Phobische Störungen

Phobien

Phobien sind intensive Ängste, die durch bestimmte Situationen oder Objekte ausgelöst werden und den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen und sich in unterschiedlichen Lebensbereichen zeigen können.

PsychotherapiePhobien

Definition: Was ist eine Phobie?

Phobien sind stark ausgeprägte und anhaltende Ängste vor bestimmten Situationen, Objekten oder auch Personen. Typisch ist, dass die empfundene Angst für die Betroffenen zwar sehr real ist, objektiv jedoch in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr steht oder sogar ohne reale Bedrohung auftritt. Die Angst­reaktion setzt dabei häufig automatisch ein und lässt sich willentlich kaum kontrollieren. Phobien gehen dabei nicht nur mit bedrohlichen Gedanken, sondern auch mit körperlichen Symptomen einher und erzeugen einen hohen Leidensdruck. Während einige Phobien den Alltag nur gering­fügig beeinflussen, können andere das tägliche Leben erheblich ein­schränken. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Betroffene beginnen, angst­auslösende Situationen systematisch zu vermeiden.

Phobische Störungen zählen zu den Angst­störungen, sind jedoch im ICD-10 als eigen­ständige Diagnosen unter dem Code F40 mit verschiedenen Haupt- und Unter­formen klassifiziert. Die klare diagnostische Einordnung ist wichtig, um eine gezielte und wirksame Behandlung zu ermöglichen.

Frau steht vor einem Mann der ängstlich in einem Sessel sitzt und seinen Kopf auf die Hände stützt
Frau steht vor einem Mann der ängstlich in einem Sessel sitzt und seinen Kopf auf die Hände stützt

Ursachen

Wie entstehen Phobien?

Die Entstehung von Phobien beruht meist auf einem Zusammenspiel aus Lernerfahrungen, biologischer Veranlagung und psycho­sozialen Einflüssen. Grundsätzlich erfüllt Angst eine wichtige Schutz­funktion. Von einer Phobie spricht man jedoch, wenn die Angst übermäßig stark ist, über längere Zeit anhält, ohne reale Gefahr auftritt und den Alltag deutlich einschränkt.

Häufig steht am Anfang einer Phobie eine als bedrohlich erlebte Erfahrung, bei der eine Situation oder ein Objekt mit Angst verknüpft wird. Durch diese Konditionierung kann die Angst bei erneutem Auftreten schneller und stärker ausgelöst werden. Auch Vermeidungs­verhalten trägt zur Aufrecht­erhaltung der Phobie bei, da gemiedene Situationen die Angst langfristig verstärken. Bei Kindern können zudem Ängste durch das Vorbild­verhalten von Erwachsenen übernommen werden.

Typisch ist außerdem die sogenannte „Angst vor der Angst“. Betroffene fürchten nicht nur die auslösende Situation, sondern auch das erneute Auftreten der Angst, was das Vermeidungs­verhalten verstärkt und die Phobie weiter verfestigen kann.

Arten von Phobien

Phobien treten in sehr unter­schiedlichen Ausprägungen auf. Um diese besser einordnen und diagnostisch abgrenzen zu können, werden Phobien in der klinischen Psychologie und Psychiatrie in drei Haupt­formen unterteilt. Diese Einteilung orientiert sich daran, wodurch die Angst ausgelöst wird und in welchen Lebens­bereichen sie vor allem auftritt.

Agoraphobie: Angst vor der Außenwelt

Die Agoraphobie ist die häufigste Form der Phobien. Sie beschreibt die Angst vor Situationen, in denen Betroffene befürchten, nicht fliehen zu können oder die Kontrolle über sich zu verlieren. Häufig ist die Agoraphobie mit der Angst vor Menschenmassen, öffentlichen Plätzen oder Situationen verbunden, aus denen ein Entkommen als schwierig oder unmöglich empfunden wird. Auslösend ist dabei weniger die Situation selbst als vielmehr die Sorge vor „peinlichen“ oder unkontrollierbaren körperlichen Symptomen wie Schwindel, Übelkeit oder der Verlust der Blasenkontrolle.

Soziale Phobie: Angst vor Menschen

Die soziale Phobie äußert sich durch ausgeprägte Ängste in sozialen Situationen, insbesondere im Kontakt mit anderen Menschen. Betroffene fürchten häufig, negativ bewertet, kritisiert oder bloßgestellt zu werden. Persönlichkeitsfaktoren wie Selbstzweifel, eine eingeschränkte Kritikfähigkeit oder hohe Ansprüche an die eigene Leistung können zur Entwicklung einer sozialen Phobie beitragen.

Spezifische Phobien: Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen

Spezifische Phobien beziehen sich auf klar umrissene Objekte oder Situationen und treten meist unabhängig von sozialen oder öffentlichen Kontexten auf. Die Angst wird durch einen konkreten Auslöser hervorgerufen und kann bereits bei dessen Anblick oder allein durch die Vorstellung starke körperliche und psychische Reaktionen auslösen. Zu den häufigsten phobischen Auslösern zählen unter anderem:

  • Höhe (Akrophobie)
  • Spinnen (Arachnophobie)
  • Enge oder geschlossene Räume (Klaustrophobie)
  • Tod (Nekrophobie)
  • Zahnärztliche Behandlungen (Oralophobie)
  • Erwürgen oder Ersticken (Pnigerophobie)
  • Bärte (Pogonophobie)
  • Fremdes oder Fremdartiges (Xenophobie)

Phobien Symptome

So äußern sich Phobien

Symptome einer Phobie zeigen sich in intensiver Angst sowie in kognitiven und körperlichen Reaktionen, wobei jeder Phobiker erlebt seine Angst auf verschiedene Art und Weise erlebt.

Icon Hände

Körper

Häufige körperliche Symptome bei Phobien sind Herz­klopfen, Schweiß­ausbrüche, Zittern und Atem­beschwerden. Zusätzlich können Hitze­wallungen oder Kälte­schauer, Gefühl­losigkeit, Kribbel­gefühle, ein Beklemmungs­gefühl im Brust­korb sowie Ohr­geräusche oder Seh­störungen wie Flimmern vor den Augen auftreten.

Icon Hand mit Ausrufezeichen

Gefühle

Typische Gefühlsreaktionen bei Phobien sind neben intensiven Angst­gefühlen auch Unsicher­heit, Schwäche oder Benommen­heit. Manche Betroffene erleben zudem veränderte Wahr­nehmungen, bei denen die Umgebung als unwirklich erscheint oder das eigene Erleben als fremd und distanziert wahrgenommen wird.

Icon Gedanken

Gedanken

Auf der gedanklichen Ebene äußern sich Phobien häufig durch belastende Sorgen und sogenannte Katastrophen­gedanken. Betroffene befürchten beispiels­weise, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden. Auch Gedanken an ein mögliches Zusammen­brechen oder die Angst zu sterben können auftreten.

Veränderungen im Verhalten

Ein weiteres zentrales Symptom von Phobien sind Veränderungen im Verhalten, insbesondere in Form von Vermeidung. Betroffene meiden gezielt Situationen, Orte oder Objekte, die Angst auslösen oder auslösen könnten. Dieses Vermeidungs­verhalten kann sich schrittweise ausweiten und dazu führen, dass immer mehr Lebens­bereiche einge­schränkt werden. Häufig ziehen sich Betroffene zunehmend von sozialen Kontakten, äußeren Anforderungen und unbekannten Situationen zurück. Obwohl die Vermeidung kurz­fristig als entlastend erlebt wird, trägt sie langfristig dazu bei, die Angst aufrecht­zuerhalten und die Phobie weiter zu verstärken. Viele Betroffene entwickeln zudem ein ausgeprägtes Sicherheits- oder hilfe­suchendes Verhalten. Dazu gehört beispiels­weise, nur noch in Begleitung das Haus zu verlassen, sich an vertraute Personen zu klammern oder stets ein Notfall­medikament bei sich zu tragen.

Darüber hinaus können Phobien auch mit nervösem, unruhigem oder reizbarem Verhalten einhergehen, das sich in einzelnen Fällen auch aggressiv äußern kann. Manche Betroffene erleben eine ausgeprägte innere Unruhe mit starkem Bewegungs­drang. In seltenen Fällen kommt es zu sogenanntem kontra­phobischem Verhalten, bei dem angst­auslösende Situationen bewusst und übermäßig aufgesucht werden, um die eigene Angst zu verleugnen oder zu kontrollieren.

Frau mit Phobien in der Gruppentherapie formt ihre Hände zu Fäusten

Behandlung

Phobien behandeln

Viele Phobien sind gut behandelbar. Ziel der Behandlung ist es, die Angst­reaktionen zu reduzieren, Vermeidungs­verhalten abzubauen und die Lebens­qualität der Betroffenen nach­haltig zu verbessern. Die Therapie wird dabei individuell an Art und Schwere der Phobie angepasst und erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus psycho­thera­peutischen und medika­mentösen Maßnahmen.

  • Psychotherapie: Zielt darauf ab, angst­auslösende Gedanken und Verhaltens­muster zu erkennen und zu verändern, häufig durch eine schritt­weise Konfrontation mit den angst­auslösenden Situationen.
  • Medikamente: Können bei stark ausgeprägten Beschwerden oder hoher Belastung eingesetzt werden, um die Angst­symptome zu lindern und die Therapie zu unterstützen.
Patientin malt mit Wasserfarben bei der Kunsttherapie in den Wicker Kliniken

Klinik für Phobien

Möglichkeiten bei Wicker

In unseren psycho­somatischen Einrichtungen behandeln wir unter anderem Phobien im Rahmen eines ganz­heitlichen Therapie­konzepts. Dabei kommen sowohl Gruppen- als auch Einzeltherapien zum Einsatz, Sie bei der Bewältigung ihrer phobischen Ängste zu unter­stützen. Ergänzend zu den psycho­therapeutischen Verfahren bieten wir weitere thera­peutische Maßnahmen an, die individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt werden:

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FAQ Phobien

Fragen & Antworten
zu Phobien

Wenn Sie selbst oder ein Angehöriger unter einer Phobie leiden, ergeben sich oft viele offene Fragen. Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen im Zusammenhang mit phobischen Störungen. Sollten Sie Ihre Frage hier nicht wiederfinden, sprechen Sie uns gerne an.

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