Die verschiedenen Formen depressiver Erkrankungen stellen die häufigsten psychischen Störungen überhaupt dar.

Depressive Erkrankungen weisen unterschiedliche Verlaufsformen und einen unterschiedlichen Schweregrad auf. Man unterscheidet depressive Episoden, bei denen eine klinisch fassbare Symptomatik für mindestens 2 Wochen anhaltend bestehen muss, von rezidivierenden depressiven Störungen und Zyklotymien (neurotischen Depressionen), die meist nicht von besonderer Schwere sind, dafür meist aber einen chronifizierten Verlauf nehmen.

Das traditionelle Konzept der endogenen Depression geht davon aus, dass es depressive Erkrankungen gibt, die sozusagen eigengesetzlich verlaufen, ohne dass seelische, d. h. erlebnisreaktive Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. Die Forschung zeigt, dass sich bei diesen Depressionsformen unter den Blutsverwandten gehäuft depressiv erkrankte Menschen finden, wenngleich die Depression keinesfalls nach einfachen Mendel‘schen Erbgängen an die nächste Generation weitergegeben wird. Ursächlich geht man weiterhin davon aus, dass bei dieser endogenen Depression Stoffwechselvorgänge im Gehirn gestört sind und es an biologisch wirksamen Botenstoffen (Neurotransmitter) mangelt. Diese Depressionsformen wurden in der Vergangenheit oft ausschließlich medikamentös mit Antidepressiva behandelt. Psychotherapie spielte eine untergeordnete Rolle. Dieses Konzept der Endogenität von Depressionen lässt sich in dieser Stringenz heute nicht mehr halten. Zum einen zeigt die genauere Betrachtung, dass auch bei dieser scheinbar eigengesetzlich verlaufenden (endogene) Depression nicht selten maßgebliche psychoreaktive Faktoren identifiziert werden können, die zumindest als mit auslösend für die jeweilige depressive Phase angesehen werden müssen. Zudem weiß man, dass auch bei seelisch bedingten (psychogenen) Depressionen Abweichungen im Stoffwechsel der Neurotransmitter vorliegen, weshalb auch bei diesen Depressionsformen Antidepressiva oftmals wirksam sind.

Typische Symptome einer endogenen Depression:

Psychische Symptome

  • Gefühle: Die Stimmung ist unglücklich, niedergeschlagen, bedrückt, verzweifelt und resigniert. Es kann sein, dass Jemand bei jeder Kleinigkeit in Tränen ausbricht oder aber, dass er sich tief bedrückt und verzweifelt erlebt, aber geradezu daran leidet, nicht weinen zu können. Die Bandbreite normalen emotionalen Erlebens ist stark eingeschränkt. Ein stark depressiver Mensch kann sich über positive Ereignisse nicht freuen. Vielleicht kann er solches nicht einmal mehr wahrnehmen. Viele depressive Menschen beschreiben ein „Gefühl der Gefühllosigkeit“. Sie leiden daran, keine Gefühle der Liebe mehr empfinden zu können und äußern, dass alles leer, stumpf und abgetötet sei. Sie sprechen von einem „Erkalten über Gefühle“ oder einer „seelischen Mauer“, die sie umgibt.
  • Energie/Antrieb: Depressive Menschen leiden daran, sich nicht aufraffen zu können, etwas zu tun. Der Wille zu Aktivitäten kann durchaus vorhanden sein, aber der Betreffende erlebt sich in hohem Maße lustlos, antriebslos, schwach und kraftlos, ohne Schwung und ohne Initiative. Er kann sich nicht aufraffen. Der „innere Schweinehund“ wird unüberwindbar groß. Manche Menschen beschreiben es als ein Gefühl, „als ob eine unsichtbare Macht einem von jeglicher Aktivität fern hält“. Entgegen dieser depressiven Hemmung, die zumindest bei schweren Depressionen auch für die Umgebung sichtbar wird, erleben viele Menschen eine starke innere Unruhe. Sie sind nervös, gestresst, gehetzt und getrieben, „wie unter Strom“. Als Versuch, die depressive Hemmung mit Willensanstrengung zu überwinden, kommt es oft zu einem hektischen Beschäftigungsdrang. Vieles wird angefangen, jedoch ohne die Tätigkeit zu einem sinnvollen Ende führen zu können.
  • Aufmerksamkeit/Konzentration: Die Konzentration ist meistens beeinträchtigt. Eine längere konzentrierte Beschäftigung mit einer Sache wird unmöglich. Das Denken ist gehemmt, die Merkfähigkeit eingeschränkt. Die Aufmerksamkeit wird zunehmend von der Umgebung (private oder berufliche Angelegenheiten) abgezogen. Sie engt sich immer mehr auf die depressive Symptomatik ein. Es wird zunehmend schwer, sich mit mehreren Dingen gleichzeitig zu beschäftigen, man erlebt sich selbst als abwesend, mit den Gedanken woanders.
  • Denken: Typisch für die endogene Depression ist das grüblerische Denken. Die Gedanken drehen sich im Kreis, die immer gleichen Denkinhalte drängen sich auf. Man kommt zu keinem Ergebnis. Dabei zermürbt das depressive Denken. Es kommt zu einer Überbewertung früherer oder aktueller Ereignisse mit dem Resultat eines schlechten Gewissens. Vielleicht werden kleinere Verfehlungen aus der Vergangenheit gegenwärtig, mit der Tendenz, sich ständig vor sich selbst rechtfertigen zu müssen. Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, ist stark herabgesetzt. Bei einer schweren Depression kann Jemand auch bei einer banalen Fragestellung in ein grüblerisches Abwägen geraten, sich hin- und hergerissen fühlen, unfähig, zu einer Entscheidung zu gelangen.
  • Selbstwert: In einer endogenen Depression erscheint der Betroffene sehr dünnhäutig. Er ist sehr sensibel gegenüber Kritik und fühlt sich rasch angegriffen. Er neigt unter Umständen dazu, Schuldgefühle zu entwickeln, auch dort, wo es nicht um eigenes Verschulden geht. Das Selbstwertgefühl ist insgesamt deutlich herabgesetzt. Schwer depressive Menschen erleben sich nicht selten als eine Last für ihre Umgebung und entwickeln lebensmüde Gedanken. Dies kann beginnen mit den unspezifischen Gedanken, das alles nicht mehr aushalten zu können, nicht mehr aufwachen zu wollen. Nicht selten tauchen konkrete Suizidgedanken oder -pläne auf. Nach Schätzungen werden ca. 50 % aller tödlich verlaufenden Selbstmordversuche im Rahmen depressiver Erkrankungen begangen. Die endogene Depression ist hier an erster Stelle zu nennen.
  • Zwischenmenschlicher und beruflicher Bereich: Das Interesse an Hobbys geht verloren. Es fällt zunehmend schwer, Kontakte aufrechtzuerhalten. Der depressive Mensch tritt einen Rückzug an, igelt sich ein, sagt häufig unter Vorwänden Verabredungen ab. Es fällt schwer, neue Kontakte zu knüpfen. Weil man sich nicht traut seinen Freunden mitzuteilen an einer Depression zu leiden, verstehen diese die eigenen Reaktionen oft falsch und wenden sich aus Ärger ab. An der Arbeit entsteht zunächst ein Gefühl permanenter Überforderung. Arbeiten dauern länger als sonst. Schließlich kommt es auch zu einem objektivierbaren Leistungsabfall. Das Arbeitspensum wird nicht geschafft. Nicht selten nimmt man Akten mit in den Feierabend, ins Wochenende oder in den Urlaub. Hierdurch beschleunigt sich zumeist die Abwärtsspirale depressiven Erlebens, da Regenerationszeiten zunehmend fehlen.

Körperliche Symptome:

  • Schlafstörungen: Einschlafstörungen können auftreten, sind insgesamt aber weniger typisch als Durchschlafstörungen, die fast bei keiner endogene n Depression fehlen. Auf dem Höhepunkt einer schweren endogenen Depression erwacht Jemand manchmal nach ein oder zwei Stunden bereits wieder und kann für längere Zeit nicht einschlafen. Oder aber der Schlaf bleibt ab dem ersten Erwachen oberflächlich und ist durch viele Wachphasen gestört. Gehäufte Albträume können auftreten. Morgens fühlt man sich wie gerädert, so, als habe man überhaupt nicht geschlafen.
  • Appetit: Eine schwere endogene Depression geht häufig mit einer Appetitlosigkeit und starkem Gewichtsverlust einher, sodass die Betreffenden nicht selten befürchten, an einem Tumor erkrankt zu sein. In anderen Fällen kommt es zu Heißhunger und folglich zu einer Gewichtszunahme (atypische Depression).
  • Kopfdruck: Typisch für die Depression ist ein diffuser Druck im ganzen Kopf. Es handelt sich nicht im eigentlichen Sinne um einen Kopfschmerz, bei dem es irgendwo pocht, sticht oder hämmert. Depressive Menschen beschreiben diesen Kopfdruck oft als ein Gefühl, ständig einen Helm zu tragen oder so, als sei der Schädel ständig leicht in einen Schraubstock eingespannt.
  • Atmung: Enge im Brustkorb, Druck auf der Brust, flache Atmung, schweres Atmen und Keuchen.
  • Herzbeschwerden: Herzklopfen, Herzrasen. Stechen und Brennen in der Herzgegend, Druckgefühl hinter dem Brustbein.
  • Kreislauf/vegetatives Nervensystem: Hitzewallungen und Kälteschauern. Zittern. Leichtes Erröten. Kalte Hände und Füße. Temperaturüberempfindlichkeit. Blutdruckschwankungen bzw. ständig erhöhter Blutdruck. Schwindel, weiche Knie.
  • Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen. Häufige Blähungen. Sodbrennen. Magendruck. Häufig Verstopfung, seltener Durchfall.

Die Diagnosestellung einer Depression geschieht nach der internationalen Klassifikation Psychischer Störungen (ICD 10). Hier wird unterschieden nach Hauptsymptomen und Zusatzsymptomen. Anhand der Anzahl vorhandener Haupt- und Zusatzsymptomen ergibt sich auch der Schweregrad einer Depression. Etwas vereinfachend kann gesagt werden, dass bei einer leichten Depression das Leiden eines Menschen sozial und beruflich oft noch kompensiert ist und dieser Mensch unter großen Anstrengungen seinen sozialen Verpflichtungen noch nachkommen kann. Bereits bei einer mittelschweren Depression ist die Funktionsfähigkeit, z. B. im Beruf, zumindest stellenweise beeinträchtigt. Bei einer schweren Depression hingegen ist die krankheitsbedingte Beeinträchtigung derart hoch, dass ein Mensch im Allgemeinen seinen sozialen und beruflichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Behandlung der endogenen Depression:

In der Fachliteratur herrscht weitgehend Einvernehmen darüber, dass psychopharmakologische Behandlungsansätze oftmals im Zentrum der Behandlung einer endogene n Depression stehen. Entsprechend der Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften ist der Einsatz eines wirksamen Antidepressivums meist unverzichtbar. In akuten Behandlungsphasen kann zusätzlich der Einsatz sedierender oder neuroleptisch wirksamer Substanzen erforderlich werden. Bei gehäuften Krankheitsphasen einer endogene n Depression (zumindest 3 in den vergangenen 5 Jahren) wird zudem im Regelfall eine medikamentöse Phasenprophylaxe angezeigt sein, mit der Zielvorstellung, weitere Krankheitsphasen nach Möglichkeit zu unterdrücken oder zumindest eine abgeschwächte Verlaufsform zu erreichen.

Unabhängig vom Effekt der psychopharmakologischen Behandlung, wird bei einer endogene n Depression immer eine psychotherapeutische Begleitung erforderlich sein. Der methodische Zugang (tiefenpsychologische Psychotherapie, Verhaltenstherapie) spielt in der akuten Krankheitsphase nur eine untergeordnete Rolle. Bei einer schweren, akut aufgetretenen endogenen Depression ist die psychotherapeutische Haltung vergleichbar mit der eines Arztes bei einer ernsthaften Körpererkrankung.

Er wird in angemessener Weise informieren, beraten, Hoffnung auf Besserung zusprechen und eine geeignete Medikation einleiten. Zudem wird der Behandler in dieser Phase dem erhöhten Suizidrisiko durch Veranlassung geeigneter Maßnahmen (regelmäßige Kontakte, Überwachung) Rechnung tragen.

In der Behandlung akut depressiver Patienten sind aufgrund klinischer und wissenschaftlicher Erfahrungen folgende allgemeine Grundsätze zu beachten:

· Therapeuten sind problemorientiert, strukturiert, konkret aktiv und ggf. auch direktiv. Ausführliche Erklärungen des Krankheitsbildes und der Einflussfaktoren werden gegeben.

· Die Psychotherapie wird aus dem Erklärungsmodell abgeleitet und erklärt.

· Es werden klare Zielsetzungen formuliert, die für den Patienten transparent und nachvollziehbar sind.

· Die Lösung aktueller Probleme steht im Vordergrund. Fokussiert wird auf die Alltagsbewältigung.

· Das therapeutische Vorgehen ist gestuft, um den Patienten in seiner depressiven Einengung nicht zu überfordern.

Außerhalb akuter Krankheitsphasen einer endogenen Depression stellt die psychotherapeutische Behandlung jetzt größere Anforderungen an den Patienten. In einer Psychotherapie geht es jetzt zumeist darum, gemeinsam mit dem Patienten zu erarbeiten, welche Bedingungen in seinem individuellen Fall zur Auslösung bzw. Aufrechterhaltung einer depressiven Phase geführt haben.

In der Verhaltenstherapie werden ungünstige Verhaltensmuster und Denkgewohnheiten, deren sich die Patienten sich meist gar nicht bewusst sind, identifiziert. Unter Anleitung des Psychotherapeuten lernt der Pat. dann, andere, günstigere Verhaltensweisen zu entwickeln und einzuüben. So kann sehr kleinschrittig z. B. versucht werden einen Patienten anzuregen seinen sozialen Rückzug ein wenig aufzugeben und wieder unter Menschen zu gehen, seine Arbeit wieder aufzunehmen oder in angemessener Abstufung alltägliche Verrichtungen wieder zu bewältigen. Depressive Selbstzweifel, Selbstanklagen und negative Ansichten über andere Menschen und über sich selbst werden eingehend besprochen. Mit Hilfe des Therapeuten kann der Patient so allmählich lernen, seine negative (depressive) Sicht der Dinge gegen eine neutralere oder positivere Haltung einzutauschen.

Tiefenpsychologische Therapieansätze gehen zwar auch davon aus, dass Lernvorgänge in der Depressionsentstehung eine Rolle spielen. Sie messen diesen aber eine etwas geringere Bedeutung bei. Als zentral werden hier bestimmte Konflikte früherer Lebensphasen angesehen, die nicht angemessen bewältigt werden konnten und jetzt im Erwachsenenleben eine krank machende Wirkung entfalten. Im therapeutischen Gespräch wird die depressionsauslösende Konfliktsituation identifiziert. Dabei geht es nicht alleine um eine äußere, sozusagen objektivierende Beschreibung der Konfliktsituation, sondern vor allem darum zu erhellen, wie die betroffene Person subjektiv auf ihrem persönlichen Lebenshintergrund die Situation erlebt hat. Oft ermöglicht erst das Verständnis lebensgeschichtlich prägender Konfliktsituationen, die gefühlsmäßige Dimension des Aktualkonfliktes angemessen zu verstehen.

Die Hardtwaldklinik II ist eine psychotherapeutisch/psychosomatische Rehabilitationsklinik mit 25-jähriger Tradition. Pro Jahr werden etwa 2000 Patienten im Rahmen durchschnittlich 6-wöchiger Heilverfahren behandelt. In den vergangenen Jahren machten verschiedene Formen depressiver Erkrankungen jeweils knapp mehr als 50 % der Hauptdiagnosen aus. Nimmt man alle gestellten Diagnosen zusammen, so leiden etwas mehr als 2/3 aller Patienten unserer Klinik an depressiven Störungen. Die Klinik verfügt somit langjährig über vielfältige Erfahrungen aus dem gesamten Spektrum depressiver Erkrankungen, einschließlich der endogene n Depression.

An einer endogenen Depression erkrankte Menschen sind prinzipiell in der Hardtwaldklinik II behandelbar, sofern nicht:

· ernsthafte Selbstmordgedanken vorliegen, die zur Handlungsausführung drängen, was eine intensive Überwachung erforderlich macht.

· die Depression so stark ausgeprägt ist, dass ein Erkrankter nicht mehr in der Lage ist, selbstständig basale Alltagsverrichtungen (Aufstehen, Körperpflege, Nahrungszufuhr etc.) zu bewerkstelligen oder

· die Konzentration nicht ausreicht, um psychotherapeutische Gespräche zu führen.

Nach Aufnahme wird eine eingehende medizinische und psychotherapeutische Diagnostik durchgeführt. Diese umfasst eine ganzkörperliche Aufnahmeuntersuchung (vor allem internistischer und neurologischer Status), ein Laborscreening, eine ausführliche krankheitsbezogene und biografische Anamnese, die Erstellung eines psychischen Befundes und einer Verhaltensanalyse bzw. eine psychodynamische Hypothesenbildung zur Krankheitsentstehung. Ggf. kommen testpsychologische Untersuchungen zur Anwendung.

Wesentliches Merkmal einer stationären psychotherapeutischen Behandlung ist immer zunächst einmal die Entlastung von häuslichen und beruflichen Verpflichtungen. Erst in einer solchen Entlastung kann bei schwer depressiven Menschen eine wirksame Psychotherapie in Gang kommen. Die psychotherapeutische Behandlung in der Hardtwaldklinik II ist im Regelfall immer eine Kombination aus hochfrequenter Gruppenpsychotherapie und begleitenden einzelpsychotherapeutischen Gesprächen. Bei der Gruppentherapie wechseln sich jeweils sprachliche Verfahren (analytisch-interaktionelle Therapie oder verhaltenstherapeutische Depressionsgruppe) ab mit einem Kreativverfahren (Gestaltungstherapie, konzentrative Bewegungstherapie oder Musiktherapie).

Bei der Gruppentherapie depressiver Patienten sind nach unserer Erfahrung die von I. D. Jalom beschriebenen allgemeinen Wirkfaktoren einer Gruppentherapie von besonderer Bedeutung. Der depressive Patient wird in einer Therapiegruppe auf Gleichgesinnte und damit auf Verständnis stoßen. Kontrastierend zu häuslichen oder betrieblichen Vorerfahrungen, demzufolge man ihm nicht glaubte, erkrankt zu sein, wirkt das Verständnis von Mitpatienten entlastend. Das Miterleben der Besserung der depressiven Symptomatik bei Mitpatienten wird Hoffnung vermitteln, die eigene Depression zu überwinden, ebenso wie die gehörten Berichte der Bewältigung früherer Krankheitsphasen. Die Gruppe bietet zudem Möglichkeiten, aus den gehörten Krankheitsberichten Eigenes wiederzuentdecken und mit Hilfe fremder Rückmeldungen die eigene Lebensgeschichte besser verstehen und einordnen zu können. In der sozialen Matrix der Gruppe können eigene ungünstige Verhaltensmuster erkannt werden. Zugleich stellt dies den Beginn dar, neuere und günstigere Techniken des mitmenschlichen Umgangs zu entwickeln. Insgesamt bietet die Gruppentherapie neben der Chance zum vertieften Verständnis der eigenen Depression die Möglichkeit zu korrigierenden emotionalen Erlebnissen.

Wichtiger Bestandteil eines stationären Heilverfahrens sind verschiedene Informations- und Vortragsveranstaltungen, die sich im engeren und weiteren Sinn mit Fragen der Depression und Depressionsbewältigung beschäftigen.

Wichtig ist eine eingehende Beratung über die in vielen Fällen notwendige begleitende psychopharmakologische Behandlung. Diese wird durchgeführt nach den Richtlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften. In Einzel- und Gruppentberatung wird an einer endogenen Depression erkrankten Patienten vermittelt, warum in ihrem Fall oftmals eine psychospharmakologische Behandlung unabdingbar ist. Wirkweisen und Nebenwirkungen von Antidepressiva werden erläutert. Häufige Befürchtungen, z. B., dass die Antidepressiva Abhängigkeit erzeugen, werden aktiv aufgegriffen und korrigiert.

Obligatorisch ist das Erlernen der Grundzüge eines Entspannungsverfahrens. Gestufte sportliche Aktivitäten, Terrainwanderungen in freier Natur, Schwimmen (und Saunieren) stellen wichtige Angebote dar, den eigenen Körper wieder in positiver Weise zu erleben.

Ein wesentliches Augenmerk wird in unserer Klinik, unserem Grundverständnis als Rehabilitationseinrichtung folgend, auf die konkreten Auswirkungen einer endogenen Depression auf den privaten und beruflichen Alltag gelegt. In Zusammenarbeit mit Sozialpädagogen und kliniksexternen Rehabilitationsberatern ermitteln wir frühzeitig, ob nach der stationären Behandung noch ein Bedarf an weiteren Rehabilitationsmaßnahmen bestehen wird. Soweit möglich, werden solche Maßnahmen in der Klinik nicht nur vorbesprochen, sondern auch bereits eingeleitet. 

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