Hysterie: Definition

Dieser Begriff wurde bereits von Hippokrates verwendet. Als Ursache der Hysterie vermutete man ein Umherschweifen der Gebärmutter im Körper sowie ein starkes sexuelles Unbefriedigtsein. Eine das gegenwärtige Verständnis der Hysterie stark mitprägende Diskussion entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Durch den französischen Arzt Charcot gewann die Hysterie zunächst den Charakter einer quasi neurologischen Krankheitseinheit mit vielfältigen körperlichen, aber auch psychischen Symptomen. Die starke Hervorhebung des hysterischen Anfalls, als „grande hysterie“ bezeichnet, prägte sehr lange das Bild einer sogenannten klassischen Hysterie und wurde erst durch die Psychoanalyse Sigmund Freuds korrigiert und ergänzt. Nach gegenwärtiger Auffassung ist ein gemeinsames Merkmal aller Erscheinungsbilder der Hysterie, dass die/der Betroffene sich unbewusst als etwas anderes darstellt als sie/er tatsächlich ist. Diese veränderte unbewusste Selbstdarstellung wird psychoanalytisch als der Versuch einer Scheinlösung eines innerseelischen Konfliktes betrachtet. Da der Begriff Hysterie seit langem auch in der Umgangssprache einen eher negativen Touch hat, fanden einige Um- und Neubenennungen statt. Hinter den Begriffen Konversionsneurose, Konversionsstörung, hysterische Neurose verbergen sich Unterformen unterschiedlicher Ausprägung der Hysterie, die jedoch einen gemeinsamen psychodynamischen Hintergrund haben. Der Begriff histrionische Persönlichkeit ist eine Neubenennung der hysterischen Persönlichkeit.

Zu der hysterischen Neurosenstruktur / Hysterie kommt es, wenn im 4. bis 6. Lebensjahr verwöhnende Eltern das Kind in der Auseinandersetzung seines kleinkindlichen Wunschdenkens mit der Realität nicht unterstützen. Oft bleibt es dann an den Eltern fixiert, insbesondere in der Form einer ödipalen Fixierung an den gegengeschlechtlichen Elternteil. Eine Hysterie bedeutet in dieser Hinsicht eine Regression (Rückschritt) auf kleinkindliche Bedürfnisse und Ausweichen von der Realität.

Hysterie: Symptomatik

Das traditionelle Konzept der Hysterie ist mittlerweile im Wesentlichen durch die Gruppe der sogenannten dissoziativen Störungen ersetzt worden. Hier zur Erläuterung ein Zitat von Bräutigam: „Die Symptomatik der Hysterie ist bunt. Sie kann protheushaft, d. h. wie der sich wandelnde griechische Meeresgott, jede Krankheit vom Hirntumor bis zum Darmverschluss, vom Gelenkrheumatismus bis zum epileptischen Anfall imitieren. Die Symptome der Hysterie haben einen symbolhaften Charakter, d. h. dass der unbewusste Konflikt sich verschlüsselt in den Beschwerden darstellt.

Häufig sind Sensibilitätsstörungen wie Missempfindungen oder gesteigerte Empfindung von Berührungsreizen, die klassische „psychogene Blindheit und Taubheit“ ist gegenüber früher viel seltener geworden. Im Rahmen der Hysterie kann auch durchaus die Motorik betroffen sein, hierbei handelt es sich häufig um schlaffe einseitige Lähmungen, spastische Lähmungen sind eher selten. Zeitweise beobachtet man auch psychogene Bewusstseinsveränderungen, darunter fallen Traumzustände, Ohnmachten, Unwirklichkeitserlebnisse aber auch Krampfanfälle, die häufig im Gegensatz zu epileptischen Anfällen ohne Zungenbiss, Harnabgang oder Verletzungen infolge eines Sturzes ablaufen. Gar nicht mal so selten kann sich die Hysterie auch in Form von Amnesie (Gedächtnislücke) äußern, hier wird ein qualvolles unangenehmes Erlebnis durch Verdrängung beiseite geschoben.

Sexualängste und sexuelle Funktionsstörungen gehören ebenfalls zu dem Erscheinungsbild der Hysterie. Bei Frauen findet man häufig Sexualekel, Orgasmusstörungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Vaginismus. Bei Männern stellen sich häufig erektive Störungen, Ejaculatio praecox sowie fehlende sexuelle Satisfaktion ein.

Hysterie: Generelle Therapiemöglichkeiten

Hier ist es anfangs wichtig zu entscheiden, ob primär eine auf das Symptom gerichtete Behandlung der hysterischen Neurose oder eine konfliktzentrierte Behandlung indiziert ist. Akut aufgetretene Symptomatik ist möglichst rasch zu behandeln, hierzu eignen sich analytisch orientierte Gespräche, verhaltenstherapeutische Methoden sowie Entspannungsverfahren.

In anderen Fällen ist es sinnvoll, die Behandlung der Hysterie mit einer konfliktzentrierten Therapie zu beginnen um die psychodynamische Grundlage der Symptomatik zu verdeutlichen. Ergänzend ist häufig eine medizinische Behandlung mit Bewegungs- und physikalischen Maßnahmen hilfreich.

Hysterie: Stationäre Psychotherapie in der Hardtwaldklinik II

In der Anfangsphase der Behandlung der hysterischen Neurose geht es darum, dass zwischen der Patientin/dem Patienten und der Bezugstherapeutin/dem Bezugstherapeuten eine tragfähige therapeutische Beziehung entstehen soll. Das Therapieprogramm wird auf die vorliegende Art der Störung abgestimmt und gemeinsam festgelegt. Dies bedeutet, dass begleitende Maßnahmen wie ein Entspannungsverfahren, sportliche Aktivitäten sowie physikalische Maßnahmen vereinbart werden.

Hysterie: Gruppenpsychotherapie

Die Gruppenpsychotherapie ist Hauptbestandteil der Behandlung der Hardtwaldklinik II. Hierbei handelt es sich um analytisch orientierte, aber auch interaktionelle Gruppen mit zwei Sitzungen pro Woche à 90 Minuten. In den analytisch orientierten Gruppen soll ein psychodynamisches Verständnis für die Verursachung einer Hysterie deutlich werden, aber auch die Beziehungsaspekte im Sinne von Übertragungs- und Gegenübertragungsreaktionen. Interaktionell bedeutet, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Gruppe in intensiven Kontakt kommen, Erfahrungen austauschen, über ihr Befinden berichten und sich gegenseitig Rückmeldungen geben.

Hysterie: Kreativtherapie

Die Kreativtherapie findet ebenfalls im Gruppensetting statt, wobei Musiktherapie, konzentrative Bewegungstherapie und Gestaltungstherapie zur Anwendung kommen. In diesem Rahmen können die Patientinnen/Patienten die an einer Hysterie leiden lernen, ihr inneres Erleben, ihre Gefühle besser zu spüren, ihren Körper besser wahrzunehmen und sich in Beziehungen zu anderen zu erleben.

Bei bestimmten Indikationen, dies ist jedoch ein Ausnahmefall, kann ein Kreativverfahren im Einzelsetting verordnet werden.

Abgesehen davon gibt es in der Hardtwaldklinik II Gruppen mit Problem lösenden Ansätzen z. B. Adipositasgruppe, Arbeitslosengruppe, Suchtinformationsgruppe, verhaltenstherapeutische Gruppen (z. B. Angstgruppe, Selbstsicherheitstraining), sowie eine milieutherapeutisch ausgerichtete Großgruppe. Auch das Entspannungsverfahren der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson erfolgt in der Gruppe.

Hysterie: Einzelpsychotherapie

Hier handelt es sich um tiefenpsychologisch fundierte Einzelgespräche, die Frequenz variiert einmal in Abhängigkeit vom Grad der bestehenden hysterischen Neurose, aber auch vom Therapieziel der Patientinnen/Patienten.

Hysterie: Sportliche Aktivitäten und physikalische Maßnahmen

Diese werden individuell mit der Bezugstherapeutin/des Bezugstherapeuten besprochen und vereinbart. Hierbei handelt es sich um Angebote wie Fitnessgymnastik, Stretching, Badminton, Wassergymnastik, Wirbelsäulengymnastik sowie Kneipp’sche Anwendungen.

Hysterie: Freizeitbereich

Hier besteht die Möglichkeit an alternativen Angeboten wie Terrainwandern, Musikwerkstatt, Gestaltungstherapie, Körperwahrnehmung, informativen Vorträgen unserer Psychologen teilzunehmen.

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