Subarachnoidalblutung: Leitsymptome

Eine Subarachnoidalblutung erleiden in Deutschland durchschnittlich 8/100.000 Personen, dabei Frauen etwas häufiger als Männer. Das häufigste Krankheitsalter einer Subarachnoidalblutung ist zwischen 50 und 60 Jahren. Ein erhöhtes Risiko für eine Subarachnoidalblutung hat man bei erhöhtem Blutdruck, Nikotin und Alkohol.

Die klinischen Leitsymptome der Subarachnoidalblutung sind plötzlich einsetzende Kopf- und Nackenschmerzen. Diese treten bei über 90 % der Betroffenen auf. Daher sollte bei jeder Person, die erstmalig über sehr starke Kopfschmerzen klagt, die vorher in dieser Form noch nicht bekannt waren, eine Subarachnoidalblutung ausgeschlossen werden! Zu diesen Hauptsymptomen können noch auftreten:

  • Nackensteife
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Lichtscheu
  • Atemstörungen
  • Bewusstseinsstörungen

Bei der Subarachnoidalblutung ist eine korrekte Diagnostik lebensrettend, da nach allen vorliegenden Studien der klinische Zustand der Betroffenen bei Aufnahme in die Akutklinik als wichtigster Marker für die Prognose und die Genesung besteht. Dabei wird die neurologisch-klinische Symptomatik seit 1968 anhand der Skala von Hunt & Hess eingeteilt, diese Einteilung wurde nochmals auf der Welt-Tagung der Gesellschaft für Neurochirurgie 1988 ausdrücklich bestätigt. Die Einteilung nach Hunt & Hess erfolgt folgendermaßen:

  • Grad I: Asymptomatisch oder leichte Kopfschmerzen und leichte Nackensteife
  • Grad II: Mäßiger bis schwerer Kopfschmerz, Nackensteife, keine neurologischen Ausfälle außer Hirnnervenparesen
  • Grad III: Verwirrtheit oder leichtes fokal neurologisches Defizit
  • Grad IV: Sopor, mäßige bis schwere Hemiparese, vegetative Störungen, evtl. frühe Dezerebrationszeichen
  • Grad V: Tiefes Koma, Dezerebrationszeichen

Dabei zeigt sich ein Anstieg der Sterbequote (Letalität) von 13 % im Stadium I – II und bis zu 75 % in den Stadien IV und V. Ein weiteres großes Risiko für eine schlechte Prognose sind die Begleitkomplikationen der Erkrankungen, insbesondere Nachblutungen oder Spasmen der Hirnarterien mit nachfolgendem Schlaganfall.

In ca. 80 % der Fälle findet sich als Ursache ein sackförmiges Aneurysma (= erweitertes Blutgefäß). Dieses Aneurysma befindet sich meistens im Bereich der A. cerebri anterior (40 %), ferner der A. carotis interna (30 %) und der A. cerebri media (20 %). Aneurysmen des hinteren Gefäßsystems als Ursache der Subarachnoidalblutung sind seltener (A. basilaris, A. vertebralis 10 %). Bei 5 % der Betroffenen handelt es sich um Blutungen aus so genannten Fehlbildungen, wie AV-Angiomen. Seltenere Ursachen sind Schädelhirntrauma, traumatische SAB (Subarachnoidalblutung) oder auch eine Dissektion (= Zerschneidung, Aufspaltung) von intrakraniellen Arterien.

Bei einem knappen Drittel der Patienten kann trotz intensivem Einsatz hochwertiger medizintechnischer Geräte keine Blutungsquelle gefunden werden und somit bleibt die Diagnose der Subarachnoidalblutung bei ca. 20 % der Betroffenen unklar.

Letztlich führen viele Ursachen zur Ausbildung eines Aneurysmas und einer Subarachnoidalblutung. Die Aneurysmen selbst sind vermutlich angeboren, nehmen jedoch bereits im frühen erwachsenen Alter aufgrund bestimmter Risikofaktoren an Größe zu und haben somit bei Fortbestehen der Risikofaktoren ein erhöhtes Risiko zu platzen und zu einer Subarachnoidalblutung zu führen.

Diagnostisches Mittel der Wahl ist zunächst eine cranielle Computertomographie, angeschlossen wird eine digitale Subtraktionsangiographie der Hirngefäße mit der Suche nach einem möglichen Aneurysma. Eine weitere diagnostische Möglichkeit ist die Lumbalpunktion des Nervenwassers, hier zeigt sich bei entsprechendem Blutnachweis die bekannte xanthochrome Verfärbung des Liquors. Bei der Diagnostik sollte nicht vergessen werden, dass ein erheblicher Teil der Aneurysma-Patienten mehrere Aneurysmen haben. Daher sollte in jedem Fall eine 4-Gefäß-Angiographie mit Darstellung durch gedrehte Aufnahmen erfolgen.

Subarachnoidalblutung: Akuttherapie

Die Akuttherapie in der Behandlung einer Subarachnoidalblutung mit nachgewiesenem Aneurysma ist die neurochirurgische Operation mit Einsetzen eines Clips auf den Hals des Aneurysmas. Dabei ist der richtige Zeitpunkt der Operation wichtig: Eine frühe Operation verhindert frühe Nachblutungen, hat jedoch ein höheres Operationsrisiko als eine Operation nach dem 10. Tag. Heutzutage werden die Patienten in einem Hunt & Hess Grad I – III eher früh operiert, danach steigt auch die Gefahr eines Vasospasmus und einem nachfolgenden Hirninfarkt.

Die Beachtung der o.g. Komplikationen steht auch nach der Operation im Vordergrund. Eine zusätzliche Komplikation bei einer Subarachnoidalblutung ist ein möglicher Anstau des Hirnwassers in den entsprechenden Räumen (Hydrocephalus). Bei Bedarf muss hier das gestaute Nervenwasser extern abgeleitet werden über ein so genanntes Shuntsystem (siehe auch unseren Artikel: Hydrocephalus).

Die neurologisch-klinischen Symptome nach einer Subarachnoidalblutung sind vielfältig und bedürfen auch nach der Akuttherapie und Operation in der stationären Rehabilitation einer differenzierten und individuellen Behandlung.

Subarachnoidalblutung: stationäre Rehabilitation

In der Neurologischen Abteilung der Wicker Klinik Bad Wildungen wird eine professionelle interdisziplinäre Behandlung der Subarachnoidalblutung - Patienten durchgeführt. Wichtigster Grundsatz in der Therapie ist dabei das Zusammenarbeiten der verschiedenen Berufsgruppen. Die wichtigsten Ansprechpartner für Subarachnoidalblutung - Patienten sind dabei:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Neuropsychologie
  • Physikalische Therapie
  • Sozialberatung
  • und natürlich regelmäßige ärztliche Kontrolle.

In der physiotherapeutischen Behandlung nach einer Subarachnoidalblutung stehen die Bewegungsstörungen im Vordergrund.

Wichtige Therapieansätze sind hierbei: Rumpfstabilität, Stehfähigkeit, Wiedererlernen von Bewegungsabläufen, wie Hand- und Armfunktionen, Rumpfbewegungen, selbständiges Drehen, Stehen, Aufstehen etc.. Wichtig für die Patienten sind auch spezielle neurophysiologische Behandlungsmethoden, wie das „Bobath-Konzept“ und das„PNF-Konzept“.

Oberstes Ziel bei der Rehabilitation nach einer Subarachnoidalblutung ist das Wiedererlangen größtmöglicher Selbständigkeit. Die Patienten werden mit Hilfsmitteln mit dem Gehen wieder vertraut gemacht. Falls es der Zustand des Patienten erlaubt, wird in der Wicker Klinik Bad Wildungen ein Teil der Therapie im Wasser durchgeführt.

Schwerpunkt der ergotherapeutischen Behandlung nach einer Subarachnoidalblutung sind: Sensibilität, Schreiben und Wiederlangen der Selbständigkeit. Diese Selbständigkeit kann in vielen Teilbereichen gestört sein und die Ergotherapie bietet durch ihre vielfältigen Hilfsmittelangebote hier entscheidende Hilfe an. Erwähnt seien nur die Übungsküche der Wicker Klinik Bad Wildungen oder auch die gezielte neuropsychologische Therapie nach einer Subarachnoidalblutung mit Training des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und der Merkfähigkeit.

Bei Aufnahme eines Subarachnoidalblutung - Patienten nach Entlassung aus der Akuttherapie treten oft Probleme im Alltag auf, die für den Betroffenen von sehr großer Bedeutung sind. Ein wichtiger Aspekt ist z.B. die nicht mehr vorhandene oder verminderte Fähigkeit einen Pkw zu fahren. Hier führt die Abteilung Ergotherapie für Subarachnoidalblutung - Patienten ein gezieltes Training durch mit einem behindertengerechten Pkw in Zusammenarbeit mit einer Fahrschule vor Ort. Auch die Hilfsmittelberatung ist ein wichtiger Baustein in der Rehabilitation nach einer Subarachnoidalblutung , z.B. durch technische Rehabilitationshilfen in den Bereichen Selbsthilfe, Schreiben, Haushalt, Mobilität und Beruf.

Oben wurden bereits Sprachstörungen als mögliche Folge erwähnt. Hier setzt die Abteilung Logopädie in der Wicker Klinik Bad Wildungen an. Nach einer exakten Diagnostik wird eine gezielte und symptomorientierte Therapie durchgeführt. Oft sind die Subarachnoidalblutung - Patienten wegen der Sprach- u. Sprechstörung verzweifelt und zeigen große Ängste und Verunsicherungen. Die Beratung und Einbeziehung der Angehörigen ist dabei oft sehr hilfreich in der Therapie.

Störungen des Gedächtnisses, der Konzentration und der Merkfähigkeit sind ebenfalls häufige Folgen nach einer Subarachnoidalblutung. Die psychologische Abteilung der Wicker Klinik Bad Wildungen versucht mit gezielten Testverfahren hier die Defizite zu ermitteln und entsprechend zu behandeln. Auch bietet diese Abteilung der Klinik therapeutische Gespräche für Subarachnoidalblutung - Patienten und deren Angehörige an.

Ebenfalls spielt die Abteilung Physikalische Therapie eine wichtige Rolle in der Rehabilitationsbehandlung nach einer Subarachnoidalblutung, wie z.B. mit Stangerbädern, Massagen, Elektrotherapie, Muskelstimulation mit Spasmotron, manuelle Lymphdrainagen zur Ödemtherapie in den Armen oder Beinen und maschinelle Lymphdrainagen.

Die künftigen beruflichen Perspektiven sind oft unklar, hier setzt die Abteilung Sozialberatung in der Wicker Klinik ein. Die Nachsorgeplanung wird koordiniert und die häusliche Wiedereingliederung vorbereitet. Die Betroffenen werden in dieser Abteilung über finanzielle und soziale Unterstützungen und Erleichterungen am Arbeitsplatz, wie z.B. innerbetriebliche Umsetzungen beraten.

Während der Rehabilitation nach einer Subarachnoidalblutung wird in der Wicker Klinik Bad Wildungen ein spezieller Gesprächskreis angeboten, der einmal wöchentlich stattfindet. Er wird geleitet von einem Dipl. Psychologen und einem Facharzt für Neurologie. Die Themen des Gesprächskreises, dessen Teilnahme natürlich freiwillig ist, sind aktuelle medizinische Probleme, wie neue Therapiemethoden oder auch ein Erfahrungsaustausch unter den Betroffenen und dem Umgang mit der Erkrankung.

In der Wicker Klinik Bad Wildungen bzw. im Verbund der Wicker Kliniken können folgende Untersuchungen für Patienten nach einer Hirnblutung durchgeführt werden:

  • EEG
  • gesamte Neurophysiologie
  • Rhinolaryngoskopie
  • Röntgenaufnahmen
  • Doppler- und Duplex-Sonographie
  • Echocardiographie
  • Angiographie
  • Sonographie
  • Computer- und Kernspintomographie
  • SPECT, PET und MESAM.

Oft ist eine regelmässige und zuverlässige Bestimmung der intracraniellen Flußgeschwindigkeit der Hirnarterien mittels transcranieller Dopplersonographie für die Betroffenen sehr wichtig und hat auch Konsequenzen für die weitere medikamentöse Therapie.

Im Abschlussbefund wird der Zustand des Patienten nach einer Subarachnoidalblutung exakt dokumentiert und das Rehabilitationsergebnis mit dem therapeutischen Team bewertet. Empfehlungen zur weiteren ambulanten Therapie nach einer Subarachnoidalblutung, wie künftige Medikamente, ambulante Therapien und Hilfen am Heimatort werden mit dem Subarachnoidalblutung - Patienten besprochen und im Entlassungsbrief dokumentiert.

Verfasser: Chefarzt Dr. Kirn