Phobische Störungen
Phobien sind intensive Ängste, die durch bestimmte Situationen oder Objekte ausgelöst werden und den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen und sich in unterschiedlichen Lebensbereichen zeigen können.
Phobien sind stark ausgeprägte und anhaltende Ängste vor bestimmten Situationen, Objekten oder auch Personen. Typisch ist, dass die empfundene Angst für die Betroffenen zwar sehr real ist, objektiv jedoch in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr steht oder sogar ohne reale Bedrohung auftritt. Die Angstreaktion setzt dabei häufig automatisch ein und lässt sich willentlich kaum kontrollieren. Phobien gehen dabei nicht nur mit bedrohlichen Gedanken, sondern auch mit körperlichen Symptomen einher und erzeugen einen hohen Leidensdruck. Während einige Phobien den Alltag nur geringfügig beeinflussen, können andere das tägliche Leben erheblich einschränken. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Betroffene beginnen, angstauslösende Situationen systematisch zu vermeiden.
Phobische Störungen zählen zu den Angststörungen, sind jedoch im ICD-10 als eigenständige Diagnosen unter dem Code F40 mit verschiedenen Haupt- und Unterformen klassifiziert. Die klare diagnostische Einordnung ist wichtig, um eine gezielte und wirksame Behandlung zu ermöglichen.

Ursachen
Die Entstehung von Phobien beruht meist auf einem Zusammenspiel aus Lernerfahrungen, biologischer Veranlagung und psychosozialen Einflüssen. Grundsätzlich erfüllt Angst eine wichtige Schutzfunktion. Von einer Phobie spricht man jedoch, wenn die Angst übermäßig stark ist, über längere Zeit anhält, ohne reale Gefahr auftritt und den Alltag deutlich einschränkt.
Häufig steht am Anfang einer Phobie eine als bedrohlich erlebte Erfahrung, bei der eine Situation oder ein Objekt mit Angst verknüpft wird. Durch diese Konditionierung kann die Angst bei erneutem Auftreten schneller und stärker ausgelöst werden. Auch Vermeidungsverhalten trägt zur Aufrechterhaltung der Phobie bei, da gemiedene Situationen die Angst langfristig verstärken. Bei Kindern können zudem Ängste durch das Vorbildverhalten von Erwachsenen übernommen werden.
Typisch ist außerdem die sogenannte „Angst vor der Angst“. Betroffene fürchten nicht nur die auslösende Situation, sondern auch das erneute Auftreten der Angst, was das Vermeidungsverhalten verstärkt und die Phobie weiter verfestigen kann.
Phobien treten in sehr unterschiedlichen Ausprägungen auf. Um diese besser einordnen und diagnostisch abgrenzen zu können, werden Phobien in der klinischen Psychologie und Psychiatrie in drei Hauptformen unterteilt. Diese Einteilung orientiert sich daran, wodurch die Angst ausgelöst wird und in welchen Lebensbereichen sie vor allem auftritt.
Die Agoraphobie ist die häufigste Form der Phobien. Sie beschreibt die Angst vor Situationen, in denen Betroffene befürchten, nicht fliehen zu können oder die Kontrolle über sich zu verlieren. Häufig ist die Agoraphobie mit der Angst vor Menschenmassen, öffentlichen Plätzen oder Situationen verbunden, aus denen ein Entkommen als schwierig oder unmöglich empfunden wird. Auslösend ist dabei weniger die Situation selbst als vielmehr die Sorge vor „peinlichen“ oder unkontrollierbaren körperlichen Symptomen wie Schwindel, Übelkeit oder der Verlust der Blasenkontrolle.
Die soziale Phobie äußert sich durch ausgeprägte Ängste in sozialen Situationen, insbesondere im Kontakt mit anderen Menschen. Betroffene fürchten häufig, negativ bewertet, kritisiert oder bloßgestellt zu werden. Persönlichkeitsfaktoren wie Selbstzweifel, eine eingeschränkte Kritikfähigkeit oder hohe Ansprüche an die eigene Leistung können zur Entwicklung einer sozialen Phobie beitragen.
Spezifische Phobien beziehen sich auf klar umrissene Objekte oder Situationen und treten meist unabhängig von sozialen oder öffentlichen Kontexten auf. Die Angst wird durch einen konkreten Auslöser hervorgerufen und kann bereits bei dessen Anblick oder allein durch die Vorstellung starke körperliche und psychische Reaktionen auslösen. Zu den häufigsten phobischen Auslösern zählen unter anderem:
Phobien Symptome
Symptome einer Phobie zeigen sich in intensiver Angst sowie in kognitiven und körperlichen Reaktionen, wobei jeder Phobiker erlebt seine Angst auf verschiedene Art und Weise erlebt.
Häufige körperliche Symptome bei Phobien sind Herzklopfen, Schweißausbrüche, Zittern und Atembeschwerden. Zusätzlich können Hitzewallungen oder Kälteschauer, Gefühllosigkeit, Kribbelgefühle, ein Beklemmungsgefühl im Brustkorb sowie Ohrgeräusche oder Sehstörungen wie Flimmern vor den Augen auftreten.
Typische Gefühlsreaktionen bei Phobien sind neben intensiven Angstgefühlen auch Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit. Manche Betroffene erleben zudem veränderte Wahrnehmungen, bei denen die Umgebung als unwirklich erscheint oder das eigene Erleben als fremd und distanziert wahrgenommen wird.
Auf der gedanklichen Ebene äußern sich Phobien häufig durch belastende Sorgen und sogenannte Katastrophengedanken. Betroffene befürchten beispielsweise, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden. Auch Gedanken an ein mögliches Zusammenbrechen oder die Angst zu sterben können auftreten.
Ein weiteres zentrales Symptom von Phobien sind Veränderungen im Verhalten, insbesondere in Form von Vermeidung. Betroffene meiden gezielt Situationen, Orte oder Objekte, die Angst auslösen oder auslösen könnten. Dieses Vermeidungsverhalten kann sich schrittweise ausweiten und dazu führen, dass immer mehr Lebensbereiche eingeschränkt werden. Häufig ziehen sich Betroffene zunehmend von sozialen Kontakten, äußeren Anforderungen und unbekannten Situationen zurück. Obwohl die Vermeidung kurzfristig als entlastend erlebt wird, trägt sie langfristig dazu bei, die Angst aufrechtzuerhalten und die Phobie weiter zu verstärken. Viele Betroffene entwickeln zudem ein ausgeprägtes Sicherheits- oder hilfesuchendes Verhalten. Dazu gehört beispielsweise, nur noch in Begleitung das Haus zu verlassen, sich an vertraute Personen zu klammern oder stets ein Notfallmedikament bei sich zu tragen.
Darüber hinaus können Phobien auch mit nervösem, unruhigem oder reizbarem Verhalten einhergehen, das sich in einzelnen Fällen auch aggressiv äußern kann. Manche Betroffene erleben eine ausgeprägte innere Unruhe mit starkem Bewegungsdrang. In seltenen Fällen kommt es zu sogenanntem kontraphobischem Verhalten, bei dem angstauslösende Situationen bewusst und übermäßig aufgesucht werden, um die eigene Angst zu verleugnen oder zu kontrollieren.
Behandlung
Viele Phobien sind gut behandelbar. Ziel der Behandlung ist es, die Angstreaktionen zu reduzieren, Vermeidungsverhalten abzubauen und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern. Die Therapie wird dabei individuell an Art und Schwere der Phobie angepasst und erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus psychotherapeutischen und medikamentösen Maßnahmen.
Klinik für Phobien
In unseren psychosomatischen Einrichtungen behandeln wir unter anderem Phobien im Rahmen eines ganzheitlichen Therapiekonzepts. Dabei kommen sowohl Gruppen- als auch Einzeltherapien zum Einsatz, Sie bei der Bewältigung ihrer phobischen Ängste zu unterstützen. Ergänzend zu den psychotherapeutischen Verfahren bieten wir weitere therapeutische Maßnahmen an, die individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt werden:
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