Funktionelle Störung

Funktionsstörungen

Funktionsstörungen beschreiben Beeinträchtigungen körperlicher Abläufe, die das alltägliche Leben erheblich einschränken können. Dabei muss nicht zwingend eine organische Ursache vorliegen.

PsychotherapieFunktionsstoerung

Was sind Funktionsstörungen?

Funktionsstörungen bezeichnen Beeinträchtigungen verschiedener körperlicher Abläufe. Der Begriff ist in der Medizin weit gefasst und findet in vielen Fach­bereichen Anwendung. Besonders vielschichtig sind Funktionsstörungen im psycho­somatischen und neurologischen Bereich. Dabei sind Funktions­­störungen nicht immer auf eine nachweis­bare organische Ursache zurückzuführen und können auch ohne aus­reichenden Organ­befund auftreten. Betroffen sein können einzelne Organe oder ganze Organ­systeme vom Herz-Kreislauf-System über den Magen-Darm-Trakt bis hin zu Motorik und Sensorik. Die Beschwerden können dabei sehr unter­­schiedlich ausgeprägt sein und im Verlauf in Art und Schweregrad wechseln. Funktions­­störungen treten nicht immer als eigen­ständiges Krank­heits­bild auf. Sie können Symptom oder Folge einer anderen Erkrankung sein oder im Wechsel­spiel zwischen Körper und Psyche entstehen. In allen Fällen können sie den Alltag der Betroffenen stark beein­trächtigen und erfordern je nach Ursache und Erscheinungs­­bild unterschiedliche Behandlungsansätze.

Frau sitzt erschöpft auf einem Sofa und hält den Kopf in den Händen
Frau sitzt erschöpft auf einem Sofa und hält den Kopf in den Händen

Psychosomatik

Psychosomatische Funktionsstörungen

Was bisher unter somatoformen Störungen zusammengefasst wurde, wird mit der ICD-11 durch die Bodily Distress Disorder abgelöst. Der neue Begriff rückt die wechsel­seitige Dynamik von Stress und körperlichen Beschwerden in den Mittel­punkt. Seelische Belastungen können körperliche Symptome auslösen und diese wiederum neuen psychischen Druck erzeugen. Die Beschwerden sind dabei keines­wegs eingebildet. Betroffene leiden real unter ihren Symptomen, auch wenn sich trotz gründlicher Unter­suchung kein organischer Befund finden lässt. Psycho­somatische Funktions­störungen betreffen häufig:

  • Herz-Kreislauf-System
  • Magen-Darm-Trakt
  • Atemwege
  • Urogenitalsystem
  • Bewegungsapparat
  • Allgemeinbefinden
Person führt Handübungen durch
Person führt Handübungen durch

Neurologie

Neurologische Funktionsstörungen

Neurologische Funktionsstörungen betreffen das Nerven- und Bewegungs­system und können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Eine besondere Form ist die funktionelle neurologische Störung (FNS). Sie äußert sich in motorischen, sensorischen, kognitiven oder anfallsartigen Symptomen, ohne dass sich ein struktureller Schaden im Nerven­system nachweisen lässt. In anderen Fällen können neurologische Funktionss­törungen jedoch auch auf einer nachweisbaren organischen Schädigung beruhen. In diesen Fällen liegt eine strukturelle Ursache vor, die sich durch entsprechende Untersuchungen belegen lässt. Bei neurologischen Funktionsstörungen sind häufig betroffen:

  • Nervensystem
  • Motorisches System
  • Sensorisches System
  • Sprachzentrum
  • Kognition und Gedächtnis
  • Bewusstsein

Ursachen für Funktionsstörungen

Funktionsstörungen können verschiedene Ursachen haben. Je nachdem, ob sie psycho­somatischer oder neurologischer Natur sind, unterscheiden sich sowohl die auslösenden Faktoren als auch die zugrunde liegenden Mechanismen.

Psycho­somatische Funktions­störungen entstehen im Wechselspiel zwischen körperlichen und seelischen Prozessen. Häufige Auslöser sind chronischer Stress, emotionale Konflikte oder traumatische Erlebnisse. Auch Angsterkrankungen und Depressionen gehen oft mit körperlichen Beschwerden bzw. Störungen einher, die sich keiner organischen Ursache zuordnen lassen. Psycho­soziale Belastungen wie beruflicher Druck, familiäre Konflikte oder anhaltende Über­forderung können ebenfalls zur Entstehung oder Verstärkung von Funktions­störungen beitragen.

Bei der funktionellen neurologischen Störung lässt sich trotz eindeutiger Symptome keine organische Ursache nachweisen. In anderen Fällen liegt der neurologischen Funktionsstörung jedoch eine konkrete Erkrankung oder ein Ereignis zugrunde. Dazu zählt insbesondere ein Schlaganfall, bei dem die Blut­versorgung im Gehirn plötzlich unterbrochen wird, wodurch Nerven­zellen absterben und bleibende Funktions­störungen entstehen können. Aber auch bei Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson werden Nerven­zellen und Nerven­bahnen über einen längeren Zeitraum geschädigt, was schrittweise zu zunehmenden Funktions­einschränkungen führen kann.

Symptome

Häufig auftretende Funktionsstörungen

Funktions­störungen äußern sich je nach Ursache und betroffenem Bereich sehr unter­schiedlich. Die Beschwerden können vorüber­gehend auf­treten oder einen chronischen Verlauf nehmen.

Kontakt aufnehmen
Icon Darm

Magen- und Darmbeschwerden

Probleme im Magen-Darm-Trakt gehören zu den häufigsten psycho­somatischen Funktions­störungen. Typische Beschwerde­bilder sind der Reiz­darm mit Bauch­schmerzen, Blähungen und verändertem Stuhlgang sowie der Reizmagen mit Völlegefühl, Übelkeit und Ober­bauch­schmerzen.

Icon Herz

Herzrasen

Herzrasen, Brustschmerzen oder Atemnot können als psychosomatische Funktionsstörung auftreten, ohne dass das Herz organisch erkrankt ist. Das Wechselspiel von Stress, Angst und körperlicher Wahrnehmung und kann sich für Betroffene sehr real und bedrohlich anfühlen.

Icon Lunge

Atemstörungen

Betroffene berichten häufig von einem Gefühl der Luftnot oder dem Eindruck, nicht tief genug atmen zu können, obwohl die Atemfunktion körperlich unbeeinträchtigt ist. Auch übermäßig schnelles Atmen kann als psychosomatische Funktionsstörung auftreten.

Icon Schwindel

Schwindel

Schwankgefühle oder Benommen­heit ohne nachweis­bare organische Ursache werden als funktioneller Schwindel bezeichnet. Er kann sowohl nach einer Erkrankung des Gleich­gewichts­organs als auch durch psychische Belastungen wie Stress oder Angst entstehen.

Icon Blase

Blasenbeschwerden

Veränderungen des Harntrakts wie Schmerzen beim Wasser­lassen oder häufiger Harndrang können auftreten, obwohl Blase und Harnwege organisch unauffällig sind. In diesen Fällen liegt häufig eine psycho­somatische Ursache zugrunde.

Icon Arm

Lähmungen

Betroffene können einzelne Körperteile nur eingeschränkt oder gar nicht mehr bewegen. Die Ausprägung der Funktionsstörung kann von teilweisen Lähmungen mit Kraftverlust in Armen oder Beinen bis hin zu vollständigen Lähmungen reichen.

Psychosomatisch oder neurologisch?

Ob es sich um eine psycho­somatische oder neurologische Funktions­störung handelt, lässt sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen. Grobe Hinweise können die Symptome geben: Beschwerden, die Organe wie Herz, Magen oder Blase betreffen und sich bei Stress oder emotionaler Belastung ver­schlechtern, deuten eher auf eine psycho­somatische Ursache hin. Beschwerden, die Motorik, Sensorik, Sprache oder Bewusst­sein betreffen, weisen eher auf eine neuro­logische Funktions­störung hin. Die Grenzen sind jedoch fließend. Manche Symptome wie Schwindel oder Sensibilitäts­störungen können beiden Bereichen zugeordnet werden. Nur eine gründliche ärztliche Unter­suchung, die körperliche Befunde, Labor­werte und psychische Belastungs­faktoren berück­sichtigt, kann Klarheit schaffen. Treten die Funktions­störungen wiederholt, über einen längeren Zeitraum oder in ihrer Intensität zunehmend auf, sollte ärztlicher Rat gesucht werden.

Patientin im Gespräch mit einer Psychologin

Therapien

Behandlung von Funktionsstörungen

Die Behandlung von Funktionsstörungen richtet sich nach der zugrunde­liegenden Ursache. Bei psycho­somatischen Funktions­störungen stehen psychotherapeutische Verfahren im Mittelpunkt, häufig ergänzt durch Entspannungs­verfahren und Stress­management. Bei neuro­logischen Funktions­störungen mit organischer Ursache zielt die Behandlung darauf ab, die Grund­erkrankung zu therapieren und verlorene Funktionen wiederherzustellen.

Grundsätzlich wird bei der Behandlung von Funktions­störungen meist ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der medizinische, psycho­therapeutische und aktivierende Maßnahmen miteinander verbindet. Eine Behandlung, die Körper und Psyche gleicher­maßen berück­sichtigt, bietet in den meisten Fällen die größten Erfolgsaussichten.

Patient führt Übung in der neurologischen Reha durch

Rehabilitation

Reha bei Funktionsstörungen

Viele Betroffene mit psycho­somatischen oder neuro­logischen Funktions­störungen profitieren von einer gezielten Reha­bilitation, die über die akute Behandlung hinausgeht. In den Wicker Kliniken steht dabei ein interdisziplinärer Ansatz im Mittelpunkt, bei dem Ärzte, Therapeuten, Psychologen und Pflegepersonal eng zusammen­arbeiten. Psycho­therapeutische, physio­therapeutische und medizinische Maßnahmen werden individuell auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt. Ziel der Rehabilitation ist es, die Funktions­fähigkeit im Alltag schritt­weise zurück­zugewinnen und den Umgang mit den Beschwerden langfristig zu verbessern.

Kontakt

Kontaktieren Sie uns gerne

Haben Sie Fragen zur Funktionsstörungen-Reha in den Wicker Kliniken oder möchten Sie einen Aufenthalt beantragen? Nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.

FAQ

Fragen & Antworten

Funktionsstörungen sind komplex und werfen häufig viele Fragen bei Betroffenen und Angehörigen auf. Wenn Sie hier keine passende Antwort finden, wenden Sie sich gerne direkt an uns.

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