Funktionelle Störung
Funktionsstörungen beschreiben Beeinträchtigungen körperlicher Abläufe, die das alltägliche Leben erheblich einschränken können. Dabei muss nicht zwingend eine organische Ursache vorliegen.
Funktionsstörungen bezeichnen Beeinträchtigungen verschiedener körperlicher Abläufe. Der Begriff ist in der Medizin weit gefasst und findet in vielen Fachbereichen Anwendung. Besonders vielschichtig sind Funktionsstörungen im psychosomatischen und neurologischen Bereich. Dabei sind Funktionsstörungen nicht immer auf eine nachweisbare organische Ursache zurückzuführen und können auch ohne ausreichenden Organbefund auftreten. Betroffen sein können einzelne Organe oder ganze Organsysteme vom Herz-Kreislauf-System über den Magen-Darm-Trakt bis hin zu Motorik und Sensorik. Die Beschwerden können dabei sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und im Verlauf in Art und Schweregrad wechseln. Funktionsstörungen treten nicht immer als eigenständiges Krankheitsbild auf. Sie können Symptom oder Folge einer anderen Erkrankung sein oder im Wechselspiel zwischen Körper und Psyche entstehen. In allen Fällen können sie den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen und erfordern je nach Ursache und Erscheinungsbild unterschiedliche Behandlungsansätze.

Psychosomatik
Was bisher unter somatoformen Störungen zusammengefasst wurde, wird mit der ICD-11 durch die Bodily Distress Disorder abgelöst. Der neue Begriff rückt die wechselseitige Dynamik von Stress und körperlichen Beschwerden in den Mittelpunkt. Seelische Belastungen können körperliche Symptome auslösen und diese wiederum neuen psychischen Druck erzeugen. Die Beschwerden sind dabei keineswegs eingebildet. Betroffene leiden real unter ihren Symptomen, auch wenn sich trotz gründlicher Untersuchung kein organischer Befund finden lässt. Psychosomatische Funktionsstörungen betreffen häufig:

Neurologie
Neurologische Funktionsstörungen betreffen das Nerven- und Bewegungssystem und können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Eine besondere Form ist die funktionelle neurologische Störung (FNS). Sie äußert sich in motorischen, sensorischen, kognitiven oder anfallsartigen Symptomen, ohne dass sich ein struktureller Schaden im Nervensystem nachweisen lässt. In anderen Fällen können neurologische Funktionsstörungen jedoch auch auf einer nachweisbaren organischen Schädigung beruhen. In diesen Fällen liegt eine strukturelle Ursache vor, die sich durch entsprechende Untersuchungen belegen lässt. Bei neurologischen Funktionsstörungen sind häufig betroffen:
Funktionsstörungen können verschiedene Ursachen haben. Je nachdem, ob sie psychosomatischer oder neurologischer Natur sind, unterscheiden sich sowohl die auslösenden Faktoren als auch die zugrunde liegenden Mechanismen.
Psychosomatische Funktionsstörungen entstehen im Wechselspiel zwischen körperlichen und seelischen Prozessen. Häufige Auslöser sind chronischer Stress, emotionale Konflikte oder traumatische Erlebnisse. Auch Angsterkrankungen und Depressionen gehen oft mit körperlichen Beschwerden bzw. Störungen einher, die sich keiner organischen Ursache zuordnen lassen. Psychosoziale Belastungen wie beruflicher Druck, familiäre Konflikte oder anhaltende Überforderung können ebenfalls zur Entstehung oder Verstärkung von Funktionsstörungen beitragen.
Bei der funktionellen neurologischen Störung lässt sich trotz eindeutiger Symptome keine organische Ursache nachweisen. In anderen Fällen liegt der neurologischen Funktionsstörung jedoch eine konkrete Erkrankung oder ein Ereignis zugrunde. Dazu zählt insbesondere ein Schlaganfall, bei dem die Blutversorgung im Gehirn plötzlich unterbrochen wird, wodurch Nervenzellen absterben und bleibende Funktionsstörungen entstehen können. Aber auch bei Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson werden Nervenzellen und Nervenbahnen über einen längeren Zeitraum geschädigt, was schrittweise zu zunehmenden Funktionseinschränkungen führen kann.
Symptome
Funktionsstörungen äußern sich je nach Ursache und betroffenem Bereich sehr unterschiedlich. Die Beschwerden können vorübergehend auftreten oder einen chronischen Verlauf nehmen.
Probleme im Magen-Darm-Trakt gehören zu den häufigsten psychosomatischen Funktionsstörungen. Typische Beschwerdebilder sind der Reizdarm mit Bauchschmerzen, Blähungen und verändertem Stuhlgang sowie der Reizmagen mit Völlegefühl, Übelkeit und Oberbauchschmerzen.
Herzrasen, Brustschmerzen oder Atemnot können als psychosomatische Funktionsstörung auftreten, ohne dass das Herz organisch erkrankt ist. Das Wechselspiel von Stress, Angst und körperlicher Wahrnehmung und kann sich für Betroffene sehr real und bedrohlich anfühlen.
Betroffene berichten häufig von einem Gefühl der Luftnot oder dem Eindruck, nicht tief genug atmen zu können, obwohl die Atemfunktion körperlich unbeeinträchtigt ist. Auch übermäßig schnelles Atmen kann als psychosomatische Funktionsstörung auftreten.
Schwankgefühle oder Benommenheit ohne nachweisbare organische Ursache werden als funktioneller Schwindel bezeichnet. Er kann sowohl nach einer Erkrankung des Gleichgewichtsorgans als auch durch psychische Belastungen wie Stress oder Angst entstehen.
Veränderungen des Harntrakts wie Schmerzen beim Wasserlassen oder häufiger Harndrang können auftreten, obwohl Blase und Harnwege organisch unauffällig sind. In diesen Fällen liegt häufig eine psychosomatische Ursache zugrunde.
Betroffene können einzelne Körperteile nur eingeschränkt oder gar nicht mehr bewegen. Die Ausprägung der Funktionsstörung kann von teilweisen Lähmungen mit Kraftverlust in Armen oder Beinen bis hin zu vollständigen Lähmungen reichen.
Ob es sich um eine psychosomatische oder neurologische Funktionsstörung handelt, lässt sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen. Grobe Hinweise können die Symptome geben: Beschwerden, die Organe wie Herz, Magen oder Blase betreffen und sich bei Stress oder emotionaler Belastung verschlechtern, deuten eher auf eine psychosomatische Ursache hin. Beschwerden, die Motorik, Sensorik, Sprache oder Bewusstsein betreffen, weisen eher auf eine neurologische Funktionsstörung hin. Die Grenzen sind jedoch fließend. Manche Symptome wie Schwindel oder Sensibilitätsstörungen können beiden Bereichen zugeordnet werden. Nur eine gründliche ärztliche Untersuchung, die körperliche Befunde, Laborwerte und psychische Belastungsfaktoren berücksichtigt, kann Klarheit schaffen. Treten die Funktionsstörungen wiederholt, über einen längeren Zeitraum oder in ihrer Intensität zunehmend auf, sollte ärztlicher Rat gesucht werden.
Therapien
Die Behandlung von Funktionsstörungen richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Bei psychosomatischen Funktionsstörungen stehen psychotherapeutische Verfahren im Mittelpunkt, häufig ergänzt durch Entspannungsverfahren und Stressmanagement. Bei neurologischen Funktionsstörungen mit organischer Ursache zielt die Behandlung darauf ab, die Grunderkrankung zu therapieren und verlorene Funktionen wiederherzustellen.
Grundsätzlich wird bei der Behandlung von Funktionsstörungen meist ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der medizinische, psychotherapeutische und aktivierende Maßnahmen miteinander verbindet. Eine Behandlung, die Körper und Psyche gleichermaßen berücksichtigt, bietet in den meisten Fällen die größten Erfolgsaussichten.
Rehabilitation
Viele Betroffene mit psychosomatischen oder neurologischen Funktionsstörungen profitieren von einer gezielten Rehabilitation, die über die akute Behandlung hinausgeht. In den Wicker Kliniken steht dabei ein interdisziplinärer Ansatz im Mittelpunkt, bei dem Ärzte, Therapeuten, Psychologen und Pflegepersonal eng zusammenarbeiten. Psychotherapeutische, physiotherapeutische und medizinische Maßnahmen werden individuell auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt. Ziel der Rehabilitation ist es, die Funktionsfähigkeit im Alltag schrittweise zurückzugewinnen und den Umgang mit den Beschwerden langfristig zu verbessern.
Kontakt
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FAQ
Funktionsstörungen sind komplex und werfen häufig viele Fragen bei Betroffenen und Angehörigen auf. Wenn Sie hier keine passende Antwort finden, wenden Sie sich gerne direkt an uns.
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