Psychosomatik der Schmerzen

Schmerzen kennen mindestens 90% aller Menschen. Sie leiden mindestens einmal im Leben darunter.

Psychologische Auslösefaktoren für Schmerzen

Seelischer Kummer schlägt oft auf Herz und Magen. Aber die Seele kann auch Schmerzen verursachen. Wenn man Angst im Nacken spürt oder vor Kummer den Kopf hängen lässt, führt es häufig zu Verspannungen und Verkrampfungen in der Rückenregion. Dauerstress löst bei vielen Menschen Schmerzen aus. Besondere Faktoren stellen Leistungs- und Erfolgsdruck, wie auch Angst vor Fehlern und Versagen.

Psychotherapie von Schmerzen

"Das schlägt mir auf den Magen", "Das bereitet mir Kopfzerbrechen.", "Da bleibt mir die Luft weg". Dies sind häufig verwendete Redewendungen und Klagen. Schon Meinungsverschiedenheiten mit einem anderen Menschen, die man nicht offen klären kann, können "auf den Magen schlagen". Der Bauch tut weh, man verliert den Appetit oder muss sich übergeben. Wenn man einen Konflikt nicht im Austausch mit seinem Gegenüber ausdrücken und lösen kann, drückt ihn meist der Körper mit körperlichen Beschwerden und Schmerzen aus. Es gibt noch viel mehr Beispiele für mögliche "psychosomatische Krankheitsgeschehen". Dies sind Beschwerden, die durch psychische Konfliktsituationen und Stress zu somatischen Problemen und sogar Schmerzen führen können. In jedem Fall muss man den Menschen bei der Behandlung in seiner Ganzheit sehen.

Wie auch bei dem umgekehrten Fall, der "Somatopsyche", bei der psychische Probleme aus organisch-körperlichen Geschehen resultieren, muss man diesen Zusammenhang und ihre wechselseitigen Beeinflussungen berücksichtigen.

Jeder Krankheitsprozess kann im Spektrum zwischen diesen beiden Polen liegen.

Körperhaltung als Spiegel der Seele

Für Schmerzen in den unterschiedlichen Abschnitten der Wirbelsäule lassen sich gleichsam symbolisch psychologische Haltungen und Begrifflichkeiten finden.

Z. B. Schmerzen im Bereich der Kopf-Hals-Wirbel-Säule: Begriffe wie Hartnäckigkeit, Halsstarrigkeit, Kopf hängen lassen, halsbrecherisch, Nackenschläge, Behauptung.

Für Schmerzen im Bereich der Schulter-Arm-Brust-Wirbelsäule: Begriffe wie stramme Haltung, aufrechte Haltung, gebeugte Haltung, kein Rückgrat haben, Fehlhaltung, Stocksteif.

Und z. B. für Schmerzen der Lenden-Wirbel-Säule und des Steißbeins: Begriffe wie Lenden lahm, Kreuz lahm, krummer Hund, sich hängen lassen, sich aufbäumen, Kreuz brechen.

Ein psychosomatischer Überforderungskreislauf könnte wie folgt skizziert werden:

Stress

führt 1. zu Verspannung,

es resultiert 2. Fehlhaltung,

3. Verspannung steigt,

4. Schmerz entsteht,

5. noch höhere Verspannung entsteht

so beginnt der Teufelskreis.

Es gibt verschiedene Schmerztypen die sich oft vermischen.

Eine Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Psycho- und Physiotherapeuten ist günstiger als monosymptomatische Ansätze..

Bei Kopf-Hals-Wirbelsäulen- Schmerzen können psychologische Komponenten eine Rolle spielen wie z. B.: ein Minderwertigkeitskomplex, Selbstunsicherheit, Angst das Gesicht zu verlieren, sich nicht behaupten zu können. Besonders Überanstrengung, Verausgabung, Überforderung, Overprotecting und Angst z. B. durch Erziehung, Verunsicherung und Mangel an Selbstbewusstsein, das Haupt aufrecht zu tragen, stehen im Vordergrund.

Wiederholen sich solche Situationen oft, kann der Konflikt zwischen Behauptung und Angst zu versagen, zu einer ständigen Verspannung bis Verkrampfung der Haupt- Nacken- und Halsmuskulatur, zu häufigen Kopf- Nacken und Hals schmerzen und so zu einem "HWS-Syndrom" führen.

Bei Schulter schmerzen können eine Rolle spielen: unterdrückte Aggressivität, Angst der Auto-Aggression, Angst andere Menschen zu verletzten, nicht fähig Wut auszudrücken, Hemmung der natürlichen Ausdrucksformen der Aggressivität, reißt sich zu oft zusammen. Er wird zunehmend Schmerzen im Bereich der Schulter bekommen.

Bei Arm-Hand schmerzen spielen eine Rolle: ballt häufig die Faust, Nägel knabbern, fuchtelt mit Armen und Händen, klopft auf den Tisch.

Er wird sich im Bereich der Hände bzw. Arme verspannen und die häufige Wiederkehr solcher Abläufe führt zu chronischen Verspannungen, Schmerzen und Schmerzzuständen des sog. Daumenballen-, Muskelatrophie- oder auch KTS-Syndroms (Karpal-Tunnel).

Bei Brustwirbelsäulen schmerzen stehen psychologisch im Vordergrund: Gefühle der Mutlosigkeit werden herabgesetzt, Trauer und Verzweiflung werden unterdrückt, sie lassen den Kopf hängen, sie runden Ihren Rücken (Hyper-Kyphose-Haltung), mit der Zeit, sich hängen lassen. Mutlos und traurig sein schafft Voraussetzungen für BWS Verspannungen und Schmerzen.

Bei Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und im Steißbein: durch Überforderung, Frustrationen, Störungen der Sexualität, aushalten der gestörten Situationen aus moralischen oder ethischen Gründen, nicht weglaufen aus finanziellen Gründen.

Das Ungleichgewicht zwischen "Innen und Aussen" bringt Verkrampfungen und Schmerzen im ISG- Becken- und Hüftbereich, also ein LWS-Syndrom.

Therapieformen bei Schmerzen

Sinnvoll erscheint es, Maßnahmen zu unternehmen um einen momentanen Gefühlsstau lösen durch z.B. fixierte Gewohnheiten im alltäglichem Leben zu ändern, Urlaub zu machen, Rehabilitation zu beantragen, entspannungsbringende Betätigung zu finden, ein entlastendes Gespräch zu führen in einer angstfreien Umgebung.

Das körperlich-seelische Gleichgewicht kann neu erlernt werden z. B. durch eine Rückenschule wo man eine bewusstere körper-seelische Haltung übt. Man fühlt sich aufrechter, freier, kontaktbereiter und selbstbewusster.

Ansätze sind die körpertherapeutische Ebene, die verhaltenstherapeutische Ebene und die tiefenpsychologische Ebene.

Körperbezogene Behandlungsmethoden bei Schmerzen

  • Wahrnehmung des eigenen Körpers (z.B. Konzentrative Bewegungstherapie)
  • Die konzentrierte Selbstwahrnehmung
  • Erspüren und begreifen
  • Erlebnisse durchsprechen und Bewusstsein erheben
  • Körperverhalten erleben
  • Aufdecken und bearbeiten von Konflikten
  • Nicht richtige Bewegungsgewohnheiten und Körperschonhaltungen verlernen

durch z.B.:

  • Konzentrative Bewegungstherapie
  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
  • Tai-Chi
  • Yoga
  • Atemtherapien

Verhaltenstherapie

  • Alternative Verfahren zum körperorientierten Ansatz
  • Aggressionen wahrnehmen und damit konstruktiv umgehen
  • Selbstbehauptungstraining
  • Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen und zu vertreten statt ständig zurückzustecken
  • Enttäuschungen und Ärger aufzutauen
  • Erlernen neuer Verhaltensweisen durch Rollenspiel und danach in der realen Situation
  • Neues Verhalten im Alltag auszuprobieren
  • Für die Gesundheit und Zufriedenheit eines Menschen ist es wichtig, dass er sich in seiner Umwelt behaupten und entfalten kann.
  • durch z.B.:
  • Stressbewältigungstraining
  • Entspannungsübungen
  • Freizeitplanung
  • Belastungsausgleich
  • Zeitmanagement
  • Problemlösung
  • Mentales Training
  • Positive Phantasie Training

Schmerzbewältigungstraining:

Das Erleben der Schmerzen wird gedanklich auf die positive Vorstellungsebene verändert.

Coping-Training:

Verhaltenstherapeutische Selbstkontroll-Techniken bieten eine Arbeitsanleitung, wie jeder selbst sein Verhalten bzw. Fehlverhalten registrieren, bewerten, und ändern kann.

Tiefenpsychologisch fundierte Methoden

  • Kindheitsgeschichte bearbeiten
  • Lebensplan bewusst erfassen
  • Befreiung von Zwängen
  • Psychoanalyse
  • Gestaltbehandlung
  • Gesprächspsychotherapie

Therapie in der Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten bei Schmerzen

Die psychosomatische Betrachtung der Schmerzen wurde dargestellt vor dem Hintergrund, dass körperliche, geistige, seelische, emotionale und soziale Faktoren bei der Entstehung und Therapie von Schmerzen berücksichtigt werden müssen.

Die innere Haltung spiegelt sich in der äußeren Haltung durch die Körpersprache.

Es wurde gezeigt wie Muskelverspannungen und Muskelverkrampfungen durch ungelöste psychische Konflikte entstehen können, chronisch werden können und zu Schmerzen und Wirbelsäulenschädigungen führen.

In der Hardtwaldtklinik II werden solche psychotherapeutischen Behandlungen in vielfacher Weise im stationären Rahmen angeboten, so dass auch Patienten mit Schmerzen hier eine umfassende, ursachenorientierte und sinnvolle Therapiemöglichkeit finden können. Im Rahmen tiefenpsychologischer, analytisch orientierter und verhaltenstherapeutischer Gruppentherapien sowie auch in den nonverbale Verfahren mit einbeziehenden Gruppen (Konzentrative Bewegungstherapie als körperorientiertes Verfahren sowie Musik- und Gestaltungstherapie) können der Erkrankung zugrunde liegende Belastungen und Konflikte aufgedeckt und bearbeitet werden, in patientenzentrierten therapeutischen Einzelgesprächen wird dies individuell ergänzt.

Im stationären Rahmen der Klinik wird dies auf sinnvolle Weise mit Möglichkeit zu körperlicher Betätigung, dem Erlernen eines Entspannungsverfahrens (Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) und ergänzenden physikalischen und physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll kombiniert. Eine kontinuierliche ärztliche Beratung und Betreuung einschließlich einer medizinischen Basisdiagnostik sind hier gegeben, so dass sich die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und -ansätze zur Therapie der Schmerzen sinnvoll ergänzen können. Der Patient bzw. die Patientin mit Schmerzen können hier aktiv an einem Gesundungsprozess mitarbeiten. Da psychische Entwicklungsprozesse aber generell Zeit brauchen, wird häufig und in vielen Fällen auch eine längerfristige ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung im Anschluss an die stationäre Behandlung diese sinnvoll ergänzen.

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