei Bedarf werden auch Kontakte mit den betriebsärztlichen Dienst oder Vertrauensperson für die Schwerbehinderten aufgenommen.

Die Psychologen der Wicker Klinik behandeln die Multiple Sklerose (MS) -Patienten zum Teil psychotherapeutisch, z.B. bei partnerschaftlichen Konflikten oder depressiven Verstimmungen. Zudem werden die Patienten auch in Absprache mit den Ärzten neuropsychologisch untersucht mit anerkannten Testverfahren, hier wird das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit beurteilt.

Für die Multiple Sklerose (MS) -Patienten wird in der Wicker Klinik ein spezieller Gesprächskreis angeboten, dieser wird geleitet von einem Dipl. Psychologen und einem Facharzt für Neurologie und findet wöchentlich statt. Themen sind z.B. allgemeines Umgehen mit der Erkrankung Multiple Sklerose (MS), Erfahrungsaustausch unter den Betroffenen oder auch gezielte medikamentöse Beratung.

Das Rehabilitationsergebnis wird im medizinischen Entlassungsbrief dokumentiert, in dieser Dokumentation fliesen alle Rückmeldungen der Therapeuten ein. Mit dem Patienten selbst wird das Ergebnis ausführlich besprochen. Empfehlungen zur weiteren Therapie wie Medikamente, Hilfsmittel etc. werden ebenfalls besprochen. Die ausführliche sozialmedizinische Stellungnahme beurteilt die weitere berufliche Leistungsfähigkeit und derzeitige mögliche Einschränkungen. Falls notwendig, wird der pflegerische Aufwand exakt beschrieben und beurteilt.

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine sehr häufige Diagnose in der Neurologischen Abteilung der Wicker Klinik. Wir behandelten in unserer Abteilung im Jahr 2002 durchschnittlich 110 Patienten, von denen ca. 1/3 die Diagnose Multiple Sklerose (MS) hatten. Daher steht sowohl bei den Ärzten als auch bei den Therapeuten eine große Kompetenz in der Beurteilung und Behandlung dieser Erkrankung.

Verfasser: Chefarzt Dr. Kirn