Spannungskopfschmerz: Beschreibung

Als Spannungskopfschmerz wird ein Kopfschmerz von dumpf drückendem Charakter bezeichnet, der Kopfschmerz ist meist an der Stirn oder im Hinterhaupt lokalisiert. Die Betroffenen beschreiben den Spannungskopfschmerz als ein „Band, das um den Kopf geschnürt ist“, gleichzeitig haben sie das Gefühl der Benommenheit. Vegetative Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtscheu, wie sie sich oft bei Migräne finden, fehlen meist beim Spannungskopfschmerz. Der Spannungskopfschmerz tritt zu jeder Tageszeit auf und zeigt sich sowohl in Ruhe als auch unter körperlicher Belastung.

Die Fachgesellschaften unterscheiden den Spannungskopfschmerz in episodischen und chronischen Spannungskopfschmerz. Diese Abgrenzung richtet sich in erster Linie nach der Häufigkeit des Auftretens: Bei Spannungskopfschmerz häufiger als 15 x im Monat bzw. über 180 Tagen im Jahr wird vom chronischen Spannungskopfschmerz gesprochen. Ansonsten handelt es sich um episodischen Spannungskopfschmerz.

Von allen Kopfschmerzarten ist der Spannungskopfschmerz am häufigsten. Das häufigste Alter für die Erstsymptomatik ist 25 bis 30 Jahre, Frauen sind etwas häufiger betroffen. Nach den Kriterien der International Headache Society von 1988 müssen folgende Kriterien für die Diagnose von Spannungskopfschmerz erfüllt sein:

  • Dauer der Kopfschmerzen 30 Minuten bis 7 Tage
  • Drückende und subjektiv unangenehme Schmerzqualität
  • Keine Verstärkung durch körperliche Aktivität
  • Keine Übelkeit, kein Erbrechen
  • Typische internistische oder andere Erkrankungen sind ausgeschlossen
  • An beiden Seiten des Kopfes lokalisiert

Dem Arzt und dem behandelnden Therapeuten in der stationären Rehabilitation sind nicht nur das Krankheitsbild des Spannungskopfschmerz, sondern auch die Erkrankungen bekannt, die ebenfalls eine solche Symptomatik hervorrufen können. Zu nennen sind hier z.B. Stirnhöhlenentzündungen, Bluthochdruckkrisen, Entzündungen der Schläfenarterien, Hirnhautentzündungen, Hirnblutungen, Erstsymptome eines Hirntumors, alkoholbedingter Kopfschmerz, Kopfschmerz bei Grippe, Kopfschmerz nach einem leichten Schädelhirntrauma. Die klinische Symptomatik und der Verlauf sind beim Spannungskopfschmerz sehr unterschiedlich und es gibt letztlich keine einheitliche Beschreibungsweise. Typischerweise beginnt der Spannungskopfschmerz im frühen Erwachsenenalter, gelegentlich sogar in der Kindheit und nimmt in den folgenden Jahren langsam an Intensität zu. Zwischen der dritten und vierten Lebensdekade erreicht der Spannungskopfschmerz oft seinen Höhepunkt und führt in dieser Phase oft zu einer unkontrollierten Einnahme von Schmerzmitteln, die bei ungünstigem Verlauf und bei unkritischer Einnahme dann wiederum zu einer Verstärkung des Spannungskopfschmerz führen.

Spannungskopfschmerz: medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie des Spannungskopfschmerz ist schwierig und von allen Kopfschmerzarten wie z.B. Migräne oder Cluster Headache am unbefriedigensten. Dies liegt auch an den bisher weiter unzureichenden Informationen über die Ursache des Spannungskopfschmerz und der oft auch ungenauen Beschreibung bzw. Vermischung dieses Krankheitsbildes mit anderen Erkrankungen, wie z.B. psychogener Kopfschmerz oder ausstrahlende Schmerzen der Halswirbelsäule.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass in der Akutbehandlung des episodischen Spannungskopfschmerz sich nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen in einer Dosierung von 400 bis 800 mg bewährt haben, auch Paracetamol 500 – 1000 mg wirken bei Spannungskopfschmerz recht gut.

Klassische Migränemittel wie die Triptane (Beispiel Sumatriptan, Handelsname: Imigran) wirken beim Spannungskopfschmerz nicht. Medikamentöses Mittel der ersten Wahl bei Spannungskopfschmerz sind trizyklische Antidepressiva, wie z.B. Amitriptyllin (Handelname : Saroten). Dabei werden meist Dosierungen gewählt, die unterhalb der Therapiedosierung von Depressionen liegen. Zu beachten bei dieser Substanzgruppe sind die typischen Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Kreislaufstörungen, auch Müdigkeit und Schlafstörungen können auftreten. Bei Veränderung der Dosis bzw. Ersteinstellung sollte eine EKG-Kontrolle erfolgen.

Da das medikamentöse Ansprechen bei Patienten mit chronischem Spannungskopfschmerz oft sehr unbefriedigend ist und gleichzeitig diese klinischen Symptome einen sehr deutlichen Einfluss auf das Privat- und Arbeitsleben der Betroffenen haben, sind nichtmedikamentöse Therapieverfahren sehr wichtig. Häufig handelt es sich um junge Betroffene im berufstätigen Alter. Daher ist eine stationäre Rehabilitation bei chronischem Spannungskopfschmerz anzuraten, die ein interdisziplinäres Therapieangebot von Physiotherapie, Ergotherapie, Physikalische Therapie, Sozialberatung und evtl. Logopädie anbietet. Oft ist diese nicht nur für den Betroffenen entlastend und hilfreich, sondern auch aus gesundheitsökonomischer Sicht indiziert.

Spannungskopfschmerz: ganzheitliche Betrachtung der Betroffenen in der Rehabilitation

Eine ganzheitliche Betrachtung der Betroffenen mit Spannungskopfschmerz in der Rehabilitation ist sehr wichtig. Besonders beim Spannungskopfschmerz zeigt sich, dass Körper, Geist, Gemüt und Seele eine Einheit bilden und daher sollte das Therapiekonzept während der Rehabilitation nicht nur isoliert den Kopf betrachten, sondern den Menschen als Ganzes.

Dabei richtet sich die Therapie während der Rehabilitation in der Wicker-Klinik Bad Wildungen nach den Therapierichtlinien der Deutschen Migräne - und Kopfschmerzgesellschaft und setzt auf mehreren Ebenen an. Zunächst einmal werden bei Patienten mit Spannungskopfschmerz die Medikamente überprüft und evtl. verändert. Hierbei ist bei langjährigem Spannungskopfschmerz die Vermittlung neuer und nicht medikamentöser Strategien wichtig. Die häufige jahrelange und manchmal auch unkritische Einnahme von Schmerzmitteln führt zu zusätzlichen Kopfschmerzen, den so genannten Medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzen. Medikamentös wird in der Rehabilitation bei leicht bis mittelgradigen Kopfschmerzen 1000 mg Acetylsalicylsäure als Brause oder Kautablette verabreicht, alternativ dazu auch Paracetamol 500 mg.

Die Ärzte und die Psychologen der Wicker-Klinik spielen dabei eine wichtige Rolle in der Beratung der Patienten, der Vermittlung von Stressbewältigungsstrategien, Umgang mit den Schmerzen und Erlernen von Entspannungstechniken. Als besonders wirksam in der Rehabilitation bei Spannungskopfschmerz haben sich dabei Autogenes Training, Biofeedback und progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen erwiesen.

Patienten mit Spannungskopfschmerz leiden auch oft an Muskelverhärtungen oder –verkürzungen. Hier setzt die Abteilung Physiotherapie an mit einem individuellen Therapieplan. Weitere wichtige Bausteine der Physiotherapie sind: Craniosacrale Therapie, Kopfschwartenlockerung und das Erlernen der Alexandertechnik.

In der Ergotherapie können gezielte Übungen für die Entspannung der oberen Extremitäten und des Gesichts durchgeführt werden. Bei Bedarf werden hier gezielte Hilfsmittel beraten oder auch Hilfestellung für z.B. richtiges bzw. entspannteres Sitzen am Arbeitsplatz gegeben. Betroffene mit Spannungskopfschmerz haben auch oft Schluck- und Atembeschwerden. Diese werden in der Logopädie der Klinik bei Bedarf bearbeitet.

Eine wichtige Abteilung in der Rehabilitation von Spannungskopfschmerz ist die Abteilung Physikalische Therapie. Als sehr wirksam in der Behandlung haben sich dabei Massagen der Schulter-Nackenregion, ansteigende Armbäder, gezielte Wirbelsäulenmassagen, Fußreflexzonenmassagen und Schmerztherapie mittels Elektrotherapie wie TENS, Laser und Hochvolt erwiesen.

Auch Entspannungsbäder und Unterwassermassagen ergänzen das Therapieangebot für Betroffene mit Spannungskopfschmerz. Aerobe-Ausdauersportarten wie Jogging haben einen wissenschaftlichen Nachweis in der Behandlung. Daher wird eine morgendliche Sportgruppe von den Physiotherapeuten angeboten.

In der Rehabilitation ist für Patienten mit Spannungskopfschmerz auch eine Überprüfung der Ernährungsgewohnheiten sehr wichtig, dies geschieht hier mit Hilfe einer kompetenten Ernährungsberaterin. Insbesondere der Genuss von Fett, Süßigkeiten und Zitrusfrüchten, Kaffee, Alkohol und Nikotin wird dabei kritisch beurteilt und es werden den Betroffenen mit Spannungskopfschmerz auch Möglichkeiten der Reduktion und Änderungen angeboten.

Grundsätzlich ist bei der stationären Rehabilitation ein individuelles Therapieprogramm wichtig, was auch eine genaue Erhebung der Erkrankung und Beschreibung der Symptome einbezieht.

Gelegentlich wird der Spannungskopfschmerz mit anderen Kopfschmerzformen verwechselt bzw. nicht exakt diagnostiziert und dies erklärt manche therapeutische Fehlversuche. Auch reagieren Patienten mit Spannungskopfschmerz individuell unterschiedlich auf verschiedene nichtmedikamentöse Therapieformen.

Grundsätzlich ist auch in der Therapie und Beratung in der Rehabilitation wichtig, dass nicht nur eine Linderung der Beschwerden während der Rehabilitation erreicht wird, sondern auch den Betroffenen Strategien für den Umgang mit dem Spannungskopfschmerz für Zuhause mitgegeben und von den Betroffenen erlernt werden. In der Rehabilitation zählt dabei auch die oben beschriebene Vorbeugung eine entscheidende Rolle. Oft sind die Betroffenen mit Spannungskopfschmerz hierüber nicht ausreichend informiert und die Zeit und Ruhe in der Rehabilitation kann hierzu sehr hilfreich sein.

Zunächst zählt zur nichtmedikamentösen Vorbeugung die Vermeidung von auslösenden Reizen. Die Therapeuten und der Arzt in der Rehabilitation kann dabei dem Patienten einen besseren Umgang mit den Reizen ermöglichen. Dies kann auch mit Hilfe der Psychologischen Abteilung in Form von verhaltenstherapeutischen Ansätzen geschehen. Eine ausführliche ärztliche Information und Beratung für Patienten mit Spannungskopfschmerz über entsprechende Verhaltensweisen zur Vorbeugung sollte ebenfalls in der Rehabilitation erfolgen.

Während der Rehabilitation von Spannungskopfschmerz stehen in der Klinik bzw. im Verbund der Klinik folgende diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung: EEG, Computertomographie, Kernspintomographie, Langzeit-EEG, SPECT, Dopplersonographie der hirnzuführenden Gefäße mit Duplex-Sonographie, Messung der evozierten Potentiale, visuell und akustisch evozierte Potentiale, EMG und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.

Verfasser: Chefarzt Dr. Kirn